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Inkontinenz am Inn (13): Anfrage im Landtag zur Urologie-Affäre, Akademie-Bericht bald fertig!

Was bisher geschah: Eine von Hannes Strasser und Georg Bartsch publizierte Phase III-Studie war der EK nicht zur Stellungnahme vorgelegt worden. Es stellt sich heraus: An der Studie stimmt einiges nicht.

(04.02.2009) Als EK-Mitglied Hartmut Glossmann versucht, sich Klarheit zu verschaffen, erstatten Hannes Strasser und Georg Bartsch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck und legen Dienstaufsichtsbeschwerde ein. Polizei und AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) ermitteln. Eine Klagewelle rollt, anonyme Briefe kursieren, Glossmann wird Befangenheit und Industriespionage unterstellt. Der Abschlussbericht der Polizei entlastet ihn. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Strasser wegen Verdacht auf Körperverletzung und Dokumentenfälschung. Rektor Clemens Sorg suspendiert Strasser vorläufig und will auch Bartsch suspendieren. Doch Sorg wird aus undurchsichtigen Gründen entlassen. Bartsch wechselt zum Standpunkt der EK. Von da an wenden sich die anonymen Vorwürfe auch gegen Bartsch. Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf stellt drei parlamentarische Anfragen und greift darin Glossmann und EK-Mitglied Andreas Scheil an. Grafs Gewährsmann ist Strasser. Grafs Anfragen werden abgeschmettert. Der Anästhesist Josef Margreiter wird tot aufgefunden. Eine anonyme Website verdächtigt Scheil und Glossmann. Scheil zeigt Strasser wegen falscher Zeugenaussage, Urkunden- und Beweismittelfälschung und Verleumdung an. Die Medizin-Uni Innsbruck (MUI) suspendiert Strasser erneut und erstattet Disziplinaranzeige gegen ihn. Auch Interimsrektor Manfred Dierich gerät unter Beschuss: Der Rechnungshof wirft ihm unter anderem "In-Sich-Geschäfte" vor.

Der unbedarfte Leser dieser Serie wird sich inzwischen fragen, warum es den österreichischen Behörden nicht gelingt, einen Punkt hinter diese Affäre zu setzen. Warum bekommt die Geschichte immer noch einen Dreh? Wieso werden die Fälschungsvorwürfe der AGES nicht untersucht und Konsequenzen gezogen? Warum feuerte der Unirat Sorg wegen Kleinigkeiten, bleibt aber im Fall seines Nachfolgers Dierich, bei dem es um Millionen geht, anscheinend untätig? Stimmt es, dass Bartsch für Strassers Operationen Privatliquidationen kassiert hat? Was macht eigentlich Strasser?

Zur letzten Frage: Hannes Strasser ist wohlauf und frisch und hat neue Freunde gewonnen. Einer dieser Freunde ist der FPÖ-Landtagsabgeordnete Gerald Hauser, Jahrgang 1961, studierter Wirtschaftspädagoge. Er stellte im Landtag am 26. Januar 2009 eine schriftliche Anfrage zum "Medizin-Skandal an der Medizinischen Universität Innsbruck". Auch Hauser beruft sich in seiner Anfrage auf das ominöse Aktionskomitee "Rettet die Klinik Innsbruck", das vermutlich identisch mit Herrn Strasser ist (siehe Folge 10). Auch ist die Einleitung der Anfrage fast identisch mit der Anfrage von Hausers Parteifreund Martin Graf an das Bundesministerium für Justiz vom 5. November 2008. Da wird wiederum der dringende Verdacht ausgesprochen, dass Mitglieder der EK Innsbruck "ihre Position für eigene wirtschaftliche Interessen missbraucht" hätten und dass "die AGES in der Klinik Innsbruck keine objektiven und rechtlich fundierten Prüfungen durchgeführt" habe. Der Rest stellt eine Sammlung der Tassen aus den Graf-Anfragen dar, die das Scherbengericht der Ministerien einigermaßen heil überstanden hatten, weil es nicht in deren Zuständigkeitsbereich fiel, sie zu zertrümmern. Von den mehreren Dutzend Tassen aus Grafs Giftschrank blieben zwei übrig:

- Die Firma AMS habe in der Urologie Operationskurse durchgeführt und dabei Personal und Infrastruktur der MUI benutzt, aber nichts dafür bezahlt.

- Bartsch habe jahrelang von den Privatpatienten, die Strasser mit seiner Zelltherapie behandelt habe, Privathonorare in Rechnung gestellt, wolle jetzt aber von der Zelltherapie nichts gewusst haben.

Hauser stellt dazu 19 Fragen an den Landesrat Bernhard Tilg. Seltsamerweise berühren die Fragen in keiner Weise die in der Einleitung der Anfrage geäußerten Vorwürfe gegen die AGES. Ging's da etwa nur ums Anschmieren? Auch werden in den Fragen nur noch die TILAK Angehörigen der EK angegriffen und nicht mehr die EK-Mitglieder Glossmann und Scheil.

Laborjournal online hätte Herrn Hauser gerne gefragt, was er denn gegen die AGES hat, und auch, um wen es sich beim Aktionskomitee "Rettet die Klinik Innsbruck" handelt. Aus Hausers Innsbrucker Büro war jedoch zu vernehmen, dass Hauser dies erst beantworten wolle, wenn Landesrat Tilg auf seine (Hausers) Fragen geantwortet habe. Das dürfte in etwa sechs Wochen soweit sein, bis dahin müssen Sie sich gedulden, lieber Leser.

Apropos AGES. Wieso werden die Fälschungsvorwürfe der AGES nicht untersucht und Konsequenzen gezogen? Nun, die Vorwürfe wurden sehr wohl untersucht und zwar auf Bitte der MUI (noch unter Rektor Sorg) von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ihr Präsident Peter Schuster teilte Laborjournal online folgendes mit: "Die Akademie sei mit der Untersuchung der Affäre langsam aber gründlich vorgegangen, um sich später keinen Vorwürfen der Befangenheit auszusetzen. Die Akademie hätte mehr als vier Experten mit der Sache befasst, und fast alle Gutachten seien inzwischen eingetroffen. Der Bericht stehe vor dem Abschluss. Er gehe bald als vertrauliches Dokument an die MUI, und die könne damit nach eigenem Gutdünken verfahren. An die Presse werde er den Inhalt des Berichtes nicht weitergeben."

Bleibt die Frage, was tut der Unirat in Sachen Dierich? Laborjournal online hat dazu an die Vorsitzende des Unirates, Gabriele Fischer, geschrieben und angefragt, ob der Unirat in dieser Sache etwas zu unternehmen gedenke, und wenn ja was. Frau Fischer: "In der Universitätsratssitzung vom 6.2.2009 ist dieser Punkt an der Tagesordnung ausgewiesen und die entsprechenden Beschlüsse werden in der Folge auf der Homepage der MUI abgebildet sein.

Es bleibt spannend in Innsbruck!

Sie lieben Spannung, ein aufregendes Leben und sind Urologe? Dann legen wir Ihnen eine Meldung aus dem Mitteilungsblatt der MUI vom 4. Februar 2009 ans Herz: "An der Medizinischen Universität Innsbruck gelangt ab 01.10.2010 die Planstelle einer Professorin/eines Professors für Urologie zur Besetzung." Es handelt sich um die Nachfolge von Georg Bartsch.

Hubert Rehm



Letzte Änderungen: 04.02.2009
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