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Breit aufgestellt

Publikationsanalyse 2007-2010: Immunologie
von Lara Winckler, Laborjournal 01/2013




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Foto: Valua Vitaly/Fotolia

Breit aufgestellt

München und Berlin sind die stärkste Städte im Vergleich der Top 50-Immunologen aus dem deutschsprachigen Raum, darunter zahlreiche Kliniker und reichlich nicht-klinische Themen.

Seit vor über 2.000 Jahren chinesische Ärzte gezielt Pocken auf Gesunde übertrugen und sie auf diese Weise immunisierten, hat sich in der Immunologie einiges getan. Längst geht es nicht mehr allein um die Vorbeugung gegen Krankheiten, die Erkundung der lymphatischen Organe oder angeborene und erworbene Immunität.

Neben der Suche nach geeigneten Impfstoffen gehen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter: Sie wollen das Immunsystem direkt beeinflussen – mit Immunstimulantien, wie Zytokine und Wachstumsfaktoren, oder umgekehrt durch Gabe von Immunsuppressiva, wie Natalizumab und Infliximab zur Therapie der Autoimmunerkrankungen Multiple Sklerose und Rheumatoide Arthritis; oder mit Hilfe von Immuntherapien, etwa Verabreichung Toxin-gekoppelter Antikörper (Immuntoxine).

Viele Kliniker

Die Liste der Immunologie-Themen ist so umfangreich wie vielfältig. Zellen und sonstige Effektoren des Immunsystems (zelluläre und humorale Immunantwort) können sich Zutritt in jedes Gewebe verschaffen. Entsprechend umfangreich ist die Liste der Disziplinen, die immunologische Themen bearbeiten. Da sind die klassischen Immunologen, bei denen sich alles um die Abwehr von Bakterien, Viren, Pilzen oder auch biologischen Toxinen und Umweltgiften dreht. Und die neben all diesen physiologischen Aufgaben von Immunzellen und -Botenstoffen, Immungeweben und -organen, Entwicklung und Evolution des Immunsystems usw. herausfinden wollen, warum das Immunsystem manchmal vom rechten Weg abkommt und Mensch und Tier – und auch Pflanzen, wie sich kürzlich zeigte – einen Haufen Probleme beschert. Diese Probleme rufen die Mediziner auf den Plan, die auch gleich die Schlüsselpositionen besetzen – nur wenige der 50 bis heute meistzitierten Immunologen aus dem deutschsprachigen Raum sind Nicht-Mediziner. So sind es denn auch in erster Linie Allergologen und Dermatologen, die Heuschnupfen, allergisches Asthma oder auch Neurodermitis untersuchen. Erika von Mutius (5.), Leiterin der Asthma- und Allergieambulanz, Kinderklinik, LMU München, gehört zu ihnen, ebenso wie Johannes Ring (17.), Dermatologie, TU München, sowie Rudolf Valenta (49.), Pathologe an der Med Uni Wien. München scheint nicht nur ein Allergie-Hotspot zu sein, sondern ist mit zwölf der Top 50-Immunologen die bei weitem stärkste Stadt in diesem Vergleich.

Andere Mediziner haben die wesentlich bedrohlicheren Autoimmunkrankheiten zum Thema, bei denen das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Hierzu zählt etwa Multiple Sklerose, Spezialgebiet der Neuroimmunologen Ludwig Kappos (4.), Unispital Basel, und Hans Lassmann (9.) vom Wiener Zentrum für Hirnforschung, sowie des Düsseldorfer Neurologen Hans-Peter Hartung (16.) – die drei gehören laut Web of Science zu den weltweit bis heute meistzitierten Autoren von Artikeln zu Multiple Sklerose. Die Erlanger Mediziner Georg Schett (8.) und Markus Neurath (10.) interessieren sich für Autoimmunerkrankungen des Darms. Und wieder andere haben sich auf Abstoßungsreaktionen bei Organtransplantationen und Tumoren spezialisiert, wie Hermann-Josef Gröne (12.) und Gerhard Opelz (47.), DKFZ bzw. Uniklinikum Heidelberg.

Abgrenzung tut Not. Weniger der Immunologen von den Medizinern, als vielmehr der immunologischen von den nicht-immunologischen Biochemikern, Epidemiologen, Toxikologen und Ernährungswissenschaftlern, ebenso wie von den nicht-immunologischen Pharmakologen, Neurologen, Dermatologen und Krebsforschern. Die Bonner Mediziner Veit Hornung (1.) und Eicke Latz (2.) etwa sind im Rennen, denn sie haben sich auf die angeborene Immunität spezialisiert. Diese hatte bis vor kurzem den Ruf, lediglich ein primitiver Schutzwall zu sein und weit weniger ausgeklügelt als die adaptive Immunität. Das änderte sich, als man vor rund zehn Jahren entdeckte, dass die Zellen der angeborenen Immunabwehr nach einem ähnlichen Prinzip gegen Feinde vorgehen wie die Zellen der erworbenen Abwehr – sie erkennen sie über Rezeptoren, wie die Toll-like-Rezeptoren (TLR). Seit Bruce Beutler am Scripps in La Jolla die Funktion des ersten, TLR4, aufdeckte, hat man beim Menschen zehn weiter TLR-Varianten gefunden. Wer daran forscht, kann sich der Aufmerksamkeit der Community sicher sein, wie die Platzierung eines der Artikel von Latz auf Nummer 4 der bis heute meistzitierten Artikel deutschsprachiger Immunologen aus den Jahren 2007 bis 2010 zeigt.

Ur-immunologische Themen

Trotz der Übermacht der Mediziner über die Immunbiologen gehen die klassischen immunologischen Themen nicht unter. Im Gegenteil – immer noch gibt es neues zu erforschen über lange bekannte Teile des Immunsystems. So arbeitet etwa Peter Zipfel (20.), Molekularimmunologe am Jenaer Hans-Knöll-Institut (HKI), über der Rolle des Komplementsystems bei der Abwehr von Mikroben. Manfred Kopf (27.), Integrative Biologie, ETH Zürich in Schlieren, der seinerzeit im Labor von Georges Köhler am Freiburger Max-Planck-Institut für Immunbiologie seine Doktorarbeit verfasste, analysiert die Kommunikation der Immunzellen. Und Volker Brinkmann (45.), Leiter der Mikroskopie am MPI für Infektionsbiologie Berlin, entdeckte zusammen mit Arturo Zychlinsky 2004, dass neutrophile Granulozyten Bakterien und Pilze mit Netzen aus Chromatin (NETs) fesseln ... und dabei sterben.


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Letzte Änderungen: 12.02.2013


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