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Eppis im Gothic-Style

(1.8.2016) Unsere (andere) TA hat schon viele Labor-Moden mitgemacht: Farbige Reaktionsgefäße in blau oder gelb, alles schon mal dagewesen. Aber bei schwarzen Eppis gehen die Geschmäcker auseinander.

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Irgendwie sehen sie bedrohlich aus. Wie Geschosse oder Patronen oder sonstwas martialisches.

Ein bisschen auch, als bestünden sie aus Lakritze.

Gleichzeitig strahlen sie etwas geradezu frivoles aus. Nun bin ich schon eine ganze Weile TA und immer waren Eppis weiß. Weiß und rein wie die Unschuld. Vor ein paar Jahren waren sie mal für eine Weile blau und gelb, Treue und Neid?  Wir räumten damals unser Kellerabteil auf und entdeckten ganz hinten zwei vergessene Kisten jener farbigen Eppis. Wie die dahin gekommen waren, wusste niemand mehr. Wahrscheinlich ist der Besteller längst emeritiert.

Weiß wie die Unschuld

Um aufs Thema zurück zu kommen: Eppis waren stets weiß.

Nun aber liegt vor mir ein ganzer Beutel tiefschwarzer Eppis. Die unkonventionelle Färbung lässt die Konturen der einzelnen Eppis verschwimmen. Sie zu zählen wäre eine echte Aschenputtelaufgabe. Deshalb vertraue ich mal der aufgedruckten Herstellerangabe, wonach in dem Beutel 500 der blickdichten Mikroreaktionsgefäße durcheinander wimmeln.

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Die glänzenden Körper ähneln den Chitinpanzern schwarzer Käfer. Hier und da verquer aus der Masse herausragende, an Insektenbeine erinnernde Deckel komplettieren diesen Eindruck. Leerte ich den Beutel auf meinem Tisch aus, hätten wir eine Miniaturausgabe der todbringenden Skarabäenflut aus dem Film „Die Mumie“.

Was ist DAS?

Der Anblick eines einzelnen schwarzen Eppis ist bei weiten nicht so kafkaesk, gleichwohl fallen die Reaktionen im Kollegenkreis mannigfaltig aus. Die Kommentare reichen von „Cool! Eppis im Gothic-Style“, über „Uuuuaah!“ bis „Was ist DAS?“

Die gelben und blauen Eppis damals wurden viel herzlicher empfangen.

Vielleicht liegt das an den nicht ganz jugendfreien Spontanassoziationen, die einem bei den Worten Schwarz und Lack in den Sinn kommen. Seltsam eigentlich, in der Textilbranche wird die Farbe Schwarz eher mit Seriosität und Eleganz assoziiert.

Und bevor jetzt einer meckert: Ich weiß, dass Schwarz physikalisch gesehen ebenso wenig eine Farbe ist wie Weiß.

Der deutsche Rechtschreibduden hält für diese Problemfarben oder eben Problemnichtfarben übrigens das entzückende Adjektiv „unbunt“ bereit. Dennoch wird beides in der Farbpsychologie ausführlich abgehandelt.

Dark Eppi

Sollte jemals eine auf diesem Gebiet geschulte Fachkraft anhand der hiesigen Eppifarbentwicklung ein Profil unserer Arbeitsgruppe erstellen, wird sie sich garantiert nicht langweilen. Von der unschuldigen Braut, zur treuen Hausfrau, zur eifersüchtigen Furie, zur Domina. „Dark Eppi – Dein schönster Albtraum“. Was für eine Karriere. Da sitzt die Lackassoziation doch wie angegossen.

Schuld an diesem verruchten Image wäre dann meine Backbordkollegin, die sich die schwarzen Eppis für ihre photosensitiven Experimente gewünscht hat. Ich frage mich bloß, wie sie ihre Proben da drin finden will. Man kann dieselben in den geschwärzten Gefäßen ja nicht sehen. Ist ja der Sinn der Sache. Das wird sehr diszipliniertes Arbeiten erfordern.

Das schwarze Design wirft noch weitere Fragen der künftigen Benutzerin auf. „Wie soll ich die beschriften?“ Nach langem Suchen treiben wir tatsächlich eine Art TippEx-Stift auf. Jetzt steht der Arbeit nichts mehr im Wege. Für meine Backbordkollegin hoffe ich, dass ihre Versuche die erhofften Ergebnisse bringen. In Filmen deren Titel die Worte „Black“, „Dark“ oder „Schwarz“ enthalten, läuft jedenfalls selten alles glatt für die Akteure.

 

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 12.09.2016