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Der neue Arbeitsalltag

(14.04.2020) Kein Schnack mit den Kollegen im Kaffeeraum, keine Journal Clubs, keine Experimente – wie funktioniert Forschung im Homeoffice? Eine Doktorandin berichtet.
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Marina Zempeltzi im Homeoffice

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Von einem Tag auf den anderen nicht mehr an die Uni oder ins Institut zu können, geplante Experimente erstmal liegen zu lassen, das hat sicherlich viele Forscher hart getroffen. Nicht nur Gruppenleiter, auch Postdocs und Doktoranden.

Am Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) in Magdeburg forscht Marina Zempeltzi als Doktorandin in der Arbeitsgruppe CortXplorer von Max Happel. Sie untersucht die Rolle des primären auditorischen Kortex beim auditiven Lernen und Gedächtnis, also das Lernen über Hören und Sprechen. Ein Beispiel ist der Schüler, der besser lernt, wenn er seinem Lehrer oder seinen Klassen­kameraden zuhört. Welche Strukturen im Gehirn dafür verantwortlich sind, das untersucht Marina Zempeltzi an mongolischen Wüsten­rennmäusen. „Ich zeichne Gehirnsignale der Tiere über lange Zeiträume auf, während diese kognitiv anspruchsvolle Aufgaben erfüllen,“ schreibt uns die Doktorandin im Interview aus dem Homeoffice.

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Vorbildlich gehandelt

Am LIN-Magdeburg begannen die Diskussionen über die Arbeits­situation schon Anfang März, berichtet Marina: „Hier in Sachsen-Anhalt und Magdeburg hatten wir bis vor Kurzem das Glück, sehr wenige Coronavirus-Infizierte zu haben. Als wir jedoch von der Situation in ganz Deutschland und der Welt hörten, kündigten die Verwaltung und die Direktoren des Instituts schon sehr früh Sicherheits­maßnahmen an.“ Das alles sei mit einem sehr hohen Maß an Verantwortung und Respekt gegenüber den Mitarbeitern geschehen, sagt sie weiter. Das Institut hat also vorbildlich gehandelt, seine Mitarbeiter geschützt und dazu beigetragen, die Coronakrise abzumildern (Stichwort: “flatten the curve”). „Später wurde die einfache Empfehlung, zu Hause zu bleiben, zur Regel, und wir wurden aufgefordert, alle Experimente einzustellen,“ erinnert sich die Doktorandin. Seit dem 16. März arbeitet sie nun im Homeoffice.

Da sie gerade in der Endphase ihrer Promotion ist, klang das Homeoffice zunächst wie die perfekte Situation für sie: zuhause kann man sich gut auf das Schreiben konzentrieren, dachte sie. Aber schnell merkte Marina, dass sie die vielen Stunden täglich am LIN vermisste: „Ich liebe es, im Labor zu arbeiten und mit meinen Kollegen zusammen zu sein. Wir treffen uns täglich in verschiedenen Gruppen und genau das vermisse ich am meisten“.

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Lizenz zum Tiere füttern

Dabei hatte sie großes Glück, denn ihre letzten Experimente mit den Wüsten­rennmäusen waren gerade abgeschlossen. „Nur eine Woche vor der offiziellen Ankündigung, zu Hause zu bleiben, waren unsere Pilot-Experimente für ein neues großes Projekt abgeschlossen. Ich kann mir aber vorstellen, wie stressig es sein kann, ein laufendes Experiment zu unterbrechen!“, sagt sie uns. Und wer kümmert sich jetzt um die Wüsten­rennmäuse im Labor? „In unserer Abteilung haben sich drei Postdocs und Professoren freiwillig dazu entschlossen, sich wöchentlich um alle unsere Tiere zu kümmern. Sie haben eine spezielle Lizenz erhalten und dürfen das Institut, natürlich in Schichten, betreten, um die Tiere zu füttern und den Käfig zu reinigen“, berichtet Marina.

Dennoch brachte die neue Situation viele Herausforderungen für Marina Zempeltzi – vor allem zu Beginn der Krise im März, als sich viel Unsicherheit breitmachte. „Wir wurden mit Informationen und Nachrichten bombardiert, die gut gefiltert werden mussten“, meint sie. All diese Informationen und Krisen-Berichte, die auf einen einprasseln, können zur großen psychischen Belastung werden. Und Zukunftsängste verstärken sich sogar noch, wenn man sich nicht mit Freunden und Familie treffen kann, um darüber zu sprechen.

Genau das berichtet auch Marina Zempeltzi, die aus Griechenland stammt und sagt, der ständige Kontakt mit Freunden und Familie dort wäre gerade sehr wichtig. „Es war anfangs extrem schwierig, den ‘Flow’ zu finden und sich auf die Arbeit zu konzentrieren“, sagt sie uns. „Es hat mir geholfen, eine tägliche Routine zu schaffen, wie frühes Aufstehen, Anziehen, Yoga, Frühstück und Kaffee, und den Tag an einem speziellen Arbeitsplatz zuhause zu beginnen.“

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Sehnsucht nach Schreibtischstuhl

Eben diesen Arbeitsplatz einzurichten, kann eine echte Herausforderung sein – etwa, wenn Paare zu zweit im Wohnzimmer arbeiten müssen, wie uns andere Doktoranden berichten. Auch die Empfehlung, nicht im selben Raum zu arbeiten, zu essen und zu schlafen, ist nicht umsetzbar, wenn man nur ein Zimmer in einer WG hat. Von anderen, ganz konkreten Problemen erzählt auch Marina, die ihren Schreibtischstuhl vermisst und ihre beiden großen Computer-Monitore. „In meinem Fall habe ich dies gelöst, indem ich einen großen Fernseher an meinen PC angeschlossen habe,“ sagt sie uns. Außerdem sei die Internet­verbindung zuhause manchmal sehr langsam. „Solche technischen Probleme sind in den letzten Tagen sehr üblich, aber ich denke, wir müssen geduldig sein und versuchen, uns entsprechend an die Situation anzupassen.“

Von ihrem Institut bekam sie dabei große Hilfe, wie sie sagt: „Ich habe sehr viel Unterstützung von allen Leuten am LIN erfahren, z. B. von der Personalabteilung, dem IT-Service, den Leitern und allen meinen Kollegen. Es gab eine sofortige Unterstützung bei der Einrichtung flexibler Homeoffice-Bereiche.“

Das Institut zeigt beispielsweise laufend auf Twitter, wie es den Forschern im Homeoffice geht. Und auch seine Mitarbeiter informiert das LIN regelmäßig über den Stand der Dinge, in deutscher und englischer Sprache. „Aus Gesprächen mit Freunden weiß ich, dass dies nicht in jedem Institut, an jeder Universität der Fall ist. Es war eine großartige Erfahrung, zu sehen, wie gut das bei uns bisher funktioniert hat,” schildert Marina. Gruppen­meetings würden jetzt über eine LIN-basierte Web-Plattform abgehalten und sogar gemeinsame Kaffeepausen gibt es. „Wir machen Kaffeepausen immer noch jeden Nachmittag, aber jetzt virtuell. Während dieser Pausen informieren wir uns gegenseitig über unseren Arbeitsablauf, unsere Gedanken über die Situation und es hilft uns, uns als Team verbunden zu fühlen“, beschreibt die Doktorandin die neue Arbeitsstruktur.

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Konferenzen abgesagt

Das mag für ein paar Wochen gut gehen, aber nicht alles, was das Forscherleben ausmacht, kann online abgehalten werden. Konferenzen zum Beispiel. Weltweit sind die, die in den nächsten Monaten stattfinden sollten, abgesagt worden. Das betrifft auch Marina Zempeltzi: „Ich werde nicht die Möglichkeit haben, meine Arbeit vorzustellen und meine Ergebnisse mit Wissenschaftlern aus der Fachrichtung zu diskutieren. Wir warten immer noch auf die Ankündigung einer großen europäischen Konferenz, die im Juli stattfinden würde, aber ich vermute, dass auch diese abgesagt wird.“

Und was ist mit ihrer Doktorarbeit? Marina befürchtet Verzögerungen bei der Einreichung, da die Universität ja geschlossen ist. „Solche Verzögerungen könnten die Karriere und das persönliche Leben auf mehrere Arten beeinflussen, insbesondere für uns Doktoranden mit befristeten Arbeitsverträgen oder internationalen Stipendien.“ Da kann man nur hoffen, dass es nicht mehr lange so weitergeht.

Karin Lauschke

Foto: @LIN_Magdeburg






Letzte Änderungen: 14.04.2020

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