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Die Crux mit dem Projekt

(01.10.2021) Forschung ist heutzutage in Projekten organisiert. Doch zumindest für die Grundlagenforschung ist das nicht die passende Organisationsform.
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Wer Geld für seine Forschung haben will, muss einen Projekt-Antrag stellen. Sicher, wenn es ein bisschen größer sein soll, heißt das Ganze auch mal „Programm“ oder „Initiative“. Aber woraus setzen sich diese in aller Regel zusammen? Genau, aus lauter Einzel-Projekten! Schon lange ist Forschung auf diese Weise nahezu ausschließlich in Projekten organisiert. Das Projekt ist die Keimzelle einer jeden Forschungsförderung.

Paradox ist das schon. Denn zumindest in der reinen Grundlagenforschung kann eigentlich nur „projektiert“ werden, was noch unbekannt ist. Andernfalls wäre es keine Grundlagenforschung. Oder anders gesagt: Sonst wäre das Projekt kein Forschungsprojekt.

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Ohne "Projekt" kein Geld

Um ein Forschungsvorhaben indes überhaupt in Form eines Projektes organisieren zu können, muss das Unbekannte zugleich genug Bekanntes enthalten. Klingt paradox, klar. Aber eine Forschungsplanung, wie sie heute weitestgehend verlangt wird – also mit konkreten Zielvorgaben samt zugehörigem Zeitplan sowie mit klar kalkulierten finanziellen und personellen Ressourcen et cetera –, lässt sich nun mal seriös nur mit einem hinreichenden Maß an Bekanntem entwerfen. 

Können Forschungsvorhaben keinen derartigen Plan vorweisen, werden sie heutzutage in aller Regel auch nicht gefördert. Nicht zuletzt, weil sie damit das Kriterium eines Projekts nicht erfüllen.

Es passt also nicht wirklich zusammen: Das Ideal von Forschung als offener, durch reine Neugier gelenkter Prozess einerseits – und die Projektierung von Forschung andererseits. Zumal man in der „reinen“ Forschung auch anfängliche Zielvorgaben schnell und flexibel umformulieren können muss – ganz abgesehen davon, dass sie von Vornherein ein beträchtliches Risiko mit einschließt, am Ende zu scheitern.

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Ist Wissenschaft überhaupt projektierbar?

Für ein Projekt dagegen ist das Vorwegnehmen von kalkulierbar Neuem vor dessen Start notwendige Bedingung. Der Vorstellung von Wissenschaft als Prozess fortlaufender und aufeinander aufbauenden Entdeckungen widerspricht dies jedoch fundamental. Schließlich kann man in Projekten naturgemäß nicht einfach nur von irgendwelchen Prämissen ausgehen – und dann durch fortlaufende Exploration schauen, was weiter daraus wird. Ebenso wenig, wie sich Änderungen leicht hinnehmen lassen. Wie könnten Projekte sonst auf die ihnen innewohnende Art alle möglichen Unsicherheiten minimieren?

Daher stellen sich zwei Fragen: Wie kann man etwas vorweg festlegen, das man gerade durch die Forschungstätigkeit entdecken will? Und welche Art Wissenschaft könnte überhaupt projektierbar sein? Letzteres mag eventuell funktionieren, wenn man sich auf ganz konkrete Fälle beschränkt und auf jegliche Form der Generalisierung verzichtet. Forschung, die allerdings genau dieses Ziel verfolgt – nämlich einen allgemeinen Mechanismus, ein generalisierendes Modell oder gar eine übergeordnete Theorie zu entwerfen –, ist in der Organisationsform „Projekt“ hingegen denkbar schlecht aufgehoben.

Ralf Neumann

(Illustration.: ClipartKey / Syam Manohar)

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Letzte Änderungen: 28.09.2021

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