Die Krankmacher

Zitationsvergleich 2001 bis 2004: Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
von Lara Winckler, Laborjournal 1-2/2008

Die meistzitierten Artikel Die meistzitierten Reviews Die meistzitierten Köpfe

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Labor
Bild: iStockphoto/Oscar Fernandez Chuyn

Die Top 50 der Klinischen Chemie hatten 2001-2004 das Augenmerk auf Herz-Kreislauf. Weit über die Hälfte der Forscher stammen aus den Instituten in Regensburg, Münster, Würzburg, Wien und Zürich.

Als Disziplin wurde die Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin im späten 19. Jahrhundert eingeführt zur Untersuchung von Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen gesunder und kranker Menschen. Anfangs standen ihr nur einfache chemische Tests zur Analyse der verschiedenen Komponenten von Blut und Urin zur Verfügung. Mittlerweile haben sich jedoch eine Reihe von zumeist automatisierten Untersuchungsmethoden etabliert. Dazu gehören Spektrometrie, Elektrophorese und Immunoassays. Auch Verfahren der Molekularbiologie, insbesondere die PCR, kommen zum Einsatz, etwa um Veränderungen der Erbsubstanz zu bestimmen.

Nicht zu verwechseln ist die Klinische Chemie mit der Medizinischen Chemie, die sich als Teilgebiet der Pharmazeutischen Chemie mit der Entwicklung und Synthese von Arzneistoffen beschäftigt sowie die Arzneistoffwirkung analysiert.

Das Spektrum der Fachgebiete, mit denen Klinische Chemiker und Labormediziner zusammenarbeiten, ist breitgefächert: Molekularbiologen, Endokrinologen und Pathologen sind ebenso vertreten wie Uro-, Nephro- und Kardiologen, wobei die letzteren den bei weitem größten Anteil ausmachen. Um kardiovaskuläre Themen dreht sich denn auch die Hälfte der meistzitierten Artikel im Vergleich.

Um angesichts dieses Fächerkonglomerats nicht völlig den Überblick zu verlieren und am Ende Äpfel mit Bananen zu vergleichen, wurden in diesem Zitationsvergleich ausschließlich Wissenschaftler aufgelistet, die zwischen 2001 und 2004 zumindest zeitweise in einem Institut für Klinische Chemie und/oder Laboratoriumsmedizin arbeiteten.


Vor allem Herz und Gefäße

Die Klinischen Chemiker des deutschsprachigen Raums erforschten zwischen 2001 und 2004 zusammen mit Kardiologen in erster Linie Erkrankungen von Herz und Blutgefäßen, vor allem Atherosklerose, gefolgt von Bluthochdruck, Schlaganfall und genetisch bedingten Herzerkrankungen.

Zu dieser Gruppe gehört auch der Erstplatzierte dieses Vergleichs, Gerd Assmann, Direktor am Münsteraner Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und seit 1989 auch des Instituts für Arterioskleroseforschung. Die meisten Zitierungen sammelten Assmann und seine Mitarbeiter Hermann Schulte (11.), Paul Cullen (14.) und Arnold von Eckardstein (3.) - der 2002 die Direktion des Instituts für Klinische Chemie in Zürich übernahm - mit großangelegten internationalen Studien zur Erforschung der Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall. Zwei ihrer Reviews zu High Density Lipoprotein und Atherosklerose gehören zu den meistzitierten.

Doch es gibt auch andere Themen für Klinische Chemiker: Harald Renz (6.) arbeitet über Allergien, insbesondere Asthma. Dietmar Fuchs (12.) aus Innsbruck sucht nach Markern für Prostatakrebs. Der Leipziger Jürgen Kratzsch (18.) erforscht Wachstumsfaktoren. Winfried März (9.) von der Grazer Labordiagnostik schließlich untersucht neben Lipidstoffwechsel und Atherosklerose neurodegenerative Erkrankungen wie Morbus Alzheimer. Mit einem Artikel aus seiner Freiburger Zeit über die Wirkung von Cholesterol auf alpha-Sekretase belegt März Platz 1 bei den meistzitierten Artikeln.


Fünf große Institute

Fünf Institute tun sich 2001-2004 besonders hervor, und jedes stellt einen der Top 5-Forscher: Die Regensburger Klinische Chemie entsendet sieben Wissenschaftler, vorneweg Institutsdirektor und Atheroskleroseforscher Gerd Schmitz (2.). Auch aus Münster sind sieben Forscher vertreten. Den beiden dicht auf den Fersen ist die Würzburger Klinische Biochemie und Pathobiochemie um Bernhard Nieswandt (5.), der 2005 zusammen mit Thomas Renné neue Erkenntnisse über den Blutgerinnungsfaktor XII veröffentlichte und damit die gängige Blutgerinnungslehre ins Wanken brachte. Ebenfalls gut vertreten sind die Zürcher Klinischen Chemiker um Arnold von Eckardstein und die Wiener, die jeweils fünf Forscher in den "Ring" schicken. Darunter die Thromboembolie-Forscher Christine Mannhalter (19.) - eine von sechs Frauen im Vergleich - und Peter Quehenberger (31.) von der Uni Wien.




Wie die Tabellen entstanden

Berücksichtigt wurden Papers mit Erscheinungsjahr zwischen 2001 und 2004 sowie min-des-tens einem Autor mit Adresse im deutschen Sprachraum. Die Zahlen für Zitate und Artikel lieferte die Datenbank "Web of Science" des Thomson-Institute for Scientific Information (ISI) in Philadelphia. Stichtag war der 24.01.2008.

Die "Köpfe" arbeiteten während des Bewertungszeitraums von 2001 bis 2004 an einem Institut für Klinische Chemie und Labormedizin, publizierten überwiegend in Journals für Klinische Chemie und Labormedizin oder arbeiteten in erster Linie an für die Klinische Chemie und Labormedizin bedeutsamen Projekten. Reviews zählten für die "Köpfe"-Wertung nicht.

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Die meistzitierten Artikel

Rang Autoren Paper Zitierungen
1. Kojro E, Gimpl G, Lammich S, März W, Fahrenholz FLow cholesterol stimulates the nonamyloidogenic pathway by its effect on the alpha-secretase ADAM 10 PNAS 98 (10): 5815-5820 MAY 8 2001261
2. Blankenberg S, ..., Peetz D, Hafner G, ..., Meyer JCirculating cell adhesion molecules and death in patients with coronary artery disease CIRCULATION 104 (12): 1336-1342 SEP 18 2001167
3. Mollnau H, ..., Walter U, ..., Münzel TEffects of angiotensin II infusion on the expression and function of NAD(P)H oxidase and components of nitric Oxide/cGMP signaling CIRCULATION RESEARCH 90 (4): E58-E65 MAR 8 2002159
4. Koglin J, ..., Vogeser M, Cremer P, von Scheidt WRole of brain natriuretic peptide in risk stratification of patients with congestive heart failure J AM COLL CARDIOL 38 (7): 1934-1941 DEC 2001154
5. Blankenberg S, ..., Peetz D, ..., Rupprecht HJInterleukin-18 is a strong predictor of cardiovascular death in stable and unstable angina CIRCULATION 106 (1): 24-30 JUL 2 2002150
6. Schotte H, Schlüter B, Rust S, Assmann G, Domschke W, Gaubitz MInterleukin-6 promoter polymorphism (-174 GIG) in Caucasian German patients with systemic lupus erythematosus RHEUMATOLOGY 40 (4): 393-400 APR 2001150
7. Heil F, Ahmad-Nejad P, ..., Bauer SThe toll-like receptor 7 (TLR7)-specific stimulus loxoribine uncovers a strong relationship within the TLR7, 8 and 9 subfamily EUROP J IMMUNOL 33 (11): 2987-2997 NOV 2003148
8. Chenevard R, ..., Riesen W, ..., Ruschitzka FSelective COX-2 inhibition improves endothelial function in coronary artery disease CIRCULATION 107 (3): 405-409 JAN 28 2003144
9. Hammes HP, ..., Hannak D, Neumaier M, ..., Brownlee MBenfotiamine blocks three major pathways of hyperglycemic damage and prevents experimental diabetic retinopathy NAT MED 9 (3): 294-299 MAR 2003144
10. Heller R, ..., Werner-Felmayer G, Werner ERL-ascorbic acid potentiates endothelial nitric oxide synthesis via a chemical stabilization of tetrahydrobiopterin J BIOL CHEM 276 (1): 40-47 JAN 5 2001144





Die meistzitierten Reviews

Rang Autoren Paper Zitierungen
1.von Eckardstein A, Nofer JR, Assmann GHigh density lipoproteins and arteriosclerosis – Role of cholesterol efflux and reverse cholesterol transport. ART THROMB VASC BIOL 21 (1): 13-27 JAN 2001209
2.Nieswandt B, Watson SPPlatelet-collagen interaction: is GPVI the central receptor? BLOOD 102 (2): 449-461 JUL 15 2003186
3.Nofer JR, ..., Fobker M, Levkau B, Assmann G, von Eckardstein AHDL and arteriosclerosis: beyond reverse cholesterol transport. ATHEROSCLEROSIS 161 (1): 1-16 MAR 2002148





Die meistzitierten Köpfe

Rang Name Ort Zitierungen Artikel
1. Gerd AssmannKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster231459
2. Gerd SchmitzKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg179276
3. Arnold von EckardsteinKlin. Chem., Uni Zürich148845
4. Markus ExnerLabormed., Med Uni Wien143466
5. Bernhard NieswandtVirchow-Zentr. & Klin. Chem., Uni Würzburg141934
6. Harald RenzKlin. Chem. & Mol. Diagn., Uni Marburg135271
7. Gerd HafnerKlin. Chem. & Labormed., Uni Mainz118340
8. Parviz Ahmad-NejadKlin. Chem., Mannheim, Uni Heidelberg11757
9. Winfried MärzLab. Diagn., Uniklinik Graz (bis 9‘2002 Freiburg)115957
10. Oswald F. WagnerMed. & Chem. Lab. Diagn., Med Uni Wien115466
11. Helmut SchulteKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster102917
12. Dietmar FuchsKlin. Chem. & Biochem., Uni Innsbruck1004119
13. Ulrich WalterKlin. Biochem. & Pathobiochem., Uni Würzburg97345
14. Paul CullenKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster 95426
15. Udo HerzKlin. Chem. & Mol. Diagn., Uni Marburg93931
16. Michael OellerichKlin. Chem., Uni Göttingen91651
17. Victor W. ArmstrongKlin. Chem., Uni Göttingen87250
18. Jürgen KratzschKlin. Chem. & Mol. Diagn., Uni Leipzig85740
19. Christine MannhalterMed. & Chem. Labordiagn., Med Uni Wien79659
20. Ralf JunkerKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster66633
21. Wolfgang DrobnikKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg64820
22. Susanne SpitzauerMed. & Chem. Labordiagn., Uni Wien62231
Pranav SinhaMed. & Chem. Labordiagn., Klagenfurt (bis 2002 Berlin)62241
24. Axel M. GressnerKlin. Chem. & Pathobiochem., RWTH Aachen61640
25. Wolfgang SattlerKlin. Biochem. & Mol.biol., Uni Graz58527
26. Maria ShipkovaKlin. Chem., Klinikum Stuttgart (bis 2003 Göttingen)56128
27. Gregor RotheZentr. Labormed., Bremen (bis 2004 Regensburg)55828
28. Gerhard LiebischKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg 53715
29. Nenad BlauKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich52844
30. Michael VogeserKlin. Chem., LMU München52424
31. Peter QuehenbergerLabormed., Uni Wien52332
32. Thomas LangmannHumangen. (bis ‘06 Klin. Chem.) Uni Regensburg51818
33. Beat W. SchäferKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich51525
Ernst MalleKlin. Biochem. & Mol.biol., Uni Graz51529
35. Suzanne M. Lohmann-WalterKlin. Biochem., Uni Würzburg50426
36. Martin EigenthalerKlin. Biochem. & Pathobiochem., Uni Würzburg 50123
37. Achim ObergfellNovo Nordisk Zürich (‘06 Würzburg, ‘03 La Jolla)49110
38. Claus W. HeizmannKlin. Chem. & Biochem., Uni-Kinderspital Zürich48041
39. Alfred BöttcherKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg47512
40. Manfred FobkerKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster47320
41. Stepan GambaryanKlin. Biochem. & Pathobiochem., Uni Würzburg46522
42. Walter F. RiesenKlin. Chem. & Hämatol., Kantonsspital St. Gallen45415
43. Ernst R. WernerKlin. Chem. & Biochem. Uni Innsbruck42720
44. Marianne JochumKlin. Chem. & Biochem., LMU München 41839
45. Stephan RustKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster40012
46. Jerzy-Roch NoferKlin. Chem. & Labormed., Uni Münster39912
47. Wolfgang E. KaminskiKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg39514
48. Evelyn OrsóKlin. Chem. & Labormed., Uni Regensburg39211
49. Korbinian BrandKlin. Chem. & Pathobiochem., TU München38515
50. Michael M. HoffmannKlin. Chem., Uni Freiburg38130






Letzte Änderungen: 10.02.2008


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