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Die Krankmacher

Zitationsvergleich 2001 bis 2004: Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
von Lara Winckler, Laborjournal 1-2/2008


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Angst, Stress, Alkohol- und Drogenabhängigkeit und die entsprechenden Verhaltensweisen – das sind die bevorzugten Themen der Top 50. Besonders das Münchner MPI für Psychiatrie tut sich hierbei hervor.

Die Verhaltensneurowissenschaften befassen sich mit Genetik und Neurobiologie des Verhaltens sowie dessen pharmakologischer und endokrinologischer Grundlagen. Die Grenze zu klinischen Neurowissenschaftlern und Psychiatern sowie den empirisch arbeitenden Psychologen ist dabei sehr verwaschen.

Um hierbei nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, waren Verhaltensexperimente eine Bedingung für die Kandidaten, eine andere, dass ein großer Teil der Projekte tierexperimentell durchgeführt werden sollte.


Psychiatrie vorn dabei

Neunzehn Forscher der Top 50 unter den deutschsprachigen Verhaltensneurowissenschaftlern arbeiteten zwischen 2001 und 2004 zumindest zeitweise an psychiatrischen Forschungsinstituten – den Löwenanteil stellt das MPI für Psychiatrie München mit sechzehn Wissenschaftlern aus sechs Abteilungen –, vier schaffen es sogar unter die Top 10. Allen voran Klaus-Peter Lesch (1.) von der Würzburger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Von Haus aus Psychiater, sucht Lesch zusammen mit seinem Mitarbeiter Rainald Mößner (24.) nach den genetischen Grundlagen von Persönlichkeit und Verhalten des Menschen.

Andreas Zimmer (4.) von der Uni Bonn dagegen arbeitet an der molekularen Analyse von Schmerz und Drogenabhängigkeit. In seinem Forschungsfokus steht ein Lieblingsthema der Top 50-Verhaltensneurowissenschaftler: endogene Cannabinoide und Opioide, die körpereigenen Schmerzkiller, die auch den emotionalen Zustand beeinflussen und abhängig machen können.

Auch Beat Lutz (3.), der 2005 vom Münchner MPI für Psychiatrie an die Physiologische Chemie und Pathobiochemie der Uni Mainz wechselte, forscht unter anderem an Cannabinoiden. Er untersucht ihre Rolle bei der Auslöschung aversiver Erinnerungen – dies ist auch Thema des am zweithäufigsten zitierten Artikels. Kürzlich gelang Lutz und seinem Team zudem der Nachweis einer neuroprotektiven Wirkung von Cannabinoiden: sie bremsen übermäßige neuronale Aktivitäten und verhindern so etwa epileptische Anfälle.


Angst, Stress und Depression

Auch die pharmakologischen Institute sind mit dreizehn von fünfzig Top-Forschern gut vertreten – die Hälfte von ihnen war zumindest zeitweise bei Novartis Basel tätig. Unter ihnen befindet sich Wolfgang Froestl (6.). Seine Forschung dreht sich um g-Aminobuttersäure (GABA), GABA-Rezeptoren sowie deren angstlösende (anxiolytische) Wirkung, die er zusammen mit Klemens Kaupmann (11.), Gilles Sansig (28.), Will Spooren (33.) und Peter Kelly (43.) an GABA-Knockout-Mäuse untersucht.

Angst und angstlösende Medikamente, auch in Zusammenhang mit der Wirkung von Stresshormonen sowie "Stressbewältigungs"-Hormonen wie CRH (corticotropin-releasing hormone), lässt die Erforschung anderer Themen weit hinter sich: 24 der Top 50 befassen sich mit der Genetik und Neuropharmakologie von Angst und Stress. So erforscht Eberhard Fuchs (7.) zusammen mit Boldizsár Czéh (16.) und Alessandro Bartolomucci (32.) am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen an Tiermodellen endokrine, neurobiologische und Verhaltensveränderungen bei stressbedingten Krankheiten wie Depression, sowie mögliche Therapien. Ihre Veröffentlichung zur antidepressiven Wirkung von Tianeptin ist der meistzitierte Artikel.

Der Verhaltensneuroendokrinologe Rainer Landgraf (8.) züchtet am MPI für Psychiatrie München Ratten und Mäuse auf extrem hohes oder niedriges Angstverhalten, anhand derer er zusammen mit Alexandra Wigger (18.) und Nicola Toschi (30.) die Expression bestimmter Neuropeptide in Stresssituationen untersucht.

Gerhard Rammes (15.) dagegen konzentriert sich speziell auf die zentrale, durch CRH vermittelte Stress-Situation. Hierfür haben er und sein Team am Münchner MPI für Psychiatrie Knockout-Mäuse hergestellt, denen das Gen für einen CRH-Rezeptor fehlt. Bei ihnen ist emotionales Verhalten, wie zum Beispiel Angst, oder Verhaltensweisen zur Bewältigung von Stresssituationen gestört – diese Mäuse neigen bei Dauerstress etwa zu Alkoholismus.


Exoten

Zu den Ranking-"Exoten" zählen die beiden Biopsychologen Onur Güntürkün (21.) aus Bochum – er erforscht zerebrale Asymmetrien in Vogel und Mensch und betreibt in Delphinen neuroanatomische und Verhaltensstudien – und Joseph Huston (25.) aus Düsseldorf, sowie Randolf Menzel (37.) von der Neurobiologie der FU Berlin, der den Zusammenhang zwischen Gedächtnis und Verhalten bei Honigbienen untersucht.


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Letzte Änderungen: 15.03.2007


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