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Biotech-Börse (1): Kaufen? Abwarten? Verkaufen?

(1.12.16)  Die Aktien vieler börsennotierter Life-Science-Firmen steigen. Immer weiter, seit Monaten. Warum also nicht damit dem negativen Leitzins - und so der schleichenden Geldentwertung - ein Schnippchen schlagen?
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© KMJ

In Zeiten, in denen der Leitzins negativ geworden ist, die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf ebenfalls unter null Prozent gefallen ist, die guten alten Guthabenzinsen für Verbraucher endgültig abgeschafft sind, das Bargeldabheben am Automaten oder Schalter mit einer Strafgebühr sanktioniert wird - selbst von der eigenen Bank - und der Staat als Alternative auch genausogut eine Bargeld-Steuer einführen könnte, sind Optionen gefragt. Optionen, die dem Verbraucher nicht das Geld aus der Tasche ziehen. Wie wäre es mit Biotech-Aktien? Die sind in den vergangenen Monaten lustig nach oben geschnellt und haben jenen, die rechtzeitig in Aktien investiert haben, fette Gewinne beschert.

Allabendlich reibt man sich verwundert die Augen und fragt sich: Kann das denn sein? Es kann. Nach jahrelangem Siechtum erlebt die Biotechbranche einen lange nicht mehr erlebten Aufschwung.

Beispiele gefällig? Gerne.

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Nehmen wir die Hamburger Evotec AG: deren Papiere verzeichneten in den vergangenen acht Monaten ein Plus von rund hundert Prozent.

Oder Qiagen, der Reagenzien- und Gendiagnostik-Anbieter mit Hauptsitz in Hilden nahe Düsseldorf: Qiagen-Aktien stiegen seit Juni 2016 von 18,20 auf 25,71 Euro (plus 41 Prozent).

Die Martinsrieder Firma Medigene wiederum: plus 27 Prozent seit Ende September, und sogar mehr als plus 120 Prozent in den vergangenen zwei Jahren.

Oder die Paion AG aus Aachen, spezialisiert auf Arzneimittel-Neuentwicklungen für Sedierung und Anästhesie: 43 Prozent seit Juni 2016. Das bei einer Firma, die vor Jahren schon mal totgesagt wurde.

Wow. Hundert Prozent Wertzuwachs in acht Monaten. 100 Prozent! Während man auf dem Sparkonto im selben Zeitraum zwischen Null und 0,1 Prozent Zinsen erhält - und selbst bei den derzeit bestmöglichen Tages- oder Festgeldanlagen meist deutlich weniger als 1 Prozent. Da kann man sein Geld genausogut im Garten vergraben. Der Wertverfall wird ähnlich sein wie bei den "Angeboten" deutscher Geldinstitute.

Negative Leitzinsen bedeuten „eine offene Subventionierung für die Banken durch die Zentralbank“ – so wird Martin Klein, Professor an der Universität Halle-Wittenberg, im Handelsblatt zitiert. Da hat er sicherlich recht. Wer also so richtig fies sein möchte; wer die armen, notleidenden Banken, denen die Europäische Zentralbank das Geld nicht nur gratis leih, sondern sogar noch was dazu spendiert, nicht weiter mit seinem eigenen, sauer verdienten Privatgeld unter die Arme greifen mag - der wird sich derzeit als Alternative natürlich den Erwerb von Aktien überlegen.

Speziell von Biotechaktien, denn damit dürfte sich ein Laborjournal-Leser noch am besten auskennen. Im Idealfall guckt man sich versteckte Perlen aus, die vom Gros der Anlegerschaft noch nicht „entdeckt“ wurden und die somit in letzter Zeit nicht allzusehr gestiegen sind. Denn je höher und schneller eine Aktie bereits gestiegen ist, desto größer ist auch der Verkaufsdruck - die (noch) glücklichen Aktionäre wollen ihre Gewinne ja irgendwann mal auch realisieren (sprich: in reales Geld umwandeln und dann im Garten vergraben). Wenn aber viele verkaufen, dann fällt der Kurs. Logo. Das wiederum wollen wir ja nicht, und deshalb wähle man tunlichst jene Papiere aus, die zumindest in der nächsten Zeit steigen werden.

Oder man macht's wie Kostolany. Aber über dessen legendäres Prinzip ("kaufen und liegen lassen") geht's an dieser Stelle ein andermal, und sooo arg viele Biotech-Qualitätsaktien gibt's ohnehin noch nicht.

Welche Aktien aber könnte man derzeit guten Gewissens kaufen? Welche Wertpapiere tragen noch Kurszuwachs-Potenzial in sich?

Gute Frage. Wenn der Verfasser das wüsste, dann würde er wohl auch das Gras wachsen hören - und nicht  seine Weisheiten über die Börse in Beiträgen wie diesen verbreiten, sondern er würde seine eigene Börse mit diesem Wissen füllen… in diesem Sinne: Machen Sie's richtig!

Winfried Köppelle



Letzte Änderungen: 07.02.2017