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Osterhase unter der Notdusche

(7.4.2015) Nachösterlicher Wassersegen im Labor unserer (anderen) TA.
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Alles begann mit einer simplen Feststellung meiner Backbordkollegin: „Die Notdusche tropft!“

Ich schaue hoch. Dass die Notdusche tropft kann man eigentlich nicht direkt behaupten. Vielmehr tropft es aus einem einzelnen Loch der Notdusche. Was tut man da?

Wegen eines tropfenden Lochs die Haustechnik aufscheuchen? Die haben doch genug zu tun. Also ignorieren wir das Problem vorerst. Allerdings nicht lange. Das unablässige Tropfen hat was von chinesischer Wasserfolter. Außerdem bilden auch einzelne Tropfen irgendwann eine Pfütze. Also rufe ich doch an.

Der Haustechniker lacht: „Heute ist Tropftag“, stellt er belustigt fest. Diese Aussage stimmt mich nicht gerade zuversichtlich, was ein baldiges Ende der Wasserfolter anbelangt. Wusste gar nicht, dass Inkontinenz unter Rohrleitungen ansteckend ist.

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„Was tropft denn sonst noch so?“, erkundige ich mich teilnahmsvoll. Vielleicht verhilft mir mein Interesse zu einem verbesserten Ranking auf der Warteliste.

„Heizkörper und alles mögliche!“

Es ist immer schön zu wissen, dass man nicht alleine ist. Ich fühle mich getröstet. Vom anderen Ende der Leitung kommt ein interessanter Vorschlag zur Lösung des Problems. „Können Sie was drunter stellen?“ Kann ich schon. Allerdings hängt die Problemdusche direkt über der Eingangstür. Wie Notduschen das eben so machen. Soll ich wirklich einen Eimer unmittelbar hinter die Tür stellen? Dann hätte man immerhin die Wahl, ob man auf der Pfütze ausrutschen oder über den Eimer stolpern will.

„Wurden die Notduschen in den letzten Tagen getestet?“, fragt der Techniker weiter, als ich seinen Eimervorschlag ablehne, sehr höflich, damit er uns in der Warteliste nicht herabstuft.

Ich denke nach. Die letzten Tage waren Osterfeiertage und die wenigen, die im Labor waren, hatten gewiss dringendere Anliegen, als Notduschen zu testen. Brauchte der Osterhase eine Abkühlung? Ist bestimmt anstrengend diese ganze Eiergeschichte. Da ich im Labor kein einziges Osternest gefunden habe, verwerfe ich den Gedanken.

„Nicht das ich wüsste. Warum?“

„Die Rohrleitungen sind so konstruiert, dass noch bis zu einer Woche nach Gebrauch Wasser austreten kann.“ Bevor ich in Unglauben über den Konstrukteur des Systems verfallen kann, gibt mir der freundliche Haustechniker einen etwas befremdlichen Ratschlag.

„Klopfen Sie drauf, dann kommt das Wasser raus!“

Etwas zweifelnd bedanke ich mich und lege auf.

Voll Vertrauen auf sein Fachwissen avanciere ich kurzerhand zur Physiotherapeutin für Notduschen. Was meine Kollegen von mir denken, als ich auf einem Hocker stehend auf die Notdusche einschlage, möchte ich lieber nicht wissen. Nachdem ich ihr einen halben Liter Wasser aus dem Leib geprügelt habe, kommt tatsächlich keines mehr nach.

Um mich auch vor dem Rest der Arbeitsgruppe zum Deppen zu machen, wiederhole ich die Lymphdrainage bei zwei weiteren Notduschen in den Nachbarlaboren, wo offenkundig noch kein anderer die verräterischen Tröpfchen bemerkt hat. Eine Dusche war Meister Lampe wohl nicht genug.

Ein paar Stunden später ist der Boden nach wie vor trocken. Der Haustechniker versteht sein Handwerk.

Wie ich das Bild des fröhlich unter dem Wasserschauer der Notdusche herumspringenden Osterhasen aus meinem Kopf kriege, frage ich ihn aber lieber nicht.

 

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 03.06.2015