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Breit aufgestellt

Zitationsvergleich 1998 bis 2000: Klinische Chemie & Laboratoriumsmedizin
von Ralf Neumann, Laborjournal 12/2003


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Die Top-Zitierten in der Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin arbeiten über Herz-Kreislauf - und kommen zur Hälfte aus Regensburg oder Münster.

"Oh ja, eine wichtige Disziplin", lobte erst kürzlich ein Neurowissenschaftler seine Kollegen aus der Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin. Verständlich, da sich Definitionen ihrer Disziplin in der Regel wie Rundumschläge anhören. Und ein wenig sperrig. Ein Beispiel: "Das Feld der Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin ist definiert durch die Anwendung von Chemie, Biochemie und Immunochemie sowie der Molekularbiologie auf das Studium menschlicher Krankheiten in Körperflüssigkeiten, Zellen und Geweben." Oder, kaum schlanker: "... die Anwendung von Molekularbiologie, Biochemie, Chemie und Immunologie auf klinische Untersuchungen sowie auf Diagnose, Therapie und Monitoring menschlicher Krankheiten." Womit natürlich sofort wieder das alte Problem von den "Äpfeln und Birnen" auftaucht, die man bei solch breiter Aufstellung zu vergleichen droht.

Dieses manifestiert sich auch sofort bei den meistzitierten Papern der deutschsprachigen Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin aus den Jahren 1998-2000: Mit weitem Abstand "thronen" über allen anderen zwei Artikel, die beide im Prinzip klassisch humangenetische Inhalte vorstellen – die Identifikation von Krankheitsgenen.

Bleiben wir noch ein wenig bei diesen beiden Top-Papern, die bis heute beide gut über 400mal zitiert wurden. Die Nummer eins, mit sechs Zitierungen Vorsprung, stammt federführend aus dem Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Uni Münster – zu diesem Institut später noch ein wenig mehr –, die Nummer zwei aus dem gleichnamigen Institut der Uni Regensburg. Beide Artikel haben fast den gleichen Titel und erschienen "back to back" in der Augustausgabe 1999 von Nature Genetics. Die Münsteraner und Regensburger beschreiben darin jeweils, wie Mutationen in dem Gen ABC1 (ATP-binding cassette transporter 1) auf Chromosom 9 den Cholesterol-Transport durcheinander bringen und auf diese Weise die seltene, vererbbare Tangier-Krankheit verursachen können. Darüber hinaus liefert seitdem die Identifikation dieses wichtigen Cholesterol-Rezeptors weitere wichtige Beiträge zum Verständnis des Zusammenhangs zwischen Cholesterolspiegel und arteriosklerotischen Erkrankungen. Daher die enormen Zitierraten.


Rege Regensburger

Klar, dass bei solchen "Blockbustern" Münsteraner und Regensburger Forscher auch bei den "Köpfen" weit vorne auftauchen müssen. Extrem ist dies im Falle der Regensburger, da aus ihrem Hause noch zwei weitere Artikel zum gleichen Thema unter den Top 10 landeten (Plätze 6 und 7) und nochmals einer um ein lumpiges Zitat Platz zehn verfehlte. Da zugleich ein Großteil der gesamten Regensburger Institutsmitglieder oftmals mehrfach in den Autorenlisten dieser Artikel auftaucht, resultiert ein ungewöhnliches Bild: Gleich sieben Regensburger rangieren hintereinander auf den Plätzen 2 bis 8, an der Spitze Instituts-Chef Gerd Schmitz; bis zu Platz 33 folgen dann noch neun weitere aktuelle oder ehemalige Kolleginnen und Kollegen.


Auf Herz und Nieren

Nicht ganz so krass gestaltet sich dies im Falle der Münsteraner. Dies nicht zuletzt auch deshalb, da auf dem "Spitzenpaper" nur drei Autoren aus dem Münsteraner Institut stammen, die übrigen acht Autoren dagegen aus kooperierenden ausländischen Gruppen. "Nur" sechs Institutsmitglieder schafften daher den Sprung unter die Top 50; "Chef" Gerd Assmann konnte aber dennoch an sämtlichen Regensburgern vorbei auf Platz 1 springen.

Und nicht nur das dürfte gerade zu Assmanns guter Laune beitragen. Seit 1989 fungiert "sein" Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin zugleich als tragender Teil des Münsteraner Instituts für Arterioskleroseforschung. Und für dieses hat die Bund-Länder-Kommission soeben beschlossen, es als Leibniz-Institut einzurichten und somit in die gemeinsame Bund-Länder-Förderung aufzunehmen.

Vor diesem Hintergrund ist auch verständlich, dass die Top 50 deutlich von denjenigen Klinischen (Bio-)Chemikern und Laboratoriumsmedizinern dominiert werden, die Herz-Kreislaufthemen im Fokus ihrer Forschung haben. Neben den 25 Münsteranern/Regensburgern gehören hierzu beispielsweise noch die drei Würzburger um Ulrich Walter (14.).

Allenfalls teilweise mithalten können da lediglich ein paar Kollegen, die sich immunologischen Problemen widmen. Der Der Marburger Allergie-Spezialist Harald Renz (9.) gehört etwa hierzu, oder die Münchner Korbinian Brand (41.) und Sharon Page (46.).

Als Standort präsentiert sich zudem noch Göttingen nicht schlecht: Fünf Forscher um Michael Oellerich (21.), den aktuellen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin, unter der ersten Fünfzig. Deren "erfolgreichste" Publikationen behandelten vorwiegend Monitoring und Abstoßungsrisiken nach Nierentransplantationen.

Insgesamt bietet die Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin damit wieder einmal ein Beispiel wie wichtig die konkreten Themen für die jeweilige Zitationsrate sind. Und offenbart sich als besonders gefährdete Disziplin bezüglich des "Apfel-Birne-Problems".


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Letzte Änderungen: 08.09.2004


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