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Malaria und Plasmodien

Zitationsvergleich 2005 bis 2008: Parasitologie
von Lara Winckler, Laborjournal 04/2011


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Für Malariafans: Plasmodien zum Selberstricken. The Knit Side of Life

Malaria beherrschte die Parasitologie von 2005 bis 2008, die vor allem eine Schweizer Paradedisziplin zu sein scheint.

Parasiten, das sind nicht nur eklige Würmer, die sich durch Haut und Eingeweide bohren, wie der Medinawurm (Dracunculus medinensis), oder der bizarre Krebs Cymothoa exigua, der in Fischen Platz und Funktion der Zunge einnimmt, um sich fortan einen Teil der Nahrung des Fisches einzuverleiben. Im Gegenteil, Parasitologen beackern ein weites Forschungsfeld. Bis zu 50 Prozent der Tiere werden den Parasiten zugerechnet. Der Biologe und Journalist Carl Zimmer verstieg sich in „Parasitus Rex“ gar zu der Aussage, dass der Mensch der größte aller Parasiten sei und dabei, seinen Wirt, die Erde, zu Grunde zu richten.

Von diesem Extrem einmal abgesehen gibt es Parasiten in fast allen Tierstämmen, angefangen bei den Protozoen – wie Trypanosomen, Toxoplasma gondii oder auch Entamoeba histolytica, Erreger der Amöbenruhr. Auch zahlreiche Platt-, Band-, Faden- und Ringelwürmer leben parasitisch, darunter Pärchen- und Leberegel, Rinder- und Fuchsbandwurm sowie Trichinen. Nicht zu vergessen parasitisch veranlagte Spinnentiere, wie Milben und Zecken, und blutsaugende Insekten, etwa Flöhe, Tierläuse, Mücken und Bremsen. Und auch bluttrinkende Säugetiere wie Fledermaus zählen manche Forscher dazu.

Entsprechend der Vielfalt der Parasiten und ihrer Lebensverhältnisse überschneiden sich in der Parasitologie mehrere Disziplinen. Hier treffen Ökologen auf Entomologen, Mediziner arbeiten mit Immunologen zusammen, Verhaltensbiologen mit Molekularbiologen. In der Evolutionsbiologie nehmen Parasiten sogar einen zentralen Platz ein, entwickeln sich doch Wirt und Parasit durch die ständige Anpassung aneinander weiter. Einige Forscher gehen davon aus, dass Parasiten die Evolution überhaupt erst ermöglichen, etwa Retrotransposonen, die dem Menschen zu seinem großen Gehirn verhalfen – denn auch Viren sind Parasiten, ebenso wie einige Bakterien. Hier jedoch ziehen wir eine Grenze. Viren und Bakterien werden in eigenen Publikationsanalysen abghandelt.


Sumpffieber und seine Vektoren

Doch auch ohne diese beiden sind die Themen breit gefächert. Topthemen sind die Tropenkrankheit Malaria, ihr Erreger Plasmodium falciparum sowie Anopheles, der Malaria-Vektor. Die Hälfte der deutschsprachigen Top 50-Parasitologen forschte zwischen 2005 und 2008 an Malaria oder Plasmodium. Unter ihnen acht der Top 10, allen voran die drei auf dem Treppchen: Reto Brun (1.), Marcel Tanner (2.) und Jürg Utzinger (3.), Mitarbeiter am Schweizer Tropeninstitut in Basel, das mit neun Top 50-Wissenschaftlern das stärkste Institut im Vergleich ist. Weitere Plasmodium­/Malaria-Forscher sind Fotis Kafatos (4.) und George Christophides (7.), die im Sommer 2005 mit einigen Kollegen vom EMBL Heidelberg ans Imperial College London abwanderten, sowie Harald Noedl­ (45.), Wiener Tropenmediziner und einziger Österreicher im Vergleich. Mit weitem Abstand folgt Trypanosoma brucei, der Erreger der Schlafkrankheit und Forschungsthema etwa von Christine Clayton (6.), Zentrum für Molekulare Biologie der Uni Heidelberg (ZMBH). Direkt dahinter der Fuchsbandwurm, der beim Menschen die lebensgefährliche Echinokokkose auslöst. Peter Kremsner (5.), Direktor des Tübinger Instituts für Tropenmedizin sowie des Albert Schweitzer Hospitals (ASH) in Lambaréné, Gabun, beschäftigt sich mit ihm, wie auch mit anderen Infektionskrankheiten der Tropen. Er und seine Mitarbeiter haben Nagermodelle zu Malaria, Filariose, Schistosomiasis und Echinokokkose etabliert.

Ein ähnliches Bild bieten die bis heute meistzitierten Parasitologie-Artikel der Jahre 2005 bis 2008: Epidemiologie, Erreger und Behandlung von Malaria belegen acht der zehn Plätze. Die zwei „Außenseiter“: Ein Science-Artikel über das Genom von Leishmania major, der von der Sandmücke übertragen wird und Makrophagen befällt, auf Platz 1, sowie einer über das Genom von Theilerien, deren Vektoren Zecken sind, auf Platz 6. Etwas anders sieht die Situation bei den bis heute meistzitierten Reviews aus. Sie repräsentieren auch die anderen Forschungsthemen der deutschsprachigen Parasitologie zwischen 2005 und 2008: Neben einem Übersichtsartikel über die Evolution von Wirt-Parasit-Interaktionen von Paul Schmid-Hempel (34.), ETH Zürich, handeln zwei Parasitosen ab, die man sich in verunreinigtem Wasser einfangen kann – wie die Amöbenruhr, Thema von Iris Bruchhaus (12.) vom Bernhard-Nocht-Institut (BNI) Hamburg, dem zweitstärksten Institut in dieser Analyse.

Und schließlich gibt es einen Artikel über Wurminfektionen von Rindern. Womit wir am Ende doch wieder bei den ekligen Würmern wären.


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Letzte Änderungen: 29.04.2011


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