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Warum heißt Ihre Firma eigentlich Briefcase Biotech, Herr Murer?

(4.5.17) Rede und Antwort steht der Grazer Alexander Murer, der eine DNA-Synthesemaschine zur Marktreife bringen möchte - und hierfür bereits eine halbe Million Euro Wagniskapital an Land gezogen hat.
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© Briefcase Biotech

Der Grazer "Biohacker" Alexander Murer

Herr Murer, Sie und Ihre Gründerkollegen, Martin Jost und Bernhard Tittelbach, bezeichnen sich selbst als Biohacker. Was genau ist das?

Alexander Murer: Biohacker, würde ich sagen, betreiben Gentechnik und Biotechnologie als Hobby, zur Weltverbesserung, oder einfach aus Freude daran, zu forschen und biologische Fragen außerhalb von Universitäten oder Firmen zu bearbeiten. Organisiert sind Biohacker oft in Biohackerspaces, in Gemeinschaftslaboren. Mir persönlich geht es auch um Bildung, da ich nicht so begeistert davon bin, wie Universitäten Wissen vermitteln. Man braucht die Universität nicht, um Forscher oder Molekularbiologe zu werden. Das können sich viele nicht vorstellen. Genauso wenig wie man die Universität braucht, um zum Beispiel Programmierer zu werden.

Und manchmal wird Hobbyforschung auch zu einem Unternehmen, wie in unserem Fall.

Sie sind einen eher ungewöhnlichen Weg bis zur Firmengründung gegangen...

Murer: Da muss ich ein bisschen ausholen. Ich habe Molekularbiologie studiert und war mit dem Studium sehr unzufrieden, weil es sehr unkooperativ ist: Fakten auswendig lernen und wenig Eigeninitiative. Weil ich mich aber für Molekularbiologie interessiere, habe ich begonnen, in meiner Freizeit Laborgeräte zu bauen. Ich habe mich dann mit anderen zusammengeschlossen und den "Biohackerspace" in Graz gegründet. Anfangs haben wir Studienkollegen, Freunde und jeden, den es interessierte, angeschrieben. So haben sich verschiedene Leute daran beteiligt. Während der Laborarbeit kam uns die Idee, die klassische DNA-Synthese aus der Do-it-yourself-Perspektive heraus anzugehen, mit einem Selbstversorgergedanken.

Der Biohackerspace ist also die Wiege der Firma? Wie haben Sie das alles finanziert?

Murer: Über viele kleinere Quellen: Wir hatten am Anfang eine Benefizveranstaltung; wir bekamen Förderung von der Hochschule; wir haben einen Community-Sozialpreis gewonnen. Das sind jedes Mal ein paar Tausend Euro. Daraus hat sich ein guter Grundstock an Chemikalien, Reagenzien und Enzymen finanzieren lassen. Geräte, meist gebrauchte, haben wir entweder günstig über Ebay gekauft oder von anderen Firmen bekommen. So haben wir uns im Laufe der Monate und Jahre ausgestattet. Ursprünglich haben wir die Firma also schon im Hackerspace zu entwickeln begonnen. Mittlerweile haben wir aber ein eigenes Firmenzentrum, mit Büro und Labor.

Was kann der Kilobaser, und wie weit Sind Sie mit Ihren Prototypen?

Murer: Der Kilobaser soll die "Nespressomaschine der DNA-Synthese" werden. Die allermeisten Labore bestellen ihre DNA. Unser Ziel ist es, die Synthese stark zu vereinfachen und so angenehm und kostengünstig zu machen, dass jeder DNA selbst im eigenen Labor synthetisieren kann. Das hat natürlich auch einen enormen Zeitvorteil. Die Synthese selbst dauert beispielsweise für Primer etwa zwei Stunden. Wenn ich bestelle, warte ich mindestens 24 Stunden oder über Nacht, in den meisten Fällen sogar länger. Unser Gerät reduziert durch die Kartuschen auch den Reagenzienverbrauch und ist sehr einfach zu betreiben, zumindest im Vergleich zu den bisherigen Systemen, die sehr komplex sind und einen Spezialisten benötigen. Je nach Methode befinden sich in den Kartuschen zwischen zwölf und fünfzehn Reagenzien, die für die Synthese gebraucht werden; also die vier Basen, Enzyme, Lösungsmittel und so weiter. Die Chemie ist die klassische Festphasensynthese; die DNA wird in einer Art Säule auf dem mikrofluidischen Chip synthetisiert. Letztes Jahr im Dezember haben wir das erste Mal synthetisieren können. Jetzt müssen wir das System noch robuster machen, Abläufe optimieren, um ein marktfähiges Produkt daraus zu machen. Da ist noch viel Arbeit nötig.

Und wer – glauben Sie  braucht so etwas? Der Kilobaser wird ja sicherlich auch eine Stange Geld kosten.

Murer: Forschungslabore, die molekularbiologische oder Lifescienceforschung machen, Biotechnologiefirmen, Startups  eigentlich jeder, der in irgendeiner Form genetische Forschung macht und öfter Primer braucht. Wir haben auch Kontakte zu Forschungsabteilungen großer Pharmaunternehmen. Die sagen, dass sie entweder DNA bestellen müssen oder auf relativ langsame Syntheseabteilungen in der Firma angewiesen sind, wenn beispielsweise die Sequenz aus Geheimhaltungsgründen nicht verschickt werden darf. Und die interessieren sich für ein eigenes Desktopgerät, mit dem man schneller arbeiten kann. Wir planen, den Kilobaser zwischen sieben- und achttausend Euro einzuführen, also eigentlich zu einem recht günstigen Preis. Die Kartuschen werden dann etwa 150 Euro pro Stück kosten. Mit einer Kartusche kann man knapp 500 Basen synthetisieren.

Wie sind Sie auf den Namen Briefcase Biotech gekommen und was bedeutet er?

Murer: Das kommt aus der frühen Zeit unseres Unternehmens, als wir noch Bioreaktoren entwickelt haben. Wir hatten uns überlegt, aus Spaß und auch, weil's praktisch ist, einen Bioreaktor in einen Aktenkoffer einzubauen, einen Miniforschungsbioreaktor. Der Name ist geblieben, auch wenn wir jetzt keine Bioreaktoren mehr entwickeln.

Gab es etwas im Verlauf der Gründung, woran Sie sich gerne erinnern?

Murer: Es hat viele Highlights gegeben. Beispielsweise waren wir beim Accelerator-Programm in Irland, wo wir auch unsere ersten und weiterführenden Investoren kennen gelernt haben. Das war eine super Zeit und irre inspirierend. Dort haben wir im Endeffekt das Handwerk gelernt, eine Firma zu führen, beispielsweise Investment und Marketing.

 Die Fragen stellte Sigrid März

Steckbrief Briefcase Biotech

Gründung: 2014

Sitz: Graz (Österreich)

Mitarbeiter: 4

Produkt: Kilobaser – ein DNS-Synthesegerät

 

Foto: Briefcase Biotech



Letzte Änderungen: 29.05.2017

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