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Buchbesprechung

Larissa Tetsch


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Fabien Grolleau, Jérémie Royer:
Charles Darwin und die Reise auf der HMS Beagle
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Knesebeck (18. September 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3957283132
ISBN-13: 978-3957283139
Preis: 28 Euro (Hardcover)

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Mit Darwin um die Welt

(08.05.2020) Wer Charles Darwin mal von einer anderen Seite kennenlernen möchte, sollte zu dieser schön gestalteten Graphic Novel greifen. Mit wenigen Worten zeichnet sie ein menschliches Bild vom berühmten Naturforscher.

Die Sache mit der Evolutionstheorie hätte auch ganz anders ausgehen können. Hätte sich Pringle Stokes, Kapitän von „His Majesty’s Ship“ Beagle, nicht im Jahr 1828 auf Feuerland das Leben genommen, wäre Robert FitzRoy nicht in jungen Jahren sein Nachfolger geworden. Und hätte letzterer nicht Angst gehabt, das Schicksal seines Vorgängers zu teilen, wäre ein gewisser Charles Darwin wohl nicht am 27. Dezember 1831 an Bord des Forschungsschiffs HMS Beagle gegangen, um dem Kapitän als Tischgenosse zu dienen. Und ohne diese Reise würden wir vielleicht einen ganz anderen Namen mit dem Konzept der Veränderlichkeit von Arten verbinden.

Charles Darwin, Sohn eines Arztes und Enkel des Naturforschers Erasmus Darwin, hatte seinen Platz in der Welt noch nicht gefunden, als er das Angebot von FitzRoy annahm. Geplant war eine zweijährige Reise, nach welcher der erst 22 Jahre junge Darwin sein Theologiestudium abschließen wollte. Doch unterwegs stellte er schnell fest, dass zwar das Seefahrerleben nichts für ihn war, ihn der Entdeckergeist aber gepackt hatte und er in die Fußstapfen seines Großvaters treten wollte. Erst alleine, dann unterstützt von anderen sammelte er mit unermüdlicher Leidenschaft Tiere, Pflanzen und Steine – kurzum alles, was seinen Erkenntnisdrang stillte. Am Ende wurden aus den zwei Forschungsjahren fünf und Darwin kehrte berühmt und mit so viel Material nach England zurück, dass er sich sein restliches Leben der Aufarbeitung widmen konnte.

Menschliches im Mittelpunkt

Über Darwins Leben und seine Reise existieren unzählige Bücher. Sein berühmtestes Werk „On the Origin of Species“ wird immer wieder neu aufgelegt, und erst 2019 brachte der wbg-Theiss-Verlag eine großformatige, illustrierte Ausgabe von Darwins eigener Beschreibung der Beagle-Reise heraus. Wozu also diese fast zeitgleich erschienene, aber inhaltlich stark komprimierte Graphic Novel „Charles Darwin und die Reise auf der HMS Beagle“? Ganz einfach: Sie eröffnet einen erfrischend anderen Zugang zu einem der wohl berühmtesten Forscher der Geschichte. Im Grunde handelt es sich um einen „klassischen“ Comic, der die teilweise seitenfüllenden Bilder in den Vordergrund stellt und dafür auf längere Textpassagen verzichtet.

Das Geschehene beschränkt sich auf die fünfjährige Schiffsreise und erhebt auch dabei keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Vielmehr werden einzelne, für Darwins Werdegang und Persönlichkeitsbildung wichtige Episoden schlaglichtartig beleuchtet. Den Rahmen bildet eine Familienidylle, in welcher der bereits arrivierte Forscher und Familienvater seiner Kinderschar von seiner Reise erzählt, während die Mutter Besorgungen macht. Trotz dieser Fokussierung zeichnen die beiden Comic-Autoren Fabien Grolleau und Jérémie Royer ein komplexes Bild von Darwins Lebenswelt, das vor allem seine menschliche Seite in den Vordergrund stellt. So steht den Ängsten seiner Eltern, der gesundheitlich schwächelnde Sohn könne die Reise nicht überstehen, sein Wunsch gegenüber, eigene Wege zu gehen und sich zu behaupten. Er erduldet selbst die anhaltend schwere Seekrankheit, um wissenschaftliches Neuland zu erreichen und seinem Forscherdrang nachzukommen.

Entdeckergeist und Gesellschaftskritik

Unterteilt ist die Graphic Novel in die einzelnen Reise-Etappen der HMS Beagle. Die erste führt das Schiff vom Heimathafen in Devonport über die Kapverdischen Inseln bis nach Brasilien, dem Land, das Darwin als sein Paradies und seine Hölle bezeichnete. Während ihn die üppige und exotische Natur berauschte, stieß ihn die mit äußerster Härte praktizierte Sklaverei ab und brachte ihn in Konflikt mit seinem Dienstherren, Kapitän FitzRoy. Ein nächster längerer Aufenthalt führte nach Feuerland, wo ein von langer Hand geplantes „Experiment“ vollendet werden sollte: Beim letzten Aufenthalt auf der südamerikanischen Inselgruppe hatten die Briten vier indianische Ureinwohner nach England verschleppt, von denen nun drei nach erfolgreicher westlicher „Sozialisierung“ den christlichen Glauben nach Feuerland bringen sollten. Das Experiment scheiterte kläglich und belastete Darwin zeitlebens, der in der Indianerin Fuegia Basket eine kluge Assistentin gefunden hatte.

Als letztes großes „Schlaglicht“ wird Darwins Aufenthalt auf der Inselgruppe Galapagos beleuchtet und wie er durch den Vergleich der unterschiedlichen Inseln erstmals eine Ahnung von der Wandelbarkeit der Arten bekam.

Auch wenn „Charles Darwin und die Reise der Beagle“ kein Geschichtsbuch ist, so bringt die schön gestaltete Graphic Novel uns doch den Menschen Darwin und die Umstände, die seine Persönlichkeit wohl am meisten geprägt haben, sehr anschaulich und oft auf berührende Weise nahe.

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Illustr.: Knesebeck




Letzte Änderungen: 08.05.2020


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