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Tief Luft holen, bitte

Zitationsvergleich 1999 bis 2001: Lungen- und Atemwegsforschung
von Ralf Neumann, Laborjournal 5/2004


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Asthma ist das Top-Thema der Lungen- und Atemwegsforschung. Weswegen auch Epidemiologen und Kinderärzte besonders gut zitiert werden.

Wie sagte der neue DKFZ-Chef Otmar Wiestler im letzten LJ-Gespräch sinngemäß (LJ 04/2004, S. 28): "In Deutschland denkt die Medizin traditionell sehr stark in Organdisziplinen." Sicher auch eines der Motive, unsere Zitationsvergleiche teilweise nach Organsystemen zu ordnen. So auch diesmal: Lungen- und Atemwegsforschung stehen im Fokus.

Doch auch hier wird einem, wie bereits in anderen "Organ-fokussierten" Zitationsvergleichen zuvor, ein Hintergrund der durchaus kritisch gemeinten Wiestlerschen Worte schnell bewusst: Einzelne Organsysteme kann man mit einer Menge unterschiedlicher Techniken untersuchen. Konkret heißt das etwa für den vorliegenden Fall: Funktionen und Fehlfunktionen von Lunge und Atemwegen kann man biochemisch oder molekularbiologisch untersuchen, natürlich aber auch klassisch physiologisch. Abgesehen davon, dass sich eine durchaus erkleckliche Zahl von Pathologen und Anatomen ebenfalls den Atmungsorganen widmet.


Starkes Thema für Public Health

Doch damit noch lange nicht genug: Infektionen der Atemwege sind ein Thema, dass natürlich eine Menge Infektiologen, Mikrobiologen sowie auch Immunologen beschäftigt. Zumal letztere im Zusammenhang mit dem Stichwort "Asthma" noch ein weiteres großes Betätigungsfeld vorfinden. Genauso wie die Allergologen natürlich.

Schluss ist aber auch damit, wie gesagt, noch lange nicht. Denn wenn man nun den Blick genauer auf unsere Tabellen richtet, fällt einem eines sofort auf: Das unverhältnismäßig gute Abschneiden von Atemwegs-spezialisierten Kindermedizinern und Epidemiologen. Und beim zweiten Blick kommt noch der ein oder andere Arbeits-, Umwelt- oder Sozialmediziner dazu.

Dies liegt sicher hautsächlich an dem bereits erwähnten Top-Thema "Asthma". Zum einen erfordert dieses in der Pädiatrie nochmals besondere Aufmerksamkeit - was unter anderem auch die Platzierung von insgesamt 11 Kindermedizinern unter den 50 meistzitierten Atemwegsforschern dokumentiert. Und dass Atemwegs-Themen zum anderen ein Hauptbeschäftigungsgebiet für die oben erwähnten Public Health-Disziplinen sind, liegt eigentlich auf der Hand.

So gesehen gibt es folglich eigentlich nur zwei "Arten" von Publikationen, mit denen man unter die zehn meistzitierten Paper der Jahre 1999-2001 kommen konnte: Epidemiologische oder Public Health-Studien zu asthmatischen Erkrankungen auf der einen Seite - sowie größer angelegte klinische Studien zur Behandlung von Lungenkrankheiten - wie etwa Lungenkrebs, Lungenhochdruck oder Lungenfibrose.

Auch die Spitzenplätze der "meistzitierten Köpfe" spiegeln das vorher Gesagte im Großen und Ganzen gut wider: Die meisten Zitierungen für ihre Veröffentlichungen der Jahre 1999 bis 2001 "sammelte" mit der Asthma-Spezialistin Erika von Mutius eine Kinderärztin aus dem Dr. von Haunerschen Kinderspital der Uni München. Dahinter rangiert mit Heinz-Erich Wichmann der Leiter des Institus für Epidemiologie am GSF Neuherberg. Und auf dem dritten Platz folgt der bestplatzierte Vertreter der Pneumologie als Disziplin der Inneren Medizin: Werner Seeger von der Uniklinik Gießen.


Problematische Allergologen

Ulrich Wahn, der Viertplatzierte, personifiziert zugleich ein kleines "Problem" dieses Vergleichs. Wahn ist Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Charité in Berlin. Sein Forschungsgebiet ist die pädiatrische Allergologie, wobei er gleichermaßen sowohl über Atemwegs-Allergien, als auch über Hautallergien veröffentlicht. Die Folge: Zu einem guten Teil erzielte er seine Zitierungen nicht unmittelbar mit Lungen- und Atemwegsforschung.

Dies ist ein Problem, das auch sämtliche übrigen Allergologen mit in die Liste bringen. Weitere Beispiele sind etwa der Marburger Harald Renz (9.) und sein Mitarbeiter Udo Herz (44.)

Bleibt die Frage: Wo sind denn die hinsichtlich der Zitierraten stärksten "Lungen-Standorte"? Nummer eins ist ganz klar der Raum München: Insgesamt rangieren zwölf Forscher unter den Top 50, die 1999-2001 zumindest teilweise in der Bayernmetropole arbeiteten. Indes verteilten sich diese auf insgesamt fünf verschiedene Einrichtungen.

Dagegen konnte Werner Seeger alleine aus "seiner" Gießener Pneumologie fünf weitere Mitarbeiter mit unter die ersten Fünfzig ziehen. Ulrich Wahn schaffte dasselbe mit vier weiteren Charité-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern.

Mit sechs Forschern ebenfalls stark vertreten ist Hannover. Neben drei Pneumologen der Cystische Fibrose-Spezialist Burkhard Tümmler von der dortigen Kinderklinik (19.), sowie die beiden Anatomen Thomas Tschernig und "Chef" Reinhard Pabst (beide 47.).

Mit diesen Dreien sind wir letztendlich der reinen Grundlagenforschung zum Thema "Lungenkrankheiten" sehr nahe gerückt. Auffällig dürftig schneidet diese im Vergleich mit den erwähnten klinischen Studien und Public Health-Untersuchungen ab. Das ist bei den meisten anderen Organsystemen anders. Erklärungsmöglichkeiten? Entweder es gibt schlichtweg wenig - oder wenig gute - biochemische, molekulare oder physiologische Lungen- und Atmungsforschung im deutschen Sprachraum. Oder sie ist gerade kein zitierstarkes Thema.


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Letzte Änderungen: 08.09.2004


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