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Kliniker vorneweg

Zitationsvergleich 2005 bis 2008: Nieren- und Hochdruckforschung
von Lara Winckler, Laborjournal 05/2011


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Foto: iStock/design56; Montage: LW

Topthemen der deutschsprachigen Nephro- und Hypertensiologie waren 2005-2008 Diabetes-Folgeerkrankungen, Transplantate und ihre Abstoßung, die Rolle von Hormonen bei Bluthochdruck sowie Probleme bei der Dialyse.

Die Niere hat mehrere wichtige Jobs: Toxine entfernen, Stoffwechselendprodukte ausscheiden sowie den Elektrolyt-, Säure-Basen- und Wasserhaushalt regulieren. Letzteres geschieht etwa über Nierenhormone wie Renin, das für eine kurzfristige Blutdruckerhöhung zuständig ist. Krankhafte Veränderungen der Niere – durch Trauma, Infektion oder Vergiftung, Tumoren, Autoimmunerkrankungen oder auch genetische Defekte – führen unter anderem zu verminderter Salzausscheidung und damit einer Erhöhung des Blutdrucks. Herzinsuffizienz und arterielle Hypertonie wiederum können langfristig die Nieren schädigen (hypertensive Nephropathie). Nicht zuletzt wegen dieser wechselseitigen Beeinflussung sind an vielen Standorten Nieren- und Hochdruckforschung in einer Klinik zusammengefasst – die beiden Disziplinen haben zu viele Überschneidungen, um sie klar trennen zu können.

Neben Renin bilden die Nieren Erythropoetin zur Stimulation der Blutbildung, Vitamin D, das den Calcium-Stoffwechsel antreibt, Kinine, die ebenfalls an der Blutdruckkontrolle beteiligt sind, sowie Prostaglandine. Bei einer Nierenfehlfunktion kann es daher zu einer renalen Anämie kommen, zu Hyperparathyreoidismus aufgrund von Vitamin D-Mangel oder zu renaler Osteodystrophie, die oft nach langjähriger Hämodialyse auftritt.

Und schließlich ist die Niere wie die Leber an der Zuckersynthese (Gluconeogenese) beteiligt. Bei schlecht eingestelltem Blutzucker und langjährigem Diabetes mellitus entwickelt sich eine diabetische Nephropathie, die zu dialysepflichtigem Nierenversagen führt. In der Folge besteht zusätzlich die Chance, aufgrund einer diabetischen Retinopathie zu erblinden.

Die Nieren- und Hochdruckforscher rekrutieren sich vor allem aus der Physiologie, der Pathologie sowie der Nephrologie und Hypertensiologie. Probleme gibt es lediglich bei der Abgrenzung zu Kardiologen und Gefäßspezialisten, die ebenfalls den Bluthochdruck erforschen, allerdings unter anderen Vorgaben, weshalb sie aus diesem Vergleich ausgeschlossen wurden.

Entsprechend der Mannigfaltigkeit der Nierenfunktionen und ihrer Krankheitsbilder finden sich in den Autorenlisten diverse medizinische Fachrichtungen: Pharmakologen, Immunologen und Urologen kooperieren mit den Nierenforschern ebenso wie Endokrinologen, Osteologen und Krebsforscher. Auch einige Pädiater mischen sich unters Nieren- und Hochdruck-Volk, mal ganz abgesehen von den Transplantationschirurgen. Hier sortieren wir nach Artikeln aus: Wenn die Wissenschaftler einen gewissen Anteil ihrer Veröffentlichungen in nephrologischen und hypertensiologischen Fachzeitschriften publiziert haben, dürfen sie in den Vergleich mit hinein, ansonsten müssen sie leider draußen bleiben.


Starke Gruppen

Spitzenreiter im Städteranking sind Hannover und Berlin mit jeweils neun Top 50-Forschern. Bei Berlin nimmt das nicht weiter Wunder, steht doch dort die Franz-Volhard-Klinik, benannt nach dem 1950 verstorbenen Nestor der Nephrologie. Die Träger der Franz-Volhard-Preise lesen sich denn auch wie ein Who‘s Who der deutschsprachigen Nieren- und Hochdruckforschung: Eberhard Ritz (10.) – er forschte damals noch in Heidelberg an dia­betischer Nephropathie; der Münchner Detlef Schlöndorff (25.) mit dem Thema Glomerulonephritiden; Friedrich Luft (2.), Hypertonieforscher und Leiter der Nephrologie an der Franz-Volhard-Klinik; der Tübinger Physiologe Florian Lang (1.) – seine Themen umfassen etwa den Selbstmord von Erythrozyten (Eryptose), der auch infolge von Dialyse auftritt; der Ordinarius­ der Wiener Pathologie, Dontscho Kerjaschki (19.), einer von vier Österreichern unter den Top 50; und nicht zu vergessen Hermann Haller (4.) und Danilo Fliser (9.) – beide von der Hannoveraner Nephrologie –, sowie Kerstin Amann (24.), Leiterin der Nephropathologie in Erlangen und eine von sieben Frauen in diesem Vergleich.

Die zehn bis heute meistzitierten Artikel der Jahre 2005 bis 2008 decken den klinischen Teil der Nierenthemen ab: Die bayrische Autorengruppe um Christoph Wanner (7.), Johannes Mann (12.), Eberhard Ritz und Vera Krane (32.) fand die höchste Aufmerksamkeit der Community mit einem Artikel zur Therapie von Bluthochdruck mittels des Cholesterinsenkers Atorvastatin. Der Erlanger Nephrologe Roland Schmieder (11.) ist Mitautor gleich zweier Top 10-Artikel zu dem Reninhemmer Aliskiren und anderen Blutdrucksenkern. Gerd Walz (14.) von der Freiburger Nephrologie konnte gar drei seiner Artikel unter den Top 10 platzieren. Sein Thema: Ursache von Zystennieren. Kai-Uwe Eckardt (8.) ist Mitautor einer Arbeit zu renaler Anämie, der Heidelberger Jürgen Bommer (38.) beschreibt Knochenerkrankungen infolge langjähriger Dialyse. Auf Platz 3 schließlich eine Arbeit aus Wien von Thomas Grobner, der es nicht unter die Top 50 geschafft hat. Er beschreibt das Kontrastmittel Gadolinium und dessen Rolle bei der Entstehung der nephrogenen systemischen Fibrose.

Bei all den furchterregenden Krankheiten bleibt neben einem flauen Gefühl die Frage: „Ist denn die Nierenphysiologie schon komplett erforscht?“ Möglicherweise. Zumindest geraten die Veröffentlichungen der „Gesundheitsforscher“ gegenüber den Klinikern – wie so oft – ins Hintertreffen. Krankheiten bringen eben mehr Zitierungen.


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Letzte Änderungen: 23.05.2011


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