Beiträge zur Biochemie seltsamer Lebewesen (13)

Der Predator

von Siegfried Bär (Laborjournal-Ausgabe 12, 2006)


Obwohl bereits 1987 entdeckt, hat die Wissenschaft den Predator bisher ignoriert. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Siegfried Bär recherchierte und fand allerlei Erstaunliches.

Obwohl dieses Lebewesen schon 1987 bei den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm entdeckt wurde, hat es die Wissenschaft bisher weitgehend ignoriert. Dies ist umso erstaunlicher als das neuentdeckte Lebewesen einige spektakuläre Eigenschaften aufweist. Aber der Reihe nach: Wie bei vielen wahrhaft großen Entdeckungen, war das Ziel der Filmcrew ursprünglich ein anderes: Es scheint um einen Vergleich der Gefahren des Zigarrenrauchens mit der von Kriegshandlungen gegangen zu sein. In der Tat sterben in den USA am Passivrauchen jährlich mehr Leute als im Irakkrieg. Die Crew filmte eine Gruppe von Söldnern unter der Führung eines gewissen Dutch Schaefer, der eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit dem heutigen Gouverneur von Kalifornien aufweist. Schaefer ist ein rücksichtsloser Patron, der seine Untergebenen bedenkenlos den Risiken des Passivrauchens aussetzt.

Er und seine Leute sollen im mittelamerikanischen Dschungel ein Lager von Guerillas überfallen um Geiseln zu befreien. Unterwegs stoßen sie auf die Leichen einiger Green Berets, die abgehäutet kopfunter von den Bäumen hängen. Dieser Fund gibt ihrem anschließenden Überfall auf das Guerilla-Camp den nötigen Schwung. Dies umso mehr, als die Guerillas unter Drogen zu stehen scheinen und immer zu spät oder daneben schießen. Auch ihr Geruchssinn scheint betäubt zu sein, sie überriechen selbst Schaefers stinkende Zigarre. Er und seine Helden veranstalten ein Scheibenschießen und nach fünf Minuten ist alles tot und damit gut.

Soweit wäre dieser Dokumentarfilm höchstens für Generalstäbler interessant, die ihn unter "Taktische Fehler bei militärischen Handlungen" einordnen und als abschreckendes Beispiel ihrem Nachwuchs vorführen könnten. Jedoch: Auf dem Rückweg von Schaefers Gruppe zum Hubschrauberlandeplatz taucht eine biologische Sensation auf. Die Gruppe wird von einem unbekannten Wesen gejagt. Einer nach dem anderen fällt ihm zum Opfer, und was vorher für die Guerillas galt, gilt jetzt für die Söldner: Sie schießen immer zu spät oder daneben. Haben sich die Söldner im Guerilla Camp mit Drogen eingedeckt? Auch leiden sie an Herz-Kreislauf-Problemen. Dies mag jedoch auf die jahrelange Exposition mit dem Zigarrenrauch Schaefers zurückzuführen sein.


Biologische Sensation

Der Dokumentarfilm zeigt folgende Eigenschaften des seltsamen Verfolgers, dem später der Name "Predator" gegeben werden sollte:
  • Er vermag sich der Umgebung so anzupassen, daß er fast unsichtbar ist. In dieser Hinsicht ähnelt er einem perfektionierten Chamäleon.
  • Er hält sich bevorzugt in Bäumen auf.
  • Er verfügt über große Kräfte und hochentwickelte Waffen.
  • Er ist publicitygeil, denn der Kameramann bleibt unbelästigt.
  • Die Augen des Predators nehmen infrarote Strahlung wahr.
  • Im Aussehen ähnelt er einem Reptil, die Mundpartie erinnert jedoch an eine Krabbe.
  • Er liebt Wärme.
  • Sein Blut ist grün.
Bis auf die Mundpartie deuten all diese Eigenschaften auf eine Zugehörigkeit des Predators zur Gruppe der Reptilien: Der Körperbau, die Fähigkeit infrarote Strahlung wahrzunehmen (einige Schlangen sind dazu imstande) und die Tatsache, dass er wärmeabhängig ist. Die chamäleonhafte - auch Chamäleons gehören zu den Reptilien - Fähigkeit, sich der Umgebung anzupassen, scheint allerdings keine biologische, sondern eine technische Errungenschaft zu sein: sie hängt mit dem Mantel des Predators zusammen. Auch dient der Farbwechsel bei Chamäleons, anders als man früher glaubte, nicht der Tarnung, sondern spiegelt zwecks inner-artlicher Kommunikation Erregungszustände wieder.


Dreadlocks und Krabbenmaul: noch viele Fragen offen

Naturgemäß beschreibt der Film, er erklärt nichts und läßt so viele Fragen offen. Wie kommt der Predator zu einem Krabbenmaul? Welche Funktion haben die rastaartigen Dreadlocks? Wozu dient der Helm, den er beim Jagen trägt? Wovon ernährt er sich? Ist es ein Männchen oder ein Weibchen? Warum häutet er seine Opfer und was fängt er mit den Häuten an? Warum ist sein Blut grün?

Es können hier nicht alle Fragen beantwortet werden. Ehrlich gesagt kann ich nur eine beantworten und selbst diese nur teilweise. Es die Frage nach der Farbe des Blutes.

In der Literatur zum Predator, die allerdings hauptsächlich von Laien verfaßt wurde und sich auch so liest, werden die abstrusesten Behauptungen vorgebracht. So soll es sich bei dem Blut um sogenannten Ekelschleim“ handeln, der in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts in Spielzeugläden erhältlich war. Aber ich frage Sie: Warum sollte ein Lebewesen, das zudem (der Film deutet das an) außerirdischer Herkunft ist, in seinen Blutgefäßen irdischen Ekelschleim“ umtreiben? Zudem wurden in Spielzeugläden nie lebende Predatoren beobachtet - nicht einmal zu Weihnachten.

Einen seriösen Hinweis auf die Farbe des Blutes des Predators liefert ein Paper in Science 166, 293, das im Jahre 1969 erschien, also vor der Entdeckung dieses Lebewesens.

Allen Greer und Gary Raizes vom Museum of Comparative Zoology der Harvard University berichten darin von drei Eidechsenarten aus Neuguinea und den Solomoninseln. Deren Blutplasma sei von bläulichgrüner bis limonengrüner Farbe. Es handelt sich um die Spezies Spenomorphus flavipes, Scincella prehensicauda und Leiolopisma virens anolis. Die Autoren vermuten, dass es sich bei dem Farbstoff um den Gallenfarbstoff Biliverdin oder einen nahen Verwandten des Biliverdin handelt. Sie begründen diese Vermutung damit, dass Biliverdin bei Wirbeltieren der einzige Farbstoff sei, der innere Organe grün färbe. Beim Menschen kommt es sogar gelegentlich vor, dass sich die Haut grün färbt. Die Bezeichnung "sich grün ärgern" weist daraufhin, und dem Autor ist beim Landeanflug auf Frankfurt einmal so schlecht geworden, daß er hinterher im Spiegel der Flughafentoilette ein grünes Männchen erblickte. Möglicherweise sind auch die Marsmännchen nur deswegen grün, weil ihnen beim Landeanflug auf die Erde immer schlecht wird.


Das Rätsel grünen Blutes...

Aber zurück zu den Erkentnissen von Greer und Raizes: Das Absorptionsspektrum des Plasmas ihrer Eidechsen zeigte zwei Gipfel bei 405 und 662 nm und ein Minimum bei 510 nm. Die Adsorptionsgipfel bei 405 nm schreiben die Autoren Hämoporphyrinen zu, während die Extremwerte bei 662 und 510 nm gut zu Biliverdin passen würden. Endlich sei der Farbstoff nicht - wie Hämoglobin - an Erythrozyten gebunden, sondern im Plasma gelöst.

Das grüne Blut dient den Eidechsen vermutlich als Schutz vor Freßfeinden: Biliverdin schmeckt bitter. Es ist aber auch ein Antioxidationsmittel und schützt Gefäße und Fettsäuren. In Pflanzen dient Biliverdin als Chromatophor der Rezeptoren von rotem Licht.

Die drei Eidechsenspezies zeichnen sich noch durch andere Eigenschaften aus, so besitzen sie einen zum Greifen geeigneten Schwanz (Klammerschwanz), basale Zehenlamellen und am ventralen Ende des Schwanzes drüsenartige Schuppen. Alle drei Körpermodifikationen hängen mit der Lebensweise dieser Eidechsen zusammen: Sie leben in den Bäumen.

Auch der Predator ist ein Baumbewohner! Der Predator könnte sich demgemäß aus einer Eidechsenart von Neuguinea entwickelt haben.

Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass diese schöne Theorie einen Fehler zu haben scheint. Das Blut des Predators ist nicht nur grün, es fluoresziert auch. Biliverdin dagegen fluoresziert zwar bei niedrigen Temperaturen. Es hat dann aber ein Emmissionsmaximum bei 470-480 nm. Seine Fluoreszenz ist also nicht grün: Als "grün" empfinden wir Wellenlängen zwischen 500 und 550 nm.





...kovalent an Proteine gebundene Fluoreszenzfarbstoffe?

Die Fluoreszenzeigenschaften von Biliverdin können jedoch durch Derivatisierung oder Adsorption zum Beispiel an Proteine, verändert werden. So fluoresziert Biliverdindimethylester bei 710 nm (Braslavsky et al., 2004, Helvetica Chimica Acta 61, 2219-2222).

In der Tat konnten Greer und Raizes zeigen, daß der grüne Farbstoff ihrer Eidechsen ausfällt, wenn man dem Plasma Trichloressigsäure (TCA) zugibt. Da Biliverdin gut wasserlöslich ist, Proteine aber mit TCA ausfallen, spricht dieser Befund dafür, daß der grüne Farbstoff kovalent oder nichtkovalent an ein Protein gebunden ist. Diese Bindung dürfte seine Fluoreszenzeigenschaften modifizieren.

Leider scheint eine Überprüfung dieser Theorie in naher Zukunft nicht möglich zu sein. Auch andere Untersuchungen müssen verschoben werden, so die zur Zusammensetzung der Chromosomen und des Mageninhaltes. Wie der eingangs erwähnte Dokumentarfilm zeigt, hat Dutch Schaefer, rücksichtslos wie alle Suchtraucher, den Predator mit unfairen Tricks zum Selbstmord gezwungen. Zwar stieß im Jahre 2004 eine Forschergruppe in der Antarktis auf drei weitere Expemplare dieser Spezies. Doch alle drei entzogen sich einer näheren Untersuchung: Zwei wurden von Aliens verspeist und der dritte wurde von seinen Artgenossen in einem UFO abgeholt. Weitere Exemplare dieser Spezies sind bisher nicht aufgefunden worden.


Die Lösung liegt auf Neuguinea

Immerhin läßt mein Befund mit dem Eidechsenblut einen interessanten Schluß zu: Die außerirdische Herkunft der Predatoren ist sekundärer Natur. Ursprünglich scheinen sich die Predatoren auf Neuguinea entwickelt zu haben. Vielleicht wurden sie so erfolgreiche Jäger, daß sie aus Umweltschutzgründen ins All ziehen mußten, in die Erde umkreisende Raumschiffe. Die sind, wie die Predatoren auch, unsichtbar.




Letzte Änderungen: 08.01.2007


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