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Nerven(fehl)funktion

Zitationsvergleich 2003 bis 2006: Neurowissenschaften, nicht-klinischer Teil
von Lara Winckler, Laborjournal 3/2010


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Bild: Fotolia/Stephi

Die deutschsprachigen Neurowissenschaftler interessierten sich in den Jahren 2003 bis 2006 für einen bunten Strauß an Themen. Neben Nervenfunktionen und Verhalten natürlich auch für Alzheimer und Depression.

Am Nervensystem, so mag es einem erscheinen, forschen mittlerweile fast alle Disziplinen der Lebenswissenschaften. Es gibt kaum ein Forschungsgebiet, das so gar keinen Zugang zu Hirn und Nerven hat; abgesehen von den Pflanzenforschern, obwohl auch hier die Grenzen verschwimmen (siehe LJ 10/2005, Seiten 22-27 sowie LJ 1-2/2010, Seiten 20-23).

Neben der klassischen Hirn- und Nervenforschung, die sich mit den molekular- und zellbiologischen Grundlagen beschäftigt, spielen zahlreiche Fachrichtungen mit, denen lediglich ein „Neuro“ im Namen hinzugefügt werden musste, um sie in den Ring schicken zu können. Da wären etwa die Neuropathologen und -immunologen, die Neurovirologen und -endokrinologen, die Neurogenetiker und die Entwicklungsneurobiologen.

Die Neurophysiologen nehmen eine Sonderstellung ein, da sämtliche Abläufe im Nervensystem über die Elektro- und Sinnesphysiologie ablaufen. Unter den Neurophysiologen im Vergleich befindet sich mit Bert Sakmann (22.), Emeritus am MPI für Neurobiologie in Martinsried, ein Nobelpreisträger.

Um bei dieser bunten Mischung nicht den Überblick zu verlieren, haben wir die Neurowissenschaften zumindest in nicht-klinische und klinische aufgeteilt. Letztere werden wir in der nächsten Ausgabe von Laborjournal genauer unter die Lupe nehmen. Bei den Nicht-klinischen halten sich die Grundlagenforscher und diejenigen, die sich mehr mit den Erkrankungen des Nervensystems beschäftigen, einigermaßen die Waage, wobei die Grundlagenforscher in den Jahren 2003 bis 2006 leicht vorne liegen. Sie untersuchen etwa die Hirnorganisation, wie der Erstplatzierte Karl Zilles, oder den Transport synaptischer Vesikel wie der Göttinger MPI-Direktor Reinhard Jahn (18.) – einer von elf Max-Planck-Mitarbeitern im Vergleich. Von Jahn und Kollegen stammen zwei der meistzitierten Reviews. Forschungsgebiet der Hamburgerin Melitta Schachner (5.), einer von nur fünf Frauen unter den nicht-klinischen Neurowissenschaftlern, sind die Interaktionen zwischen Nervenzellen. Gerd Kempermann (8.) hat sich auf Nervenwachstumsfaktoren und die Nervenzellentwicklung spezialisiert.


Stress und Alzheimer


Andere interessieren sich für höhere Hirnfunktionen, etwa das Verhalten – wie der Würzburger Klaus-Peter Lesch (6.) und Joram Feldon (14.), Verhaltensbiologe an der ETH Zürich – oder das Gedächtnis und welche Rolle der Hippocampus dabei spielt. Dem sind etwa Julietta Frey (40.), Leibniz-Institut für Neurobiologie Magdeburg, und David Wolfer (46.), Uni Zürich, auf der Spur. Neben Wolfer haben es noch acht weitere Schweizer unter die Top 50 der deutschsprachigen Neurowissenschaften geschafft.

Die Leipziger Neuropsychologin Angela Friederici (10.) hat den Erwerb von Sprache und deren Verarbeitung im Gehirn zu ihrem Lieblingsthema auserkoren. Der Lübecker Neuroendokrinologe Jan Born (26.) ist Schlafforscher (siehe auch LJ 1-2/2006, Seite 30).

Die Krankheiten des Nervensystems stehen bei knapp zwanzig der Top 50 Neurowissenschaftler im Mittelpunkt. Heiße Themen sind Alzheimer und Depression. Die Alzheimerforscher um Christian Haass (4.) brachten gleich zwei Artikel unter die zehn meistzitierten. Alzheimer ist – neben lysosomalen Proteinen – auch Thema der Biochemiker um den Kieler Paul Saftig (2.), der Heidelberger Molekularbiologen Ulrike Müller (39.) und Konrad Beyreuther (49.) sowie der Basler Novartis-Mitarbeiter Matthias Staufenbiel (21.) und Hermann van der Putten (41.). Der Münchner Depressionsforscher Florian Holsboer (3.) untersucht unter anderem den Einfluss von Stress auf die Entstehung von Krankheiten, genauso wie John Cryan (36.), ehemals Novartis Basel und seit 2006 an der University of Cork, Irland. Sein Review zum Thema gehört zu den meistzitierten zwischen 2003 und 2006.

Doch auch andere Krankheiten des Nervensystems haben die Aufmerksamkeit der Neuro-Community: So wurden die Artikel des Zürcher Prionenforschers Adriano Aguzzi (7.) oft genug zitiert, um ihn unter die Top 10 der nicht-klinischen Neurowissenschaftler zu bringen. Der BSE-Mann, wie ihn einige bezeichnen – für ihn sicherlich keine Beleidigung – erhielt 2009 für seine Forschung den Antonio-Feltrinelli-Preis, auch der „italienische Nobelpreis“ genannt.

Und nicht zuletzt die Tumorforscher dürfen unter den Hirnforschern nicht fehlen: Sie werden vertreten durch den Düsseldorfer Neuropathologen Guido Reifenberger (27.). Der Bonner Humangenetiker Peter Propping (16.) schließlich forscht an den genetischen Grundlagen von Schizophrenie und bipolaren Störungen.

Hier verschwimmt die Grenze zu den klinischen Neurowissenschaften. Einige der Top 50 aus diesem Vergleich werden wir daher im nächsten Heft wiedertreffen.


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Letzte Änderungen: 05.05.2010


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