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Bizarre Symptome

Zitationsvergleich 2000 bis 2002: Neurowissenschaften, klinischer Teil
von Lara Winckler, Laborjournal 03/2006


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Das Forscherleben der klinischen Neurowissenschaftler wird von Krankheiten wie Multiple Sklerose, Alzheimer und Parkinson bestimmt. Doch neben diesen Klassikern gibt es auch "Exoten" wie die Erforschung von Schlaf und Angst, Phantomschmerzen und der weiterhin aktuellen Prionen.

Während die nicht-klinischen Neurowissenschaften Eltern vieler Kinder sind, ist die Sache bei den klinischen Neurowissenschaften mehr oder weniger klar. Alle Wissenschaftler, die in einer Neurologischen Klinik mit Patienten arbeiten, sind schon mal mit von der Partie. Dazu kommen die Psychiatrischen Kliniken und einige der Institute für Psychiatrie. Schwerer fällt die Entscheidung bei Forschern der Neurochemie, der Neuroendokrinologie oder Mitarbeitern von Radiologischen Abteilungen. Hinzu kommen noch Mitarbeiter von Max-Planck-Instituten, die sich nicht so eindeutig von den Klinischen abgrenzen lassen. Einige von ihnen sind daher sowohl bei den Nicht-Klinischen als auch bei den Klinischen vertreten, wie Florian Holsboer (1.) und Hans Lassmann (4.). Allen gemeinsam ist die Arbeit an oder mit Patienten und die Veröffentlichung in den einschlägigen Journals.


Klassiker mit dabei, aber auch ...

Klassischerweise werden in den klinischen Neurowissenschaften Krankheiten des Zentralen und Peripheren Nervensystems und der Skelettmuskulatur behandelt. Vor allem die Erkrankungen des Gehirns äußern sich in zum Teil recht bizarrer Symptomatik, wobei der Grad der Bizarrheit direkt proportional zu der historischen Bekanntheit der Krankheit ist. An erster Stelle auf der Zeitskala steht erwartungsgemäß die Epilepsie, die mal als "heilige Krankheit", mal als Besessenheit stigmatisiert und schon im antiken Ägypten gefürchtet wurde. Prominenteste Patienten sind wohl Julius Cäsar und Alfred Nobel.

Noch immer gehört die Epilepsie zu den starkbeforschten Objekten der Neurowissenschaft. Bei den Top 50 der klinischen Neurowissenschaftler nimmt sie allerdings nur Platz 5 der bevorzugten Forschungsthemen ein. Dafür widmen sich ihr einige Forscher ganz und gar, wie Christian E. Elger (2.), Direktor der Bonner Uniklinik für Epileptologie, und Johannes Schramm (24.) von der Neurochirurgischen Klinik Bonn. Klares Top-Thema ist - noch vor Morbus Alzheimer - der Schlaganfall. Gleich 15 Kliniker untersuchen Entstehung und mögliche Therapien: Hans-Christoph Diener (6.) etwa, Direktor der Neurologischen Uniklinik Essen, erforscht die Rolle von Cholesterol bei Gefäßverschluss und Schlaganfall.

Jörg B. Schulz (20.) und Johannes Dichgans (15.) interessieren sich ebenfalls für Cholesterol: Sie untersuchen im Rahmen von Neuroprotektion und -degeneration den Einfluss von Cholesterol bei der Entstehung neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson. Dieter Lütjohann (9.) von der Klinischen Pharmakologie Bonn hat die Veränderungen im Cholesterol-Metabolismus zum Thema, die bei verschiedenen Erkrankungen des Nervensystems auftreten: Neben Morbus Alzheimer auch bei Diabetes mellitus oder vererbten Stoffwechselerkrankungen wie dem Smith-Lemli-Opitz-Syndrom.


... Exoten

Platz 4 der bevorzugten Forschungsthemen bei den Klinikern nimmt Multiple Sklerose (MS) ein. Unter den Top 10 beschäftigen sich zwei mit Ätiologie, Pathogenese und Therapie von MS: Hans Peter Hartung (3.) von der Klinischen Neuroimmunologie Düsseldorf und Hans Lassmann (4.) von der Neuroimmunologie am Institut für Hirnforschung der Uni Wien haben darüber die beiden meistzitierten Artikel verfasst. Mathias Bähr (27.) von der Neurologie Göttingen erforscht neben MS auch Zerebrale Ischämien (Störungen der Gehirndurchblutung) und Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) (Degeneration von Motorneuronen).

Neben Parkinson, Alzheimer, MS und Epilepsie sind auch etwas außergewöhnlichere Forschungsthemen vertreten: So betreibt Jan Born (38.) von der Klinischen Neuroendokrinologie der Uni Lübeck Schlafforschung. Schizophrenie-Forscher sind ebenfalls mit dabei: Klaus Peter Lesch (8.) von der Psychiatrischen Klinik der Uni Würzburg und Wolfgang Maier (19.), Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Bonn.


Frauen stark unterrepräsentiert

Etwas aus den Medien und damit aus der Mode gekommen ist die Forschung an Prionen und der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, die Sigrid Poser (36.), Klinik für Neurologie der Uni Göttingen, jedoch weiterhin fesselt. Neben Poser ist noch eine Forscherin unter den Top 50: Claudia Trenkwalder (34.) führt seit 2001 an der Klinischen Neurophysiologie Göttingen Schlafforschung an Patienten mit Parkinson und dem Restless-Legs-Syndrom durch.


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Letzte Änderungen: 24.04.2006


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