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Phytoöstrogene und Krebs

Zitationsvergleich 2001 bis 2004: Toxikologie
von Lara Winckler, Laborjournal 09/2007


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Warnung

Die deutschsprachige Toxikologie hat zwei große Schwerpunkte: die Entstehung und Prävention von Krebs sowie die Erforschung von - unter anderem anthropogener - Umweltverschmutzung und deren Auswirkungen auf Flora und Fauna.

Die Toxikologie ist die Lehre von den Giftstoffen sowie der Behandlung von Vergiftungen. So vielfältig die Wirkungen und Wirkorte der Toxine, so zahlreich sind die Disziplinen, die sich mit toxikologischen Fragestellungen beschäftigen. Ein Toxikologe muss sich zumindest in Chemie, Physik, Biochemie, Zellbiologie, Pharmakologie auskennen, zusätzlich zu Pathologie, Neurologie und Immunologie - der einzelne Naturwissenschaftler oder Mediziner kann das kaum leisten. Folge war mangels Nachwuchs ein stetiges Abspecken der Toxikologie-Institute in den letzten Jahren.


Umfassende Kenntnisse

Nach Schließung der Hälfte aller toxikologischen Institute zur Jahrtausendwende existieren nur noch wenige eigenständig - die meisten Toxikologie-Institute sind der Pharmakologie angegliedert. Das macht durchaus Sinn, denn die Übergänge sind fließend - oft bestimmt die Menge beziehungsweise die Konzentration eines Stoffes seine Giftigkeit. Das wusste schon der schweizerische Arzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsius: "Alle Ding' sind Gift und nichts ist ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding' kein Gift ist."

Um dem Schwund an Toxikologen beizukommen, gründete Martin Göttlicher (4.), GSF Neuherberg, zusammen mit vier Kollegen 1999 das "Tox-Net B.W.", das an fünf baden-württembergischen Universitäten die Ausbildung und Forschung über die molekularen Ursachen von Human- und Ökotoxizität anbietet - hier liegt für die Pharmakologie wie auch für die Toxikologie die Zukunft.

Bei aller Brisanz gerade im Hinblick auf Umweltverschmutzung und damit verbundenen Erkrankungen beim Menschen - Artikel zur Umwelt- und Ökotoxikologie hinken bei der Zahl der Zitierungen hinter der medizinischen Toxikologie hinterher, medizinische Forschungsthemen haben einfach eine viel größere (zitierende) Community als ökologische. Aus diesem Grund werden gemeinsame Zitatonsvergleiche den Ökotoxikologen nie ganz gerecht.


Ökotoxikologie in der Minderheit

Dennoch konnten sich einige gegen die Übermacht der Mediziner behaupten: Helmut Segner (14.), bis 2000 Leiter der Aquatischen Ökotoxikologie in Leipzig, ist der einzige schweizerische Toxikologe im Vergleich. Er untersucht an der Fisch- & Wildtiermedizin der Uni Bern die Rolle des Östrogenrezeptors in Fischen und die Auswirkungen von hormonell aktiven Substanzen, beispielsweise das in Waschmitteln, Fungiziden, Arzneimitteln und Weichmachern verwendete nichtionische Tensid Nonylphenol, das über Kläranlagen ins Grundwasser gelangt. Als Xeno-Östrogen wechselwirkt es mit Östrogenrezeptoren und löst auch bei männlichen Jungfischen die nur für weibliche Fische relevante Vitellogenin-Synthese aus.

Christian Steinberg (25.), Leiter des Berliner Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), sorgt sich um die Verschmutzung der Gewässer durch Überdüngung mit Stickstoff und Phosphor, was unter anderem zur Algenblüte insbesondere giftiger Cyanobakterien führt, und Medikamentenrückstände, Haushaltschemikalien und Kosmetika. Ein Artikel des Berliner Experimentaltoxikologen Reinhard Länge (40.) zur Wirkung von synthetischem Östrogen auf Fische ist der Meistzitierte, Ausdruck des wachsenden Interesses der Community an Auswirkungen anthropogener Umweltverschmutzung.

Auch bei Krebsforschern stehen Östrogene, hier als mögliche Kanzerogene, im Fokus: Hermann-Maximilian Bolt (28.) etwa untersucht am Institut für Arbeitsphysiologie der Uni Dortmund (IfADo) die Wirkung von Phytoöstrogenen.


Toxine in der Krebsforschung

Am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg betrachtet eine ganze Abteilung unter der Leitung von Helmut Bartsch (2.) toxikologische Aspekte bei der Entstehung von DNA-Schäden beziehungsweise gestörter DNA-Reparatur. Das DKFZ ist mit acht von 50 Top-Toxikologen auf Platz 1 des Institutsrankings. Mit einigem Abstand folgt die Lebensmitteltoxikologie der Uni Karlsruhe unter der Leitung von Manfred Metzler (45.). Er und seine Mitarbeiter haben ihren Forschungsschwerpunkt auf Metabolismus und genotoxischem Potential von Pflanzeninhaltsstoffen mit Hormonwirkung, wie Isoflavone und Lignane, sowie Mykotoxinen.

Das IGB Berlin steht mit drei Mitarbeitern auf Platz 3, gemeinsam mit der Mainzer Toxikologie. Bernd Kaina, Leiter der Toxikologie Mainz und auf Platz 1 des Zitationsvergleichs, untersucht im Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs die DNA-Schutzsysteme der Zelle gegenüber UV-Licht, Röntgenstrahlung und Umwelttoxinen.

Auch zwei Wiener Krebsforscher sind vertreten: Rolf Schulte-Herrmann (15.) und Siegfried Knasmüller (33.) haben die Krebsentstehung durch chemische Substanzen wie Umwelttoxine zum Thema.


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Letzte Änderungen: 24.10.2007


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