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Noch mehr Geld für Exzellenzen?

Die Exzellenzinitiative soll über das Jahr 2012 hinaus fortgeführt werden, so die Gemeinsame Kommission von Wissenschaftsrat und DFG in ihrer internen Evaluation Ende 2008. Die Kommission empfiehlt, die Fördersumme um 30 Prozent zu erhöhen, bei einer Laufzeit von fünf Jahren.

(2.2.2009) Bislang fördert die Exzellenzinitiative (EI) an 37 Universitäten Graduiertenschulen, "Exzellenzcluster" und "Zukunftskonzepte". Die DFG stellt auf www.exzellenz-initiative.de und www.excellence-initiative.com die EI und ihre Teilnehmer vor. Die Fördermittel von 1,9 Milliarden Euro verteilen sich auf alle Wissensgebiete. Rund 4000 neue Stellen und Stipendien wurden beantragt, die Bewilligungsquote lag bei 11 Prozent. In diesem Jahr wollen Bund und Länder über eine Fortführung der EI über das Jahr 2012 hinaus entscheiden.

Die bisherigen Förderkriterien hätten sich bewährt und sollten beibehalten werden, so die Gemeinsame Kommission. Haben sie sich wirklich bewährt? Bisher scheint die Einwerbung von Drittmitteln der ausschlaggebende Faktor für einen Erfolg bei der EI gewesen zu sein. Jedenfalls vereinten die 20 Hochschulen mit den höchsten DFG-Bewilligungssummen im Zeitraum von 2005 bis 2007 auch über 70 Prozent der Fördermittel der EI auf sich (www.wissenschaftsrat.de). Die EI scheint also nach abgeleiteten, sekundären Kriterien zu fördern. Bezeichnenderweise lässt sie sich denn auch nicht darüber aus, nach welchen Kriterien sich das von ihr praktizierte Matthäus Prinzip "Wer hat dem wird gegeben" bewährte. Hat sich der wissenschaftliche Output pro Euro erhöht? Oder bestand die "Bewährung" darin, das Geld schnell und vollständig auszugeben? Letzteres galt zumindest früher beim BMBF als Erfolgskriterium.

Es sei nicht um Geld, sondern um Prestige gegangen, resümierten Gewinner und Verlierer der EI im November 2007 auf der Tagung "Making Excellence - Grundlagen, Praxis und Konsequenzen der Exzellenzinitiative" in Wittenberg. Durch einen Erfolg bei der Exzellenzinitiative seien Fundraising und internationale Kooperationen in ganz anderen Dimensionen möglich. Dies Resumee ist von dankenswerter Offenheit. Es geht nicht um Geld, sondern um Prestige um damit viel Geld zu bekommen, letztlich also um viel Geld, mit der Betonung auf viel. Um Wissenschaft geht es anscheinend nicht, weswegen es natürlich auch unnötig ist, die Wirkung des vielen Geldes auf dieselbe zu beurteilen.

Zweifel weckt auch die Feststellung der Gemeinsamen Kommission, im Rahmen der EI komme es zu einer Modernisierung der Promotionsverfahren und zu einer besseren Betreuung der Doktoranden. War denn das traditionelle Promotionsverfahren so schlecht? Betonte es nicht "Learning by doingÓ und die Selbständigkeit des Doktoranden? Noch in der Weimarer Republik wurde der Doktorand als eigenständiger Forscher betrachtet, der auch eigenständig publizierte. Das hatte zwar bei Pechvögeln oder Unfähigen gelegentlich Promotionszeiten von über sechs Jahren zur Folge. Auch konnte man scheitern. Es mag also "modern" sein, die Promotion voll durch zu planen, aber ob Planung und Schulelemente das selbständige Denken und damit die wissenschaftliche Potenz fördern, ist eine andere Frage. Am Ende findet sich der Doktorand als billige TA wieder. Auf jeden Fall liest man auch hier nichts von einer echten Erfolgskontrolle.

Völlig nach Marketingsprech und "Beweis durch Behauptung" klingt die Versicherung, die EI stärke die Zusammenarbeit innerhalb der Universitäten und mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Zwar berichten alle Universitäten, ihre Teilnahme am Zukunftskonzepte-Wettbewerb habe sich förderlich auf ihre strategische Planung ausgewirkt. Doch was heißt das? Und was ist das wert?

Alles prima ? ! Selbst die Gemeinsame Kommission konnte sich nicht völlig der Wirklichkeit verschließen. Sie stellt fest, dass die leer ausgegangenen Universitäten unter der Abwerbung ihrer Wissenschaftler durch Exzellenz-Einrichtungen leiden und diese wiederum vermehrt Rufabwehrverhandlungen führen müssten. Leicht messbar und daher schwer mit Marketingsprech zu kaschieren ist auch die Tatsache, dass die im Rahmen der EI zur Förderung der Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ergriffenen Maßnahmen nicht greifen. Woran mag das liegen? Die Exzellenz-Einrichtungen berichten von Problemen, genügend hervorragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen für ausgeschriebene Positionen zu finden. Vielleicht sollte man sich darauf beschränken Gleichberechtigung, also Chancengleichheit, und nicht Gleichstellung zu verlangen. Letzteres erinnert fatal an Planerfüllung und hat vermutlich ähnliche Wirkungen.

Wohlklingende aber substanzlose Ratschläge Es fehlt nicht an wohlmeinenden Ratschlägen und die werden auch wohlfeil abgegeben. So sollte sich die EI nach Meinung der Gemeinsamen Kommission darauf konzentrieren, Forschung auf Weltniveau (?) und wissenschaftlichen Nachwuchs auf allen Karrierestufen zu fördern. Des weiteren sollten nur Universitäten antragsberechtigt sein. Gewinner der ersten und zweiten Runde der EI sollten eine "positiveÓ Entwicklung aufweisen, um in Zukunft weiter gefördert zu werden. Natürlich wird nicht gesagt, was mit "positiv" gemeint ist, auch wurde wohl nicht bedacht, dass Positives immer Negatives anzieht. Aber die Kommission der Elektrotechniker hat noch weitere Ratschläge:

- Auch Neuanträge sollten eine Chance erhalten.

- Universitäten sollten die Möglichkeit bekommen, überregionale Verbünde und Zentren einzurichten. Für die Förderlinie Zukunftskonzepte sollten sie eine forschungsfreundliche und effiziente Verwaltung aufweisen - womit uns die Kommission anscheinend sagen will, dass manche der ausgezeichneten Universitäten keine forschungsfreundliche und effiziente Verwaltung besitzen.

- In einer neuen Ausschreibungsrunde sollen auch Konzepte zur Entwicklung der forschungsorientierten Lehre gefördert werden.

- Man solle weiterhin auf ausländische Gutachter zurückzugreifen. In international vernetzten Forschungsgebieten ist das Befangenheitsproblem allerdings dadurch nicht unbedingt gelöst. - Auf Anregung der ausländischen Gutachter der EI plädiert die Gemeinsame Kommission für eine Ausweitung der Zulassung zur Promotion ohne Masterabschluss - für besonders talentierte Bachelorabsolventen.

Ende der Unterfinanzierung ? Was soll man dazu sagen? Alles Wischiwaschi? Eine gigantische Geldverschleuderung? Keineswegs! Es hat alles sein Gutes, sogar das Schlechte: Negatives zieht Positives an. So hat die EI die Einwerbung von zusätzlichen Drittmitteln erleichtert. Das gilt nicht nur für die Gewinner. Um sich für die nächste Runde der EI rüsten zu können, erhielten auch bisher erfolglose Universitäten zusätzliche Förderung durch die Länder und private Geldgeber. Auf diese Weise hat die EI die Unterfinanzierung zahlreicher deutscher Universitäten abgemildert. Vielleicht wäre es aber billiger gekommen. Vielleicht wäre weniger Forscherzeit für Schreibereien verschleudert worden, hätte man nach dem Gießkannenprinzip jedem einfach ein paar Hunderttausend Euro in die Hand gedrückt.



Bettina Dupont

Quellen: Bericht der Gemeinsamen Kommission zur Exzellenzinitiative an die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz. November 2008.

GEW Materialien aus Hochschule und Forschung "Making Excellence - Grundlagen, Praxis und Konsequenzen der Exzellenzinitiative", Bertelsmann Verlag 2008




Letzte Änderungen: 02.02.2009
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