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Warum heißt Ihre Firma denn ausgerechnet Biocopy, Herr Roth?

(2.2.17) Rede und Antwort steht Günter Roth, Arbeitsgruppenleiter am Zentrum für Biosystemanalyse (ZBSA) der Albert-Ludwigs-Universität (Freiburg) - und stolzer Mitgründer und Geschäftsführer des blutjungen Biotechnologieunternehmens Biocopy.
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© Biocopy

Günter Roth

Die Verträge liegen quasi schon bei den Investoren bereit zur Unterschrift. In naher Zukunft möchte die Biocopy GmbH mit ihrer patentierten Erfindung, einem Biomolekülkopierer, die Pharma- und Wissenschaftswelt revolutionieren. Aber auch ohne diesen Deal sieht es die Forschergruppe um Roth gelassen – hat sie doch für die nächsten drei Jahre bereits vier Millionen Fördergelder eingeworben. Drei Fragen an den Chef der aktuell neun(?)köpfigen Truppe:

Biomolekülkopierer - was genau darf ich mir darunter vorstellen?

Günter Roth: Wir schmeißen beispielsweise DNA mit einem PCR-Mix auf einen Chip mit sehr kleinen Kavitäten, der aussieht wie eine Honigwabe. Mittels Verdünnung stellen wir sicher, dass nur eine DNA in einer Kavität ist. Dann machen wir ein Deckelchen drauf, legen das ganze in einen Blockcycler und machen PCR. Aus jeder DNA entsteht ein Pixel DNA auf unserer Oberfläche; so ein Pixel hat etwa 20 Millionen DNS-Stränge. Und diese Pixel können wir weiter kopieren in Protein oder RNA.

Der Clou: Wir wissen am Anfang nicht, was drin ist. Wir kopieren beispielsweise eine Virusprobe, also DNA von einem Virus, dann kommt virales Protein heraus. Wenn wir eine Blutprobe darüber leiten, dann leuchten später nur die Protein-Pixel, mit denen Antikörper aus dem Blut interagieren. Von den 100.000 Pixeln auf dem Chip reagieren vielleicht dreißig besonders gut. Die DNA-Pixel lassen wir sequenzieren und dann erst wissen wir, was es ist: in diesem Falle ein potentieller Impfstoff.

Daher der Name Biocopy: Sie kopieren schlicht und einfach Biomoleküle. Wie ist der Name entstanden?

Roth: Das war eigentlich fast schon eine Zurückentwicklung. Der allererste Antrag, den ich mit diesem Kopierer gestellt habe, der hieß Bio-Copy. Das war aber damals dem dortigen Professor nicht gefällig, so dass der Name ein paar Mal geändert wurde. Eine Zeit lang hieß das Projekt dann MagiC für 'Microarry generation in situ Copying'. Es gab zwei verschiedene Anwendungen, HocuS und PocuS, da weiß ich aber schon gar nicht mehr, wie die Kürzel entstanden sind. Später kam dann MaC für 'microarray copying'. Da gab es für die DNA den DMaC, und den PMaC für Proteine. Die Aptamergewinnung geht besonders schnell, die hieß dann AptaSWIFT. Und da wir grundsätzlich einen Impfstoff in zwei Tagen herstellen können, machten wir daraus Immune2day.

Als es dann Richtung Ausgründung ging, wurde uns die Problematik klar; denn natürlich haben Apple und McDonalds diese ganzen MAC-Geschichten dermaßen patentiert, dass wir wahrscheinlich Schwierigkeiten bekommen hätten. Nennen wir nun die Firma aber Immune2day, wäre das nur die Impfstoffsparte. Aber es geht um den gesamten Biomolekülkopierer, also kamen wir irgendwann wieder auf Biocopy zurück, jetzt ohne Bindestrich. Das fanden alle gut und griffig.

Und im Logo des Firmennamens lässt sich hervorragend eine DNA einfädeln...

Roth: Zu dem Logo gibt es auch noch eine kleine Geschichte [lacht]: Wir haben das alles schön gestaltet, und irgendwann war das Design fertig. Einer meiner früheren Diplomanden, Stefan Krämer, kam zu diesem Zeitpunkt zu uns zurück, nachdem er seine Doktorarbeit in England abgebrochen hatte. Er wollte seine Doktorarbeit hier machen, weil er das Thema so spannend findet. Er guckt sich das Logo an und sagt: Die DNA dreht falsch herum! Wir haben dann nachgeschaut, und er hatte tatsächlich recht! Wir haben schnell versucht, alle alten Logos wieder einzuziehen. Jetzt ist das Logo richtig, und so wird es demnächst, wenn die Verträge mit den Investoren unterschrieben sind, überall auftauchen.

Interview: Sigrid März

 

Steckbrief

Biocopy GmbH

Gründung: 04. Mai 2016

Sitz: Freiburg im Breisgau

Mitarbeiter: offiziell noch keine, aber neun hoch motivierte Wissenschaftler scharren bereits mit den Hufen

Produkt: ein Biomolekülkopierer

 

- Übrigens: Demnächst gibt es in der gedruckten Ausgabe von Laborjournal ein Firmenportrait über die Freiburger Biotechfirma (und natürlich auch im ePaper).



Letzte Änderungen: 23.02.2017

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