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Das Dilemma mit dem Testen neuer Ideen

(02.07.2021) Aus unserer Reihe 'Anekdoten aus dem Forscherleben': Ausgerechnet Projekte rund um wirklich neue Ideen bergen die größten Risiken für die Karriere.
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Postdocs und End-Doktoranden brauchen Paper, und für Paper brauchen sie Ergebnisse. Eine möglichst hohe Ergebnisgarantie liefern in aller Regel jedoch vor allem risikoarme Projekte. Risikoarm insofern, als dass die Vorarbeiten bereits genügend Erkenntnisse zur ursprünglichen Frage geliefert haben – sodass es in künftigen Projekten weitgehend nur noch darum geht, die Daten für klar erwartbare Details zu liefern. 

Doch wer testet dann wirklich neue Ideen? Die ja naturgemäß mit einem hohen Fehlschlag-Risiko daherkommen? Wem versaut es nicht gleich den Karrierestart, wenn die Projektidee am Ende tatsächlich in einen „Satz mit X“ mündet? Wer braucht (noch) nicht die ganz runde Story?

Richtig, die „Anfänger“ – also Bachelor- und Master-Studierende oder auch noch mancher Doktoranden-Frischling.

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Zigmal positiv, zigmal nicht

Allzu leicht läuft das Ganze dann allerdings etwa nach folgendem Schema ab: Master-Studentin A bekommt für ihre Arbeit eine vage Idee des Chefs zum Antesten. Mit der Versuchsreihe, die die beiden für eine erste Prüfung ausgeknobelt haben, bekommt sie erst im vierten Anlauf ein halbwegs aussagekräftiges Ergebnis. Die nächsten zwei Mal scheitert sie wieder – danach verlässt sie das Labor.

Master-Student B übernimmt. Am Ende erzählt er, er habe drei von sechs Mal ein positives Ergebnis erhalten und schreibt das auch in seiner Arbeit. Allerdings hat ihn niemand derart oft an den Geräten gesehen. Hmm…?

Von der Gewissheit, ob die Ausgangsidee etwas taugt und ein „richtiges“ Projekt tragen könnte, ist man also weiterhin weit entfernt.

In den Händen des etwas erfahreneren Doktoranden C liefert das vermeintliche Proof-of-Principle-Experiment sofort ein positives Ergebnis. Allerdings kann er es danach ganze sechs Mal nicht wieder bestätigen – bis ihm Kollegin D beichtet, dass sie vor Wochen das empfindliche Schlüssel-Reagenz Z tagelang aufgetaut auf ihrer Laborbank vergessen hatte.

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Doch nicht solide

Mit frischem Reagenz Z reproduziert C sein Ergebnis zwar sofort wieder. Allerdings verlässt er das Labor zwei Wochen später überraschend zugunsten eines Bioinformatik-Jobs in der Industrie, ohne die Ergebnisse je abschließend aufgeschrieben zu haben.

Dennoch hält der Chef den Basisbefund jetzt von A bis C für ausreichend solide belegt – und übergibt „das Projekt“ einem neuen Postdoc. Ein knappes Jahr beißt er sich daran vergeblich die Zähne aus – und muss schließlich doch wieder auf ein „Just-around-the-Corner“-Projekt wechseln. Weil er unbedingt Veröffentlichungen für den nächsten Karriereschritt braucht...

Ralf Neumann

(Illustr.: Laborjournal)

 

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Letzte Änderungen: 28.06.2021

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