Tipp 98:
Ein Lötkolben als praktische Klonierungshilfe


Den nachfolgenden Tipp haben die Zellkultivierer Jochen Dahm-Daphi und Leonie Schulte-Uentrop vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (Strahlenbiologie & Experimentelle Radioonkologie) eingereicht:

"Liebe Laborjournal-Redaktion, für unsere Zellkulturen setzen wir den nachfolgend beschriebenen Lötkolben ein. Er ist unserer Meinung nach ein sehr praktisches Instrument.

Für Mutationsanalysen und gentechnische Arbeiten an Säugern muss oft eine riesige Anzahl von Zellen wochenlang zumeist unter Selektionsbedingungen kultiviert werden. Nur eine sehr kleine Zahl von Klonen trägt dann den gewünschten Phänotyp. Diese Klone müssen geerntet und zur genauen Analyse individuell weiterkultiviert werden. Damit man an die Klone gut herankommt, werden die Zellen oft in Petrischalen herangezogen. Man kann dann zwar die Klone bequem isoliert "mikrotrypsinieren" oder mit einem sterilen Zahnstocker abkratzen. Die massenhafte langdauernde Zellkultur in hundert Petrischalen ist aber unpraktisch. Der Mediumwechsel kostet Zeit und Nerven und das dauernde Anheben der Deckel erhöht die Infektionsgefahr.

Wir kultivieren die Zellen deshalb lieber in großen Plastikflaschen mit Filtertop. Nun kommen wir aber durch den Flaschenhals nicht mehr so gut an unsere kostbaren Klone heran. Deshalb brennen wir mit einem Lötkolben direkt über der zuvor markierten Kolonie ein 1 cm großes Loch in die Flasche und können nun bequem trypsinieren (siehe Abbildung). Wir nehmen dazu eine 75-Watt-Lötpistole (z.B. die "ERSA Multisprint" für 38 Euro). Das Plastik schmilzt in Sekundenschnelle, wird aber nicht so flüssig, dass es in die Schale tropft und verklebt auch bei häufiger Benutzung nicht die Spitze des Lötkolbens. Die Löcher in der Kulturflasche können mit Parafilm abgedeckt werden, wenn in den folgenden Tagen noch weitere Klone geerntet werden sollen. Mit dieser Methode haben wir ohne nennenswerte Infektionsrate inzwischen über tausend Klone geerntet und weiterkultiviert.

Herzliche Grüße aus Hamburg von Jochen Dahm-Daphi und Leonie Schulte-Uentrop."





Letzte Änderungen: 24.04.2006


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