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Eine kühle Herausforderung

(05.02.2019) Tiefkühlschränke abtauen, aufräumen und ausmisten. Nachhaltiges Arbeiten wird belohnt – bei der alljährlichen Freezer Challenge.
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Seit einigen Jahren gibt es in den USA einen ganz besonderen, einen freundschaftlichen Wettbewerb – die Freezer Challenge. Wie der Name schon vermuten lässt, geht‘s ums Kühlen und Einfrieren. Denn früher oder später landen so ziemlich alle Proben, die im Labor anfallen, im Tiefkühlschrank, Kühl­schrank oder Kühlraum. Kühlen kostet jedoch eine Menge Energie. Ein Ultratief­kühlschrank benötigt etwa so viel Energie wie ein Einfamilienhaus.

Wenn man weiß wie, lassen sich jedoch ein paar Kilowattstunden bequem einsparen. Die Organisatoren der International Laboratory Freezer ChallengeMy Green Lab und das International Institute für Sustainable Laboratories – möchten daher mit ihrem Wettbewerb das Bewusstsein schärfen für eine umweltfreundlichere (und damit auch kosten- und zeit­sparende) Probenlagerung. Zum Sieger wird dann auch derjenige gekürt, der, auf unter­schiedlichste Weise, die meisten Energiekosten eingespart hat.

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Auch Europa macht mit

Am letztjährigen Wettbewerb nahmen mehr als 170 Labore teil, darunter weltbekannte Institute und Biotech-Firmen wie Cold Spring Harbor Laboratory, Harvard oder auch Lonza. „2018 wurde die Freezer Challenge zum allerersten Mal überhaupt (auch) in Europa durchgeführt“, schreibt uns Kerstin Hermuth-Kleinschmidt, die Ansprechpartnerin für die europäische Ausgabe des Wettbewerbs. „Die Resonanz war leider gering“, fügt sie hinzu, „aber es gab ein paar Labore, die teilgenommen haben, wie zum Beispiel das King’s College aus Großbritannien.“ Insgesamt sparten alle Teilnehmer rund 1,6 Millionen Kilowattstunden/Jahr ein. Das entspricht einer Verringerung der Kohlenstoff-Emissionen um 1.200 Tonnen. Gewinner war übrigens die University of Illinois mit eingesparten 260.000 Kilowattstunden/Jahr.

Auch 2019 gibt‘s wieder eine Kühlschrank-Herausforderung. „In diesem Jahr ist die Resonanz deutlich besser“, berichtet Hermuth-Kleinschmidt. „Es gibt bereits einige Labore aus Europa, die sich registriert haben, andere sind noch in der Abstimmung, ob und wie sie teilnehmen“.

Dabei ist die Teilnahme denkbar einfach: Man registriert sich bis Mai auf der offiziellen Webseite der Freezer Challenge, erhält ein Score Sheet und trägt in dieses Punkte für die ausgeführten Aktionen ein – jede Aktion wird belohnt.

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Pluspunkte sammeln

So gibt es Punkte unter anderem für das Abtauen von Kühl- und Tiefkühlschränken (pro Gerät ein Punkt), weitere für die Inventarisierung von Proben (ein Punkt pro inventari­siertes Gerät) und auch das Aussortieren von Proben wirkt sich positiv auf das Punkte­konto aus (ein Punkt pro ausgemistetes Gerät, berücksichtigt werden aber auch die insgesamt verworfenen Proben). „Das ergibt beeindruckende Zahlen“, sagt Hermuth-Kleinschmidt, „so wurden im Wettbewerb 2017, der damals noch nur in den USA ausgeführt wurde, über 200.000 Proben entsorgt – und damit eine Menge Platz gewonnen“. Das ist aber längst nicht alles, was man für ein nachhaltiges Labor und für weitere Punkte bei der Freezer Challenge tun kann.

DNA-Proben beispielsweise können eine Zeit lang (bis zu zwölf Monate) auch bei -20°C gelagert werden, statt -80°C (ein Punkt pro Gerät, aus dem Proben entnommen wurden). Und überhaupt, muss der Ultratiefkühlschrank wirklich auf -80°C laufen? Tun es -70°C nicht auch? Ja, sagt beispielsweise die University of Boulder und spart so bis zu 20% Energie (ein Punkt pro Gerät). Pluspunkte gibt es natürlich auch, wenn man ein Altgerät entsorgt und durch ein neues, energie-effizientes ersetzt. Oder die Kühleinheiten mit Kollegen aus anderen Laboren teilt. „Schließlich kann man alle eigenen Maßnahmen und Ideen einbringen, die auf dem Score Sheet nicht abgefragt werden. Auch wenn Aktionen bereits routinemäßig durchgeführt werden, kann man dies eintragen“, ergänzt Hermuth-Kleinschmidt.

Preis für Sparfüchse

Die vorbildlichsten Energiesparer haben sich natürlich einen Preis verdient. In Europa werden die drei besten Teams mit einem EGNATON-Award ausgezeichnet. Hinter dem pharaonisch-klingenden Namen verbirgt sich die Europäische Gesellschaft für Nachhaltige Labortechnologien, die die Freezer Challenge in Europa unterstützt. „Der EGNATON-Award ist eine symbolische Auszeichnung, die ein Labor respektive die Universität oder Forschungsorganisation in ihrer Außendarstellung nutzen kann,“ erklärt Hermuth Kleinschmidt. „Dazu gibt es noch einen Sachpreis – mehr dazu wird aber noch nicht verraten“.

Die Preise für die internationalen Gesamtsieger der Challenge sind schon bekannt. Es winkt ein Artikel (mit Foto) in Nature und eine Kaffeemaschine inklusive passender Kaffeebecher. Teilnehmen lohnt sich jedoch nicht nur wegen der Kaffeemaschine. „Eigentlich sind alle Teams die Gewinner, denn mit einem effektiven Freezer- und Probenmanagement kann man den eigenen Energieverbrauch reduzieren und seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Nicht zu vergessen: man nutzt teuren Laborplatz effektiver und erhöht die Lebenszeit der Geräte“, betont Hermuth-Kleinschmidt.

Tonnenweise Plastikmüll

Optimiertes Kühlen kann auf dem Weg zum nachhaltigen Labor ein Anfang sein. Denn auch viele andere Geräte, die man für gewöhnlich in einem modernen Labor findet – Abzüge zum Beispiel – verbrauchen viel Energie. Hinzu kommen Unmengen an Abfall, hauptsächlich Plastik-Einmal-Artikel wie Pipettenspitzen, Mikrotiter-Platten, Tubes etc. Etwa fünf Millionen Tonnen Plastikmüll produzieren Life-Science-Labore weltweit pro Jahr, schätzten englische Wissenschaftler 2015.

„Es gibt viele kleine und große Dinge, an denen man ansetzen kann,“ sagt Hermuth-Kleinschmidt, die neben Workshops und Vorträgen zum Thema, Labore vor Ort in Sachen Nachhaltigkeit berät. So könne man darauf achten, dass generell nur Geräte mit geringem Energie-/Wasserverbrauch angeschafft werden, man Geräte nicht unnötig an lässt, Materialien inventarisiert, Sammelbestellungen aufgibt und den Verbrauch an Einmal-Artikeln verringert. „Es gibt Lieferanten, die bei Design und Verpackung auf einen möglichst niedrigen Kunststoff- und Ressourceneinsatz achten“, weist die Beraterin hin und ergänzt: „Übrigens hilft auch sortenreines Recycling von nicht-kontaminierten Spitzen oder Handschuhen. Für letztere gibt es Take-Back-Programme“. Bereits vor drei Jahren stellte Hermuth-Kleinschmidt im Laborjournal eine kleine Checkliste für „Das nachhaltige Labor“ zusammen.

Wer nun den CO 2-Fußabdruck (s)eines Labors berechnen möchte, kann das mit diesem Tool von der TU Dresden tun.

Kathleen Gransalke



Letzte Änderungen: 05.02.2019

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