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Gekaufte Professoren: Ein Ausweg.

Die Hysterie um die hundert möglicherweise von Promotionsfirmen gekauften Professoren und Privatdozenten hält an. Vielleicht ist das Sommerloch noch tiefer als vermutet, vielleicht interessiert dies das breite Publikum auch wirklich. Also noch einmal: Die Vergabe von Doktortiteln an „Unwürdige“ gegen Geld oder anderweitige nicht akademische Leistungen ist ein systeminhärentes Problem der Universität gegen das sie seit ihrer Gründung im Mittelalter vergeblich kämpft.

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(3. September 2009) Falls man das in Deutschland unterbindet oder erschwert wird die Eitelkeit (und das Geld) ins Ausland wandern. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen? Ein Vorschlag zur Güte: Richten wir sogenannte Förderungspromotionen ein. Ein Förderungspromovent finanziert für drei Jahre einen richtigen Doktoranden mit sagen wir einmal 20 000 Euro pro Jahr und erhält dafür zur gleichen Zeit und auf der gleichen Feier wie der Unterstützte einen Doktortitel (wahlweise Dr. fö, Dr. Euro oder Dr. spon benamst). Die Doktorarbeit wird beiden zugeschrieben. Eine solche Einrichtung hätte mehrere Vorteile:

- den professionellen Promotions"vermittlern" wird der Wind aus den Segeln genommen und in die der Universität geleitet.

- Der Dr. spon hätte wirklich etwas für die Wissenschaft geleistet (60 000 Euro sind ja kein Pappenstiel).

- die Kopplung des Dr. spon an den echten Doktor verhindert eine uferlose Vermehrung des Titels.

- Privatdozenten mit ihrem geringen Status hätten es leichter Personalmittel für Doktoranden aufzutreiben. Zudem dürften viele Förderungspromoventen "ihren" Doktoranden auch mit Sachmitteln unterstützen.

- Der Doktorand baut eine enge Beziehung zu seinem Förderungspromoventen auf, die ihm, da es sich beim Förderungspromoventen um eine betuchte Persönlichkeit handelt, im späteren Leben nützlich sein kann.

Auch der Förderungspromovent profitiert. - er kann die Ausgaben von der Steuer absetzen, was sie mindestens halbieren dürfte.

- er kann sich mit einer echten wissenschaftlichen Leistung identifizieren.

- er zahlt nicht mehr gutes Geld für einen zweifelhaften Titel an halbseidene Figuren, sondern erhält einen anerkannten Titel und kann sich mit Recht einbilden, etwas für die Wissenschaft getan zu haben.

Denn der Einwand, der Förderungspromovent hätte wissenschaftlich nichts geleistet, ist zwar formal richtig, trifft aber nicht die Lebenswirklichkeit in der Forschung. Die meisten Lehrstuhlinhaber beispielsweise tragen zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen ihrer Mitarbeiter auch herzlich wenig bei, profitieren aber über die Autorenlisten der Paper dennoch von deren Ruhm. Dies Verhalten ist mindestens so schmierig wie das eines Promotionsvermittlers.



Siegfried Bär


Letzte Änderungen: 04.03.2013

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