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Wer hat Angst vor’m Plagiat?

(18.09.2019) Aus unserer Reihe „Anekdoten aus dem Forscherleben“: Wie einem die Antiplagiat-Software der Journals die Einreichung eines Manuskripts ziemlich versauern kann.
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Die beiden Forscherfreunde Sagan und Peil sitzen alleine in der Teeküche ihres Instituts. Irgendwann im Laufe ihres Gesprächs kommt es zu folgendem Dialog zwischen den beiden:

Sagan: Ach ja, wie sieht's eigentlich mit dem Manuskript aus, über das du im letzten Seminar gesprochen hast?

Peil: Oh, Gott – erinner' mich nur nicht daran.

Sagan: Na super, voll rein ins Fettnäpfchen! Sorry!… Ähm, aber jetzt hast du mich neugierig gemacht. Was ist denn Schlimmes passiert?

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Einmal überarbeiten, bitte!

Peil: Na ja, die erste Version bekam ich vom Editor gleich wieder zurück. Der meinte, ich hätte es mir in der Einleitung zu leicht gemacht – weil ich oftmals einfach nur auf andere Publikationen verwiesen hätte, ohne die Dinge wenigstens ansatzweise zu erklären. Man sollte eine Einleitung aber auch prinzipiell verstehen können, ohne nach jedem zweiten Satz in anderen Publikationen nachschlagen zu müssen, war sein Argument. Ob ich also die Einleitung dahingehend noch mal überarbeiten könnte…

Sagan: Klingt doch aber einleuchtend.

Peil: Schon. Hab‘ ich ja auch eingesehen. Und war ja auch nicht viel Arbeit. Ich hab‘ einfach denjenigen unserer Vorgänger-Artikel genommen, in dem große Teile der grundsätzlichen Problemstellung meiner Meinung nach am eindringlichsten und klarsten beschrieben war – und hab‘ die entsprechenden Teile in die neue Einleitung eingearbeitet.

Sagan: Du hast also bei dir selber abgeschrieben?

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Und nochmal überarbeiten, bitte!

Peil: Teile, ja klar. Und naiv, wie ich war, hatte ich mir auch nichts Böses dabei gedacht. Es ging ja schließlich um die Einleitung, nicht um Ergebnisse und Schlussfolgerung. Was dann aber passierte, war, dass auch dieses Manuskript sofort wieder vom Editor zurückkam. In seinem Begleitbrief klärte er mich auf, dass sie seit einiger Zeit alle Manuskripte erstmal mit einer dieser Antiplagiat-Software checken. Und dabei haben sie natürlich mein vermeintliches „Selbstplagiat“ entdeckt.

Sagan: Äh, und dann?

Peil: Na ja, der Editor gab mir zu verstehen, dass man solche Antiplagiat-Software ja teilweise sogar kostenfrei im Internet nutzen kann. Und daher bestünde durchaus die Chance, dass irgendwelche Dritte die deckungsgleichen Abschnitte aufspüren und auf den Gedanken kommen könnten, sein Journal würde  „unsaubere“ Artikel veröffentlichen. Ich müsste also einsehen, dass es doch für alle Beteiligten besser wäre, so etwas gleich im Vorfeld zu vermeiden. Und daher, so seine Aufforderung, sollte ich die Einleitung doch bitte nochmals umschreiben.

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Krampfhaft umformulieren?

Sagan: Und hast du?

Peil: Nein, ich war sauer! Ich hab' ihm stattdessen kurz mitgeteilt, dass ich doch nicht deren Hampelmann sei. Schließlich könne es nicht Sinn wissenschaftlicher Veröffentlichungen sein, Dinge jedes Mal aufs Neue krampfhaft umformulieren zu müssen, die schon längst bestmöglich erklärt wurden.

Sagan: Okay, ich verstehe. Und was ist jetzt mit dem Manuskript?

Peil: Wird gerade von einem andern Blatt begutachtet.

Ralf Neumann

(„Forscher Ernst“ wird gezeichnet von Rafael Florés)

 

(Die einzelnen Geschichten dieser Kolumne sind uns in aller Regel nicht genau so, aber doch sehr ähnlich referiert worden.)

 

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Letzte Änderungen: 18.09.2019

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