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Blut und Haut

Zitationsvergleich 2000 bis 2002: Krebsforschung
von Ralf Neumann, Laborjournal 07/2005


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In der Krebsforschung 2000-2002 wurden vor allem klinische Studien stark zitiert. Nicht ganz schuldlos war das vermeintliche Erfolgs-Medikament Glivec aus dem Hause Novartis.

Wenn man sich so umhört, machen ziemlich viele Forscher Krebsforschung. Nun kann man mit ein wenig Boshaftigkeit sagen: Klar, das Wort "Krebs" im Antrag erhöht sicher die Bewilligungschancen gleich um ein paar Prozentpunkte – auch wenn es dem Antragsteller eigentlich um ganz andere Dinge geht. Nun kann man aber tatsächlich viele Themen beispielsweise aus Molekular- und Zellbiologie in Richtung Zellentartung oder genetischer Entkopplung interpretieren. Und sofort sind reine Grundlagenprojekte etwa zu Zellteilung und Zelladhäsion, oder zur Epigenetik sowie neuerdings gar zur RNA-Interferenz irgendwie "Krebs-relevant".

Schwierige Bedingungen für einen Zitationsvergleich "Krebsforschung". Um nicht komplett Äpfel mit Birnen zu ver-gleichen, berücksichtigten wir nur Forscher, die tatsächlich noch "nahe dran" sind an den Tumoren. Umgekehrt formuliert: Wir haben diejenigen Forscher draußen gelassen, die sich ausschließlich grundlegend mit molekularen oder zellbiologischen Prozessen befassen, die bei Tumorzellen "aus dem Ruder laufen".

Resultat dieses Vorgehens ist natürlich, dass die Zitationsanalyse stark von Klinikern dominiert wird. Allerdings ist dies nicht der einzige Grund: In der Krebsforschung scheint man überdies mit klinischen Papern generell mehr Zitierungen sammeln zu können als mit molekular-zellbiologischen Artikeln. Allein sieben der zehn meistzitierten Paper der Jahre 2000-2002 standen im New England Journal of Medicine, bekanntermaßen eine Zeitschrift, die ihren Fokus eher auf klinischer statt experimenteller Medizin hat. Nur zwei Arbeiten der Top 10 kann man eher der experimentellen Seite zuordnen: Das Nature-Paper auf Platz 4 über die Rolle von Chemokin-Rezeptoren bei Brustkrebs, sowie den Nature Medicine-Artikel auf Platz 9 über Tumorklassifikation mittels Genexpressions-Profilen.

Ansonsten spiegelt die Liste der meistzitierten Paper vor allem den Siegeszug des Krebsmedikaments Glivec wider. 1999 präsentierten Forscher des Basler Pharmaunternehmens Novartis "dramatische Verbesserungen" bei Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie, denen der maßgeschneiderte Wirkstoff STI-571 verabreicht worden war. Der Wirkstoff, der seither Imatinib genannt wird, legt die abnorme und Tumor-spezifische BCR-ABL-Tyrosinkinase lahm und fährt dadurch die von der Kinase ausgelöste ungesteuerte Proliferation zurück. Was darauf weiterhin folgte, bezeichnen heute nicht wenige als "die wichtigste Entwicklung in der gesamten Onkologie". Zumal Glivec inzwischen bei gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) ebenfalls positive Wirkung gezeigt hat, sowie momentan auch bei Hirntumoren getestet wird.


Brust, Darm und Hirn auch dabei

Da Basler Novartis-Forscher maßgeblich an Entwicklung und Tests von Glivec beteiligt sind, liegen deren Paper natürlich auch in unserem Zitationsvergleich weit vorne: Die Artikel auf den Plätzen 1,3, 5, 6 und 7 sind Glivec-Paper.

Logisch daher auch, dass Basler Novartis-Forscher in der Köpfe-Liste ebenfalls sehr weit oben auftauchen. Allen voran Renaud Capdeville aus der Novartis-Onkologie, der mit weitem Abstand den Spitzenplatz belegt - gefolgt von Elisabeth Buchdunger (3.), Sasa Dimitrijevic (11.) und Jeanette M. Wood (16.). Dazu kommen als Kooperationspartner noch die beiden Hämatologen Andreas Hochhaus aus Mannheim (7.) sowie Dietger Niederwieser aus Leipzig (19.), die ebenfalls an Glivec-Studien beteiligt waren.

Klar daher auch, dass Leukämien zu den besonders häufig zitierten Krebsarten in unserem Verbreitungsgebiet gehörten. Dies aber nicht nur wegen der Glivec-Story. Nicht umsonst bildet die Hämatologie schließlich ein eigenes Fach in der Inneren Medizin, weswegen man gleich einige ihrer Vertreter weit oben platziert antrifft – etwa den Tübinger Lothar Kanz (8.), sowie Alois Gratwohl aus Basel (12) und den Ex-Kölner Volker Diehl (15.).

Sehr gut vertreten sind indes auch die Hautkrebs-Forscher, denen man naturgemäß vor allem an Hautkliniken begegnet. Einige von ihnen sind – da sie sich insbesondere der Tummorimmunologie von Melanomen zuwenden – bereits bekannt aus dem Zitationsvergleich "Immunologie" (LJ 1-2/2005, S. 35), wie etwa Eva-Bettina Bröcker aus Würzburg (2.), der Erlanger Gerold Schuler (4.) oder Jürgen Knop aus Mainz (6.).

Neben Leukämien und Melanomen findet man als Themen unter den vielzitierten Artikeln und Forschern allenfalls noch Brust- und Darmkrebs weiter vorne. Und in der Person des Tübinger Neurologen Michael Weller (20.) haben auch die Hirntumoren wenigstens einen Repräsentanten mit dabei.

Bleiben noch die nicht-klinischen sowie die klinisch-theoretischen Fächer. Letztere sind vor allem durch Pathologen vertreten; insgesamt acht Vertreter dieser Zunft schafften es unter die Top 50 – allen voran der Basler Guido Sauter auf Platz 9. Der reinen Grundlagenforschung kann man bei all der klinisch-medizinischen Dominanz immerhin ebenfalls neun Forscher zurechnen, angeführt von dem Tumorimmunologen Peter Krammer vom DKFZ Heidelberg (5.), sowie Martin Lipp vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (10.) und Erwin F. Wagner vom Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (13.).

Dennoch, sie hatten es schwer gegen die Kliniker. Wie schwer, das sieht man auch daran, dass der Martinsrieder Axel Ullrich als meistzitierter deutscher Biomediziner überhaupt zumindest mit seinen Publikationen der Jahre 2000 bis 2002 bei dieser Konkurrenz nicht unter die Top 50 kam.


Korrekturen (Stand 09/2005)

Der Artikel "Regression of human metastatic renal cell carcinoma after vaccination with tumor cell-dendritic cell hybrids", NATURE MEDICINE 6 (3): 332-336 MAR 2000, wurde von Nature Medicine als falsch bewertet und im September 2003 zurückgezogen. Die dafür angerechneten 400 Zitate (Laborjournal 7-8/2005) werden den beiden Autoren Lothar Kanz und Peter Brossart abgezogen. Kanz rutscht somit auf Platz 21, Brossart zählt nun nicht mehr zu den Top 50.

Klaus-Michael Debatin war im Zitationsvergleich Krebsforscher (Laborjournal 7-8/2005) nicht unter den 50 meistzitierten Köpfen aufgeführt. Er vermisste seinen Namen zu Recht. Sämtliche Artikel aus dem August 2002-Heft von Nature Medicine waren in der verwendeten Datenbank "ISI - Web of Science" - fälschlicherweise! - mit dem Jahr 2003 verlinkt. Sie tauchten daher bei der eingeschränkten Suche von 2000-2002 nicht auf. Und so wurden sie auch bei den Zitierungen nicht berücksichtigt. Debatin werden für den in dieser Ausgabe veröffentlichten Artikel "Smac agonists sensitize for Apo2L/TRAIL- or anticancer drug-induced apoptosis and induce regression of malignant glioma in vivo" NATURE MEDICINE 8 (8): 808-815 AUG 2002 zusätzlich 127 Zitierungen angerechnet. Somit rückt er nun mit insgesamt 941 Zitierungen bei 37 Artikeln auf Platz 42 vor.

Klaus Schulze-Osthoff wurden, ausgehend von seiner jetzigen Tätigkeit an der Universität Düsseldorf, leider nur Zitierungen aus einer auf Düsseldorf eingeschränkten Suche angerechnet. Das waren natürlich zu wenige, da er in den Jahren 2000-2002 noch in Münster seinen Wirkungsort hatte. Tatsächlich steht er mit 1151 Zitierungen (Daten stammen vom 23. August 2005) bei 38 Artikeln auf Platz 26. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.


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Letzte Änderungen: 30.10.2005


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