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Nomen est Omen

(15.09.2022) LAB282 oder beLAB2122 klingt als Projektname sehr kryptisch. Hinter den Zahlen und Buchstaben verbirgt sich aber eine verbindende Geschichte.
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Regelmäßig stellt Laborjournal an dieser Stelle Biotech-Firmen und deren Namen vor. Manchmal ist die Namensgenese naheliegend; bisweilen haben die Unternehmen um wirklich viele Ecken gedacht. Bei Evotecs BRIDGE-Programmen scheint nicht eine Ziffer, ein Buchstabe dem Zufall überlassen. Kreativ, findet Laborjournal, und präsentiert überraschende bis kuriose Programm­namen. Von Farbtönen, Fluss­kilometern und Autobahnen im übertragenen Sinne.

In der September-Ausgabe sprach Laborjournal mit Thomas Hanke, Head of Academic Patnerships beim Hamburger Wirkstoff­entwickler Evotec. Als solcher begleitet er die Translation von Grundlagen­forschung in die Wirkstoff­entwicklung. Eines der Konzepte nennt sich BRIDGE – Brücke. Das Akronym selbst steht für die Aufzählung der Begriffe Biomedical Research, Innovation & Development Generation Efficiency und soll zusammenfassen, was BRIDGE ist und macht: Grundlagen­forschung effizienter in die Anwendung transferieren.

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Ein identitätsstiftender Moment

Alle aktuell sechs Programme tragen Namen, die irgendwo LAB beinhalten. LAB steht – selbsterklärend – für das Labor, aus dessen Tiefen die Ideen für neue Entwicklungen gefischt werden. Drumherum konstruiert Evotec gemeinsam mit den Kooperations­partnern weitere Buchstaben- oder Zahlen­kombinationen. Ein Evotec-Sprecher sagt: „Die Erfahrung zeigt: Ein Name mit Bedeutung ist wirklich ein identitäts­stiftender Moment für alle Beteiligten – und wirkt sich immer positiv auf die Zusammenarbeit aus.“ Dementsprechend gehöre auch ein eigenes Logo und ein Corporate Design zum Gesamtpaket. „Aber natürlich muss das auch immer von allen Partnern mitgetragen werden – und manchem ist diese Heran­gehensweise doch etwas zu verspielt“.

Ein paar Spitzfindig­keiten haben es aber in die BRIDGE-Liste geschafft:
Das erste, im November 2016 gestartete BRIDGE-Programm nennt sich LAB282. Evotec kooperiert hierfür mit verschiedenen Institutionen aus dem englischen Oxford (Universität, Technologie­transfer-Stelle Oxford University Innovation sowie Frühphasen-Finanzierer Oxford Sciences Innovations). „Die Verbindung der Buchstaben-Zahlen­kombination spielt auf die in der Industrie etablierte Terminologie der Projekt­pipelines an“, erklärt der Evotec-Sprecher. „LAB282 heißt so, weil der offizielle Farbcode der Oxford University der Pantone-Farbcode 282 ist.“ Dement­sprechend erstrahlt nicht nur die Website der Uni Oxford, sondern auch die Internetpräsenz von LAB282 in dunklem Blau. Konsequent: Die erste Ausgründung aus LAB282 heißt Dark Blue Therapeutics.

Rhein, Main und Neckar

Nur ein Jahr später startete Evotec gemeinsam mit dem Frühphasen-Förderer Toronto Innovation Acceleration Partners (TIAP) LAB150. Im gleichen Jahr, 2017, feierte Kanada seinen 150. Geburtstag. Grund genug offenbar, dem BRIDGE-Programm die historische Zahl anzuhängen. Happy Birthday nachträglich!

beLAB2122 ist das erste in Deutschland stationierte BRIDGE-Programm, welches 2021 das Licht der Welt erblickte. Mit dem b hat sich der US-amerikanische Biopharmazeutika-Entwickler und Kooperations­partner Bristol Myers Squibb im Namen verewigt, verbindendes Element ist Evotec, also e. Teil von beLAB2122 sind zudem die Frankfurter Goethe-Universität, die Unis Tübingen und Heidelberg sowie das Deutsche Krebsforschungs­zentrum und das EMBL in Heidelberg. Was verbindet all diese Regionen? Richtig, Flüsse; genauer Rhein, Main und Neckar. Nun ja, und die Gesamtlänge dieser drei Flüsse beträgt 2.122 Kilometer. (Disclaimer: Wir haben nicht nachgerechnet.)

„Bei dem britischen Pendant beLAB1407 ist es die Länge von Land’s End im westlichen Cornwall bis zur nordöstlichsten Spitze des schottischen Festlands, John O’Groats“, sagt der Unternehmens­sprecher. beLAB1407 ist eine weitere Kooperation von Evotec und Bristol Myers Squibb, gestartet ebenfalls im Jahr 2021. Beteiligt sind zudem die Universitäten Birmingham, Edinburgh, Nottingham und Dundee.

Autobahn für alle

Auch beim jüngsten BRIDGE-Spross, DANUBE LABS, spielt ein Fluss eine Rolle. Danube ist nämlich der englische Name der Donau. Die wiederum fließt durch Wien, Sitz des Forschungs­beschleunigers und Evotec-Partners CEBINA (Central European Biotech Incubator and Accelerator). CEBINA erklärt den Namens­bestandteil mit der „wirtschaftliche[n] und kulturelle[n] Bedeutung der Donau in der Geschichte Europas“. Immerhin zehn Staaten durchfließt die Donau auf ihrer mehr als 2.800 Kilometer langen Reise von der Quelle bis zum Schwarzen Meer, neben Österreich auch Deutschland, Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine. Damit verbindet der Fluss mehr Länder als jeder andere Fluss weltweit und bildet gleichzeitig eine Brücke zwischen Mittel- und Osteuropa. Ein gutes Omen, dachte CEBINA sich da wohl.

Bleibt noch AUTOBAHN LABS, das bereits im Juni 2020 gestartete BRIDGE-Projekt. An dem Inkubator beteiligen sich außer – logischerweise – Evotec die beiden Investoren Samsara BioCapital und KCK Ltd. Trotz des doch recht deutsch klingenden Namens ist der Projektsitz im US-amerikanischen San Francisco. „Autobahn steht tatsächlich für Autobahn“, bestätigt der Evotec-Sprecher, aber im übertragenen Sinne. Was das bedeutet? Autobahn stehe „für eine (F&E)-Infrastruktur, die allen Nutzerinnen, Nutzern (und therapeutischen Modalitäten) offen steht und einen schnellen und direkten Weg zum Ziel bedeutet.“

Und noch ein Schmankerl zum Schluss, ebenfalls präsentiert vom Evotec-Sprecher und deshalb der Einfachheit halber hier zitiert: „Wir haben unseren 2021 vorgestellten strategischen Aktionsplan 2025 ‚The data-driven R&D Autobahn to Cures‘ betitelt. Das spiegelt sich auch in unseren ‚Visuals‘ wider. Der ‚Fun Fact‘ ist hier, dass die Daten-getriebene 11111101001 auf dem Autobahn-Icon der Binärcode für 2025 ist.“

Sigrid März

Bild: Alexas_Fotos


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Letzte Änderungen: 14.09.2022