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Der bretonische Pharmakologe

Winfried Köppelle


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Rätsel

(05.04.2015) Der ausgewiesene Kräuterkenner therapierte Muskelschwäche, ersann Dopingstests, und war ein rigoroser Gegner von Esoterik und Scharlatanerie.

Über die Frage, wer der tüchtigste Pharmakologe des Altertums war, streiten sich die Gelehrten. Für die einen war es Dioskurides von Anazarbos – ein griechischer Arzt in römischen Diensten, dessen 78 nach Christus erschienenes Hauptwerk De Materia Medica die Beschreibungen von fast allen damals bekannten Arzneien enthält. Mehr als anderthalb Jahrtausende lang, bis ins 19. Jahrhundert hinein, war das dicke Kräuterbuch das pharmakologische Standardwerk, das seine Leser über die hustenstillende Wirkung von Schlafmohn, die Giftigkeit von Eisenhut und die den Geschlechtstrieb unterdrückenden Effekte von Mönchspfeffer gleichermaßen unterrichtete.

In jüngerer Zeit trat ein bislang unbekannter Zeitgenosse aus Dioskurides‘ Schatten. Dieser wirkte vorwiegend im Westen des römischen Reiches, genauer: in der Bretagne, bereiste aber in regelmäßigen Abständen auch dessen Provinzen: Helvetien, Ostgermanien, Ägypten, Griechenland. Erstmals 1959 aufgetauchte Originaldokumente belegen, dass auch dieser Medikus ein enormes Wissen um die Wirkungsweise von Heilkräutern besaß, mit ihnen aber offenbar auch gerne experimentierte. Nach dieser, von Historikern weitgehend ignorierten Person wird im Folgenden gesucht.

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Deren Kindheit, Jugend und berufliche Ausbildung liegen im Dunkeln. Illustrierte Handschriften zeigen eine betagte, jedoch rüstige Gestalt mit ausgeprägter Gesichts- anatomie und wallendem Haupthaar. Der Gesuchte scheint bei seinen Mitmenschen in hohem Ansehen gestanden zu sein, auch wenn sein Gebaren gelegentlich skurril gewesen sein muss – etwa wenn er Buchengewächse erkletterte, um dort mit seinem korrosionsbeständigen Ackerbaugerät Halbschmarotzer aus der Familie der Sandelholzgewächse zu sammeln.

Muskelhypertrophes Mischpräparat

Schon Plinius beschrieb, dass Extrakte jener Heilpflanze unfruchtbare Tiere fruchtbar gemacht und Vergiftungen geheilt hätten. Der Gesuchte hingegen nutzte sie vorwiegend als Hauptbestandteil eines oral verfügbaren Mischpräparats mit deutlich muskelhypertropher Wirkung. Ein bislang unbekannter Inhaltsstoff – möglicherweise auch das Zusammenwirken mehrerer Ingredienzien – steigert offenbar die Speicherfähigkeit für ATP in der Muskelzelle um mehrere Zehnerpotenzen. Eine andere Theorie geht davon aus, dass die Mixtur die intrazelluläre Resynthese von ATP aus Kreatinphosphat auf eine bislang unbekannte Weise beschleunigt. Wie auch immer: Im Laufe der Jahrhunderte ging das Rezept verloren; heute versuchen zwielichtige Sport- ärzte und betrügerische Fitnessgurus, die sagenhaften Effekte mit der Verabreichung illegaler Drogen nachzuahmen. Lebte der Gesuchte noch, würde er mit ihnen kurzen Prozess machen: Der erste Dopingtest der Geschichte wurde von ihm konzipiert und mit positivem Resultat durchgeführt.

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Die pharmakologischen Kenntnisse des Gesuchten beschränkten sich keineswegs auf den erwähnten Energiedrink. Mehr als einmal heilte er lebensbedrohliche Intoxikationen mit jeweils geeignetem Antidot; er machte sich mit hybriden Eichensamen um die Ökologie seiner Zeit verdient; mit pflanzlichen Wirkstoffen gelang es ihm, die Teilung der Matrixzellen in den Haarfollikeln von Versuchspersonen nachhaltig anzuregen; und selbst die schon damals auftretende Funktionärs-Fettleibigkeit gelang es ihm nachhaltig zu therapieren.

Gelegentlich unterliefen ihm kleinere Missgeschicke, so sind zum Beispiel mehrere Fälle von multiplen Hautirritationen überliefert. Doch alles in allem genoss er einen untadeligen Ruf und errang bei den jährlichen Fachtagungen mehrmals den be- deutendsten Wissenschaftspreis seiner Zeit.

Wie heißt der gesuchte Pharmakologe, der mehrere Fremdsprachen beherrschte und ein entschiedener Gegner von Esoterik und Scharlatanerie war?




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Der gesuchte, bretonische Pharmakologe ist der Druide Miraculix (geboren um 130 v. Chr.; in seinem Geburtsland auch unter dem Namen „Panoramix“ bekannt). Der in einem kleinen Dorf an der Atlantikküste lebende Druide ist weithin bekannt für die von ihm entwickelten innovativen Trinkrezepturen, für regelmäßige botanische Exkursionen auf Laubbäume und in ferne Länder sowie für seinen Hang zu elitären Arbeitsutensilien aus Edelmetall. Er gilt als gelassener, unparteiischer Humanist, dem jedoch gelegentlich der Kragen platzt, speziell wenn seine Mitmenschen mal wieder esoterischen Scheinwissenschaften auf den Leim gehen. Miraculix hat öfter als jeder andere seiner Fachkollegen den großen Preis der Jahrestagung im Karnutenwald gewonnen, spricht mehrere Fremdsprachen fließend und ist Experte für gesunde Ernährung. Er gilt als unsterblich.