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Der Fehlerbalken im Auge des Forschers

"Der Charité-Skandal" (Folgen 1-18 und vorläufig letzte Folge 19, Update vom 3. Mai 2010) -- Es gehen Gerüchte, Forscher an der Charité hätten eine Unzahl von gefälschten Papern veröffentlicht. Höchste Stellen seien verwickelt, der Filz reiche bis nach Hamburg. Selbst Ulrike Beisiegel, Sprecherin des Ombudsman der DFG, Kandidatin für das Präsidentenamt der Göttinger Universität, Ikone der deutschen Wissenschaftsethik, wurde angegriffen.

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Da biegt sich der (Fehler-)Balken

Der Fehlerbalken im Auge des Forschers: Stellungnahme der DFG

 

Wie in der Serie „Der Fehlerbalken im Auge des Forschers“ geschildert, wirft Markus Kühbacher dem designierten Charite Professor Nicolai Savaskan, seit Januar 2008 Datenfälschung und andere Arten von wissenschaftlichem Fehlverhalten vor. Nach gescheiterten Schlichtungsbemühungen des DFG-Ombudsman befaßte sich seit April 2009 der DFG-Ausschuss zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit der Affäre. Freitag letzter Woche, nach einem Jahr Untersuchungen, rügte der Hauptausschuß der DFG Nicolai Savaskan wegen „grob fahrlässigen“ Verhaltens. Hier der Wortlaut der DFG-Pressemitteilung:

 

Statement von DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek, 30.4.2010

 

DFG-Hauptausschuss spricht „schriftliche Rüge“ gegen Dr. Nikolai Savaskan aus

 

Der Hauptausschuss der DFG hat am 30.04.2010 gegenüber Dr. Nicolai Savaskan eine „schriftliche Rüge“ ausgesprochen. Er folgte damit einer Empfehlung des DFG-Ausschusses zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, der zuvor ein „wissenschaftliches Fehlverhalten“ von Dr. Savaskan festgestellt hatte.

Der DFG-Ausschuss hatte sich seit Ende April 2009 in insgesamt fünf Sitzungen mit gegen Dr. Savaskan erhobenen Vorwürfen der Datenmanipulation und des Plagiats befasst. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand dabei ein zur Veröffentlichung im Journal of Neurochemistry eingereichtes, aber nicht angenommenes Manuskript, das im Rahmen eines von der DFG geförderten Schwerpunktprogramms entstanden war. Zur Überprüfung der Vorwürfe hatte der Ausschuss einen externen Gutachter um eine Stellungnahme gebeten. Dazu flossen zahlreiche Stellungnahmen der Beteiligten sowie der Abschlussbericht der parallel eingeleiteten Untersuchung der Vorwürfe durch die Berliner Charité in seine Entscheidungsfindung ein.

 

Auf dieser Grundlage ist der Ausschuss in seiner Sitzung vom 29.04.2010 zu der Bewertung gekommen, dass Dr. Savaskan in dem im Rahmen der DFG-Förderung entstandenen Manuskript unrichtige Angaben gemacht hat, die eine Falschangabe gemäß der DFG-Verfahrensordnung zum Umgang mit wissenschaftlichen Fehlverhalten darstellen. Konkret wurde der Eindruck erweckt, für die dargestellten Forschungsarbeiten seien mehrere Versuchstiere eingesetzt und untersucht worden, wohingegen tatsächlich nur ein Versuchstier genutzt wurde. Der DFG-Ausschuss hat hierzu festgestellt, dass Dr. Savaskan diese Falschangabe „grob fahrlässig“ vorgenommen hat.

 

Die vom Hauptausschuss der DFG ausgesprochene „schriftliche Rüge“ soll ein Zeichen gegen eine solche Arbeitsweise und für die Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis setzen.

 

Die Charité gab dazu folgende Presseerklärung heraus:

Gegen einen Mitarbeiter der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurde im Frühjahr 2009 der Vorwurf erhoben, bei mehreren Veröffentlichungen die Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis verletzt zu haben. Der Ombudsmann der Charité kam nach einer ersten Prüfung zu dem Schluss, dass die Vorwürfe die Einsetzung einer Untersuchungskommission rechtfertigten. Die von der Fakultätsleitung eingesetzte Untersuchungskommission tagte fünf Mal zwischen Juli 2009 und Februar 2010. Sie prüfte und würdigte die für den Betroffenen positiven und negativen Aspekte. Dem Betroffenen wurde umfangreich Gelegenheit gegeben, zu den erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Aufgrund ihrer Untersuchungen kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass bei zwei wissenschaftlichen Veröffentlichungen grobe Verletzungen der wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht festzustellen sind. Die Kommission rügte fehlerhafte und irreführende Darstellungen. Allerdings gab es nach Ansicht der Kommission keine ausreichenden Hinweise für den erhobenen Vorwurf der Fälschung.

Der Vorstand der Charité prüft zur Zeit, welche Konsequenzen aus den Untersuchungsergebnissen zu ziehen sind. Dies schließt mögliche dienstrechtliche Schritte mit ein. Der betroffene Wissenschaftler wird zur Korrektur oder zum Rückzug der beiden Veröffentlichungen aufgefordert.


Hinweis: Falls Sie Kommentare, Bemerkungen, oder Beobachtungen zu dieser Serie lesen oder gar selber loswerden wollen, können Sie das unter dem gleichnamigen Beitrag in unserem Laborjournal Blog gerne tun.

 

 

von Hubert Rehm

 

Als PDFs zum Download:

 

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MS1 v5

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Dalla Puppa Paper

Nogo Paper


Was bisher geschah:

Folge 1: Die Kontrahenten

 

Folge 2: Der Krach

 

Folge 3: Die Affäre eskaliert

 

Folge 4: Savaskan weist die Vorwürfe zurück

 

Folge 5: Nachforschungen des LJ-Reporters

 

Folge 6: Vermittlungsversuche

 

Folge 7: Der DFG-Ombudsman wird angerufen

 

Folge 8: Der Ombudsman fordert Unterlagen an

 

Folge 9: Der DFG-Ombudsman gibt an den DFG Ausschuß für Fehlverhalten ab

 

Folge 10: Kühbachers Generaluntersuchung

 

Folge 11: Frau Beisiegels Stellungnahme

 

Folge 12: Noch ein fehlerhaftes Paper: Das Nogo Paper

 

Folge 13: Juristische Nullnummer

 

Folge 14: Ein neuer Ermittler schaltet sich ein

 

Folge 15: Hugo Habicht widerspricht Adebar Storch!

 

Folge 16: Seltsame Endziffern

 

Folge 17: Zusammenfassung und Kommentar

 

Folge 18: Ergänzungen und Bemerkungen

 



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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