Single Malt Scotch Whisky


Wasser des Lebens - im französischen "Eau de Vie", im skandinavischen "Aquavit" - im gälischen Sprachraum heißt es "Uisge Beatha". Als die Engländer mit dieser Flüssigkeit in Berührung kamen, wurde in ihrer Sprache wegen des Klanges Whisky daraus.

Die Herstellung ist denkbar einfach:

  • Das Mälzen. Für schottischen Single Malt wird nur Gerste verwendet. Diese wird in warmem Wasser eingeweicht, um zu keimen und so den für die Gärung nötigen Zucker freizusetzen. Die Keimung wird beendet, indem die Körner getrocknet werden. In Irland geschieht dies in geschlossenen Behältnissen, in Schottland über einem offenen Feuer, dem mehr oder weniger Torf beigefügt wird.

  • Das Maischen. Das getrocknete und geschrotete Malz wird mit warmem Wasser vermischt. Der Zucker wird so gelöst. Dann wird die Würze ("wort") abgezogen. (Für ein Rauchbier fehlte jetzt nur noch der Hopfen).

  • Die Gärung. Die Würze wird nach Zugabe von Hefe einige Tage vergoren.

  • Die Destillation. Die Destillation eines Single Malts erfolgt nicht in einem kontinuierlichen Verfahren, sondern die vergorene Würze wird partieweise in sogenannten Pot-Stills destilliert. Pot-Stills sind die typischen Brennblasen mit einem langen Schwanenhals. Die Form der Blase und des Halses haben einen wichtigen Einfluß auf den Geschmack des Whisky´s. Ist der Hals sehr lang, kondensiert das Destillat zum Teil schon im Hals - nur reinerer, leichterer Alkohol verläßt die Destille. Ist der Hals kurz, ist das Destillat öliger. Die meisten schottischen Whiskies werden zweifach destilliert und verlassen die Destille mit 60 - 75 Volumen Prozent Alkohol. (In Irland gibt es auch einige dreifach destillierte Whiskeys.)

  • Die Reife. Nun wird das Destillat in Eichenholzfässer abgefüllt. Für Single Malts werden Sherry-Fässer und Bourbon-Fässer verwendet, keinesfalls frische, da ein "Barrique-Ton" das delikate Aroma verfälschen würde und daher nicht erwünscht ist. Die lange Lagerung in Holzfässern ist nicht ganz verlustfrei. Die Flüssigkeit, die durch Verdunstung aus dem Faß verloren geht, wird als "Angels´ Share" bezeichnet. Bei der Abfüllung wird der Whisky mit Wasser auf eine Stärke von ca. 40 % herabgesetzt. Whiskies, die unverdünnt abgefüllt werden, bezeichnet man mit "Cask Strength".

Was sind die wichtigsten Gründe für die immense Geschmacksvielfalt schottischer Single Malts? Das Wasser - Es nimmt Mineralien aus den Böden auf, es fließt durch Torf oder es ist Schneewasser aus den Bergen. Die Trocknung - Je nachdem, wie stark das Feuer "getorft" ist, ist dies auch der Whisky. Die Destillation - Sie beeinflußt mit dem Geschmack auch den Körper, von ölig bis leicht. Und natürlich spielen auch Boden, Gerste und Temperatur eine wichtige Rolle.

In Schottland gibt es über 100 Destillerien. In ihrer geographischen Verteilung gibt es zwei "Hot-Spots". Etwa die Hälfte der Destillen steht in Spey-Side (benannt nach dem Flüßchen Spey), nordwestlich von Aberdeen. Charakteristische, torfige Whiskies kommen von den Inseln an der Westküste, vor allem von Islay. Aber es gibt auch Whiskies von den Orkneys, aus den restlichen Highlands und den Lowlands.


Nun zu den getesteten Whiskies in der Reihenfolge der Verkostung:

  • The Glenlivet, 12 years old
    Der Livet ist ein Seitenfluß des Spey. Die Malts aus dem Tal des Livet sind im Charakter delikat und elegant.

  • Glenmorangie, 10 years old
    Der in Schottland selbst meistverkaufte Whisky kommt aus den höchsten Brennblasen Schottlands (5,13 m) - einer der Gründe für die Feinheit dieses Whisky´s. Glenmorangie liegt nordöstlich der Speyside, noch nördlich von Inverness.

  • Cragganmore, 12 years old
    Die Destille liegt hoch über dem Tal des Spey. Cragganmore gilt als der Malt mit dem komplexesten Aroma.

  • Highland Park, 12 years old
    Dieser Malt kommt aus der nördlichsten Destillerie Schottlands auf den Orkneys. Er ist ein Vertreter des Island-Stils.

  • Glenfarclas, 105 Cask Strength
    Ca. 5 km flußabwärts von Cragganmore liegt Glenfarclas. Dieser Malt ist der stärkste offiziell abgefüllte - 60 % - und wird nach dem alten englischen System zur Angabe des Alkoholgehalts mit 105 Proof bezeichnet. Ohne Altersangabe ist dieser Malt zwischen 8 und 10 Jahren alt.

  • Bunnahabhain, 12 years old
    Dieser Malt ist der zarteste der Malts von der Isle of Islay.

  • Talisker, 10 years old
    Talisker kommt aus dem Westen der Isle of Skye. Er ist einer der berühmtesten und kraftvollsten Vertreter der Island-Malts.

  • Laphroaig, 10 years old
    Von der Isle of Islay. Jackson schreibt über ihn: "Man liebt ihn oder man haßt ihn - die Eigentümlichkeit des Laphroaig ist sogar für manch hartgesottenen Maltliebhaber zu viel." Diese Einschätzung kann ich nur bestätigen: Auch für einen hartgesottenen Maltliebhaber ist ein Laphroaig nur etwas, wenn er in der richtigen Stimmung ist, bevorzugt im kältesten Winter. Erwähnt sei das tragische Ende des Gründers der Destillerie: er fiel 1847 in ein Whiskyfaß und ertrank. Zum Schluß der Probe wurde noch ein 15 Jahre alter Laphroaig außer Konkurrenz getestet. Dieser war deutlich runder und milder als der 10 Jahre alte, aber immer noch "medizinisch" im Stil.


Die Preise der getesteten Whisky´s liegen im Bereich von DM 55.- bis DM 75.- (Ausnahme: Der 15-jährige Laphroaig).

Zur Frage: "Welchen Whisky kann ich verschenken?" Malt-Neulinge neigen in der Regel eher zu den milden Spey-Side Whiskies: Glenlivet, Glenmorangie oder etwas würziger der Cragganmore. Wenn es leicht rauchig sein darf, kommt auch der Highland Park in Frage. Die Island-Malts sind ganz entschieden Geschmackssache. Erfahrenere Malt-Trinker haben hier persönliche Vorlieben, nach denen man sich besser vorher erkundigt.


Wie wurde getestet?

Die Redaktion hat eine interdisziplinäre Jury um sich gesammelt, aus Whisky-Neulingen und Whisky-Kennern. Die Whiskies wurde der Reihe nach getestet - von den leichteren zu den schwereren. Dabei wurden jeweils einige Tropfen sehr weichen Schwarzwald-Wassers zugegeben. Die Whiskies hatten Zimmertemperatur. Es wurden Gläser in Form von Cognac-Schwenkern verwendet. Zur Geschmacksneutralisierung wurden zwischen den einzelnen Malts Oatcakes gereicht. Jeder einzelne Whisky wurde intensiv diskutiert. Für jeden Tester ist zusätzlich sein Favorit unter den getesteten Whiskies angegeben - um die Interpretation der Bewertung zu erleichtern.


Die Jury

Hubert Bernauer, Biotech Gründer
Franz-Georg Blattmann, Rechtsanwalt
Charles Lohr, Theologe
Ralf Neumann, Redaktion Laborjournal
Carsten T. Rees, Redaktion Biotech Europe
Rainer Schulte-Lippern, Psychoanalytiker
Jürgen Schwarz, Vertreter der Big Pharma
Markus Tesmer, Chemiker


Die Ergebnisse als Tabelle auf einer eigenen Seite.


Literatur

M. Jackson, Malt Whisky, Der Guide für Kenner und Geniesser, Heyne
F.-J. Lapointe & P. Legrende, A Classification of Pure Malt Scotch Whiskies, Appl. Statist. (1994) 43, No. 1, pp. 237-257


(Erstveröffentlichung: Carsten T. Rees, Dezember 1999, Stand: Dezember 1999, alle Angaben ohne Gewähr)






Letzte Änderungen: 08.09.2004


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