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„Der Reader kommt zum Experiment“

(01.04.2021) Das Hamburger Start-up Byonoy hat ein Absorptions­messgerät entwickelt, das selbst kaum größer als eine Multiwell-Platte ist.
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Elektroingenieur Yousef Nazirizadeh (im Bild), einer der beiden Geschäfts­führer von Byonoy, über Platzprobleme, verkürzte Lichtwege und das Vermeiden von Däumchen drehen.

Herr Nazirizadeh, Byonoys Produkt ist ein kompakter Plate-Reader für 96-Well-Platten. Dabei ist das Gerät selbst kaum größer als eine Multiwell-Platte. Muss man mit einem Plate-Reader durch die Gegend laufen können?
Yousef Nazirizadeh: Wenn man sich die Labore heute anschaut, dann sind sie geprägt durch die großen Reader. Bisher haben die Hersteller keinen Fokus darauf gelegt, die Geräte klein und benutzer­freundlich zu machen. Das wollten wir ändern, aus zwei Gründen. Erstens herrscht in Laboren immer Platzmangel. Die großen Benchtop-Geräte belegen wertvollen Laborplatz. Unser Gerät ist deutlich kompakter und Sie können es nach der Messung einfach in einer Schublade verstauen.

Und der zweite Grund?
Nazirizadeh: Die Forscher sind mit dem Reader mobil. Alles läuft über einen USB-Anschluss, es gibt keinen Strom­anschluss. Man kann das Gerät also am Laptop oder Tablet betreiben. Das heißt, das Experiment muss nicht zum Reader kommen, sondern der Reader kommt zum Experiment. Sie können Ihre Messungen unter der sterilen Werkbank durch­führen, dort, wo Sie gerade pipettieren oder auch im Inkubator. Sogar auf den Schüttler können Sie unseren Reader stellen und so während der Messungen die Platte in Bewegung halten. All das machen und wollen unsere Kunden.

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Wer sind denn Ihre Kunden?
Nazirizadeh: Das sind akademische Forschungs­institute, Universitäten, aber auch Diagnostik-Unternehmen, etwa für die Lebensmittel- oder klinische Diagnostik. Die Vielfalt in den Anwendungen spiegelt sich auch in der Vielfalt der Kunden wider. Wir haben ein Werkzeug geschaffen, welches die Leute kreativ einsetzen können. Und das machen sie auch, für Messungen, von denen wir gar nicht wussten, dass Plate-Reader für so etwas gedacht sind. So bekommen wir zum Beispiel Anfragen, bis zu welchem Druck oder welcher Temperatur und Luftfeuchte der „Absorbance 96“ arbeitet und getestet wurde.

Wenn man sich bisherige Standard-Reader anschaut, dann sind das große Geräte mit langen Lichtwegen und viel Mechanik. Wie haben Sie es geschafft, alles zu miniaturisieren?
Nazirizadeh: Das haben wir gar nicht. Als wir mit der Entwicklung begonnen haben, haben wir uns nicht an der Konkurrenz orientiert und waren deshalb unvorein­genommen und unbeeinflusst von etablierten Verfahren. Wir sind einen Schritt zurück­gegangen und haben uns gefragt: Was muss so ein Reader können? Dann haben wir versucht, das Ganze so kompakt wie möglich aufzubauen. Da wir mir 96 Detektions­einheiten gleichzeitig und so jedes Well einzeln messen, benötigen wir keine Mechanik. Wir arbeiten mit Kugellinsen und Fasern, die Lichtwege müssen deshalb gar nicht lang sein. Aber natürlich haben wir keinen Multimode-Reader konstruiert. Unser Messgerät misst nur Absorption.

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Konkret, wofür genau nutzen Ihre Kunden das Gerät?
Nazirizadeh: Die klassische Anwendung ist natürlich der ELISA. Einige Kunden verfolgen aber auch Bakterien­wachstum oder quantifizieren Proteine. Vor kurzen kam zum Beispiel ein italienisches Unternehmen auf uns zu, welches unseren Reader für einen Corona-Schnelltest einsetzen möchte. Die haben einen Test entwickelt, der zum Schluss eine Farbreaktion zeigt. Für solche Tests brauchen Sie ein transportables Messgerät, das Sie in Schulen, an Flughäfen oder Büros einsetzen können. Vor allem aber ein Gerät, für das ich die Nutzer nicht erst noch schulen muss.

Das heißt, Sie können das Gerät auch mit vorgefertigten Programmen bespielen, so dass der Anwender nur noch die Platte einschieben und das Programm starten muss.
Nazirizadeh: Genau. Die Software ermöglicht das. So kann auch Labor­personal mit wenig Erfahrung eine Messung oder ein Experiment durchführen.

Über die Dioden und Detektions­einheiten können Sie jedes Well einzeln ansteuern. Macht sich das auch in der Mess­geschwindigkeit bemerkbar?
Nazirizadeh: Absolut. Wir messen eine typische Mikrotiter-Platte in unter fünf Sekunden. Nun mag man argumentieren, ob man nun fünf Sekunden oder eine Minute misst, macht bei einem ELISA von zwei Stunden keinen großen Unterschied. Aber die Erfahrungen und Rück­meldungen zeigen: Doch, macht es. Während der Inkubations­phasen beim ELISA kann ich zwischen­durch immer wieder andere Dinge machen. Bei einer Messung von einer Minute bleibe ich neben dem Gerät stehen und drehe Däumchen. Da ist es schon schön, wenn ich das Ergebnis quasi sofort habe.

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Nun interessiert mich aber noch, was es mit dem Firmen­namen auf sich hat. Eine Ableitung ist mir nicht gelungen.
Nazirizadeh: Nicht? Eigentlich ist es ganz simpel, wenn man sich von Buchstaben löst und nur den Klang berücksichtigt. Letztlich setzt sich der Name zusammen aus „Bio“, wie Biologie, und „neu“. Wir haben den Anspruch, innovativ zu sein, etwas Neues zu schaffen und neue Wege in der Biologie zu gehen. Deshalb heißen wir Byonoy.

Die Fragen stellte Sigrid März


Steckbrief Byonoy
Gründung: 2015
Sitz: Hamburg
Mitarbeiter: 15
Produkt: Transportables Absorptionsmessgerät für Mikrotiterplatten

Bilder(2): Byonoy


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Letzte Änderungen: 01.04.2021

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