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Warum heißt Ihre Firma eigentlich Evorion, Herr Bühren?

(23.11.17) Rede und Antwort steht Sebastian Bühren, der als Mitgründer des Münsteraner Biotech-Start-ups Evorion mit einem miniaturisierten Zellkulturchip die Tumorbiologie revolutionieren möchte.
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© Sigrid März

Evorion-Geschäftsführer Sebastian Bühren

Herr Bühren, Sie leiten Evorion nicht alleine. Wer sind Ihre Mitgründer?

Sebastian Bühren: Wir sind zu dritt: Hans Kleine-Brüggeney ist Biotechnologe, wir haben uns bei der btS [biotechnologische Studenteninitiative, Anm. d. Red.] kennengelernt. Dort war ich während des Studiums und der Promotion aktiv, auch bundesweit, und Hans war quasi mein Nachfolger. Robert Weingarten ist wie ich Molekularbiologe, allerdings mit deutlichem biochemischen Fokus. Robert und Hans kennen sich schon aus dem Kindergarten und haben sich später in Münster wieder getroffen.

Ihre Firma ist noch recht jung, Sie haben sie erst vor wenigen Monaten gegründet. Wann haben Sie sich entschieden, ein eigenes Unternehmen aufzubauen?

Bühren: Die Idee gab es natürlich schon vorher. Hans Kleine-Brüggeney hat seine Masterarbeit in Cambridge gemacht, in der Arbeitsgruppe von Florian Hollfelder [Institut für Biochemie; Anm. d. Red.], und kam dort in Kontakt mit der Mikrofluidik. Als er zurück nach Münster kam, haben wir uns aufbauend auf dieser Technologie einige Applikationen überlegt und in Gesprächen mit möglichen Anwendern validiert. Dann haben wir Anträge geschrieben. Es folgte ein Exist-Stipendium, im Anschluss daran eine NRW-Hochschul-Startup-Förderung. Jetzt geht es darum, Investoren ins Boot zu holen.

Habe ich das richtig verstanden, Sie haben erst den Markt für mögliche Applikationen ermittelt und anschließend dazu die Idee entwickelt?

Bühren: Das war eher ein iterativer Prozess. In Cambridge, und das ist alles bereits publiziert, haben die einzelne Zellen in Tröpfchen aus Hydrogel eingeschlossen. Es ist beeindruckend, wie präzise man diesen Prozess steuern kann. Diese Zellen lassen sich dann über einen gewissen Zeitraum kultivieren und analysieren. Wir haben uns gefragt: Was können wir damit machen? Wir können beispielsweise Zellpopulationen mit Einzelzellauflösung anschauen. Wir können tausende Zellen auf einem Array einfangen, so dass wir quasi jeder Zelle einen Namen geben können. Somit haben wir eine Möglichkeit geschaffen, um Populationsheterogenitäten zu analysieren, und zwar bei lebenden Zellen.

Welchen Sinn hat das?

Bühren: Das Thema Zellheterogenität ist zum Beispiel in der Tumorbiologie wichtig. Tumore sind heterogen, mit nur wenigen Tumorstammzellen. Diese können Therapien entkommen und Rezidive bilden, die meist deutlich aggressiver sind als die Primärtumore. Heute macht man eine Bulkanalyse des Gesamttumors, analysiert also tausende Zellen und bekommt am Ende einen Datenpunkt. Die Signale der seltenen Zellen, zum Beispiel der Tumorstammzellen, gehen unter. Mit unserer Technologie können wir unterschiedliche Subpopulationen darstellen.

Und auf eine solche Applikation warten die Forscher und Entwickler?

Bühren: Wir ziehen uns nicht in unser Kämmerchen zurück und entwickeln irgendeine Technologie. Das haben viele vor uns schon gemacht, und einige davon haben es nicht geschafft, weil die Anwendung fehlte. Das ist der Grund, warum wir auf Konferenzen gehen, mit Leuten sprechen, um herauszufinden: Wo ist die Anwendung, was brauchen die Forscher, wo können wir unsere Nische finden? Wir haben mit kleinen und großen Pharmafirmen gesprochen, das Interesse an der Technologie ist groß.

Apropos Heterogenität: Die findet sich auch in Ihrem Team. Sie machen viel in Eigenregie, trotz der komplexen Thematik. Wie sieht die Arbeitsteilung bei Ihnen aus?

Bühren: Ja, das ist ein sehr interdisziplinäres Thema. Wir haben die biologische Anwendung, die wir verstehen müssen, mit Biochemie und Zellbiologie. Darum kümmert sich Robert Weingarten. Hans Kleine-Brüggeney ist unser „Ingenieur“: Elektrotechnik, Programmieren von Touchscreens, Mikrofluidik, aber auch Pumpen integrieren oder Apparatebau, darin ist er exzellent. Mein Teil ist die Geschäftsentwicklung und alles was nach außen geht.

Zuletzt entstehen große Datenmengen, also spielt auch noch Bioinformatik eine Rolle. Dafür suchen wir allerdings noch Leute, die das für uns übernehmen.

Den Namen haben Sie sich gemeinsam ausgedacht?

Bühren: Genau. Der Name ist ein Kunstwort, eine Kombination aus Evolution und Origin. Genauer, das Evo am Anfang sowie das on am Ende stammen von Evolution, ori in der Mitte von Origin. Beides sind in der allgemeinen Biologie feststehende Begriffe, spielen aber auch in der Tumorbiologie eine wichtige Rolle. Solide Tumore durchlaufen eine Art Evolution, die Zellen verändern und entwickeln sich, übernehmen unterschiedliche Aufgaben. Alles kommt aber aus einer Zelle, das ist der Ursprung – origin. Aber der größte Vorteil ist natürlich: Der Name war noch nicht geschützt, und jetzt gehört er uns. [lacht]

Die Fragen stellte Sigrid März

Steckbrief Evorion Biotechnologies

Gründung: Mitte 2017

Sitz: im CeNTech (Center for Nanotechnology) in Münster

Mitarbeiter: Drei Gründer, zwei Masterstudentinnen und ein Hiwi.

Produkt: Miniaturisierte Zellkulturchips zur Einzelzellcharakterisierung

Eigene Website: in Arbeit...

Übrigens: In der Laborjournal-Dezember-Ausgabe (erscheint am 8. Dezember) wird ein ausführliches Firmenportrait über Evorion und deren drei jungen Gründer erscheinen!



Letzte Änderungen: 18.12.2017

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