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Schau mir in die Augen ...

Publikationsanalyse 2005-2008: Augen- und Sehforschung
von Lara Winckler, Laborjournal 11/2011


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Foto: AllzweckJack / photocase

Makuladegeneration und diabetische Retinopathie waren 2005-2008 die Topthemen der Augenforscher, Tübingen und Wien opthalmologische Hotspots.

Die deutschsprachigen Ophthalmologen hatten 2005 bis 2008 ein erklärtes Lieblingsthema: die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Knapp 40 Prozent der 50 bis heute meistzitierten Augenforscher veröffentlichten in diesem Zeitraum Forschungsarbeiten zu Ursachen und Therapieansätzen von AMD, sechs von ihnen schafften es unter die Top 10. Allen voran Jost Jonas (1.), Direktor der Mannheimer Augenklinik, der mit seinem Team nach Medikamenten gegen degenerative Erkrankungen vor allem der Retina und des Sehnervs sucht. Dazu gehören neben der AMD auch Makulaödeme bei diabetischer Retinopathie – zweitliebstes Thema der Top 50 und in Europa und Nordamerika häufigste Erblindungsursache bei Menschen zwischen 20 und 65 Jahren – sowie entzündliche Erkrankungen wie die Uveitis (Regenbogenhautentzündung). Das Team um Jonas platzierte eine Studie zur Erhöhung des Augen­innendrucks als Therapie bei Makulaödem, AMD und anderen Retinopathien, verursacht etwa durch Aderverschluss in der Retina, auf Platz 7 der bis heute meistzitierten Originalforschungsarbeiten der Jahre 2005 bis 2008.

Unter den Top 10-AMD-Spezialisten ist auch Bernhard Weber (5.), Leiter des Regensburger Instituts für Humangenetik. Er und seine Mitstreiter Lars Fritsche (40.) und Claudia Keilhauer (36.)(jetzt von Strachwitz), Augenklinik Würzburg, gehen das Makula-Problem genetisch an. Sie fanden heraus, dass bestimmte Varianten zweier Gene das AMD-Risiko um über 50 Prozent erhöhen. Eine Erkenntnis, die die Community mit Interesse verfolgt – bis heute wurde der 2008 in Nature Genetics veröffentlichte Artikel bereits knapp 100 Mal zitiert, was ihm Platz 12 der meistzitierten Artikel einbringt. Stephan Michels (3.), leitender Arzt an der Augenklinik des Stadtspitals Triemli­ in Zürich, platzierte allein drei Artikel unter den Top 10, alle aus seiner Zeit an der Wiener Augenklinik. Michels beschreibt darin seine Resultate zur Behandlung von Gefäßneubildungen (Neovaskularisierung) der Aderhaut mit Antikörpern gegen den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF).

Michels ehemalige Wiener Kollegin Ursula Schmidt-Erfuth (7.), Leiterin der Augenklinik und eine von acht Frauen in diesem Vergleich, zählt neben „neumodischen“ Erkrankungen wie AMD und dia­betische Retinopathie auch den guten alten Katarakt zu ihren Forschungsthemen, speziell den Katarakt im Kindesalter. Gemeinsam mit der Gruppe um Wolfgang Drexler (2.), Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik Wien, entwickelten Schmidt-Erfurth und ihr Team eine Methode zur selektiven Darstellung des Sehpigments, was die Bildgebung und damit die Diagnose verbesserte und Schmidt-Erfurth 2010 den Donald Gass Award der amerikanischen Retina Society einbrachte.


Keine Abgrenzungsprobleme

Insgesamt lässt sich sagen, dass die Augen- und Sehforschung gut abgrenzbar ist. Der bei weitem größte Teil der Augenforscher arbeitet an einer Augenklinik oder in einer Abteilung für Ophthalmologie. Überschneidungen gibt es allenfalls mit einigen Neurobiologen, was durchaus Sinn macht, ist doch die Retina Teil des zentralen Nervensystems. So forschen die Neurophysiologen Andreas Reichenbach (8.) und Thomas Pannicke (37.) am Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung in Leipzig an der Architektur der Retina. Damit sind sie unter den Augenforschern Exoten, da sie sich nicht ausschließlich für krankhafte Veränderungen des Auges interessieren.

Viele Gemeinsamkeiten gibt es auch mit den Humangenetikern seit klar ist, dass so manches Sehproblem erblich bedingt ist. Da wäre etwa das Usher-Syndrom, eine autosomal rezessiv vererbte Hörsehbehinderung (wobei der Verlust des Sichtfeldes durch Retinopathia pigmentosa verursacht wird). Mathias Seeliger (19.) und Eberhart Zrenner (32.), Augenklinik Uni Tübingen, sind Experten dieser Form erblicher Netzhautdegeneration. Zrenner leitet zudem die Usher-Spezialambulanz in Tübingen.

Zu solchen erblichen Erkrankungen zählt auch Morbus Fabry, eine angeborene Stoffwechselstörung, die auch die Augen befällt, und eines der Spezialgebiete von Andreas Gal (45.), Direktor des Instituts für Humangenetik.

Hans-Peter Hammes (30.), Leiter der Endokrinologie an der Universitätsmedizin Mannheim, zählt ebenfalls zu den Exoten. Der bekennende Diabetologe konzentriert sich auf die Schädigung der Netzhaut bei Diabetes, die bei einigen Formen noch durch die Neubildung von Gefäßen in der Retina erschwert wird. Diese Neovaskularisierung der Netzhaut ruft die Angiologen auf den Plan. Bei den Gefäßforschern jedoch ziehen wir eine Grenze und verweisen auf die Publikationsanalyse „Herz- und Gefäßforschung“ (LJ 10/2010).


Schmelztiegel

Die deutschsprachige Augen- und Sehforschung der Jahre 2005 bis 2008 hat nicht nur klare Lieblingsthemen, sondern auch drei Hotspots: Wien stellt zwölf der Top 50, dicht gefolgt von Tübingen mit acht und München mit sieben Top-Ophthalmologen. Gut im Rennen ist – wie so oft bei medizinischen Themen – Österreich. Dreizehn der Top 50 arbeiteten zumindest zeitweise im Analysezeitraum an einem österreichischen Institut, „nur“ drei an einem schweizerischen.


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Letzte Änderungen: 07.12.2011


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