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"Das Bachelor-Bashing geht mir auf die Nerven"

Ein Gastbeitrag zu den aktuellen Studentenprotesten von Gerd Klöck, Professor für Bioverfahrenstechnik an der Hochschule Bremen

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Möglicherweise hat es bei der Umsetzung der Reformvorschläge aus Bologna Probleme gegeben, aber das „alte“ Diplomsystem sollte nicht einfach nostalgisch verklärt werden. Der Bachelor kann vielen Studienprogrammen im Gegenteil sogar gut tun. Nehmen wir als Beispiel die Biologie an der Hochschule Bremen. Biologie an einer Fachhochschule, das geht doch gar nicht, erst recht nicht als Bachelor. Was sollen die schon können?

 

Na, zuerst einmal mit dem typisch deutschen  Vorurteil aufräumen, das man von seinem Titel auf den Menschen schließen kann. Nehmen wir die wesentlichen Kritikpunkte am Bachlor einmal auf:

 

# Mit der Mobilität der Studierenden geht es steil bergab.


Mag sein, aber unsere angehenden BiologInnen an der Hochschule Bremen gehen im Bachelorstudiengang verplichtend für ein volles Jahr in Ausland. Dabei können sie Studienort und Land weitgehend frei wählen. Manche bleiben dann gleich in der neuen Heimat und setzen dort ihre Studien erfolgreich fort, machen einen Master oder promovieren. Mobilität kann man nach unserer Erfahrung ohne Probleme in die Bachelor-Studiengänge einbauen, wenn man nur will. An der Hochschule in Bremen gibt es dafür noch viele andere Erfolgsbeispiele.

 

# Viele Bachelor-Studiengänge sind kaum studierbar.


Auch wir haben sicher bei der Umstellung des Studienprogramms vom Diplom auf den Bachelor anfangs eine Menge handwerklicher und auch konzeptioneller Fehler gemacht. Aber aus Fehlern kann man auch lernen. Im engen Dialog mit den Studierenden haben wir die meisten mittlerweile bereinigen können. Es hilft dabei sehr, wenn Hochschullehrer einfach mal mit Studierenden offen reden, und auch auf die Ratschläge von Studierenden hören.

 

# Angesichts der Arbeitsbelastung bleibt im heutigen Studium kaum noch Zeit für anderes.


Das stimmt wohl, war aber auch vor Bologna ein Problem. Hier ist die Forderung der Studierenden nach mehr Stipendien und einer Anpassung des Bafögs nur zu unterstützen. Wir beobachten aber auch, dass die klarere Strukturierung des Bachelor-Studiums es jungen Menschen aus sogenannten bildungsfernen Schichten deutlich leichter macht, sich im Hochschulbetrieb zurecht zu finden.

 

# Die soziale Auslese beim Zugang zur Hochschule nimmt zu.


Mag ebenfalls so sein, aber das wird auch nicht besser, wenn man den Bachelor verteufelt und schlecht redet. Ich muss als Hochschullehrer den Studierenden schon eine finanzielle Perspektive in dem angestrebten Beruf bieten können, sonst ist das Studium gerade für die sozial Schwächeren ein völlig unkalkulierbares Risiko! Ein Kernpunkt der Bolognareform war die Forderung nach der Berufsbefähigung des Bachelors, die von vielen Kollegen immer noch einfach nonchalant abgetan wird: Das ginge doch gar nicht, und besonders nicht in der Biologie. Geht doch! Unsere Bachelor-AbsolventInnen werden von uns auf den Beruf als BiologInnen vorbereitet, und finden, wenn sie wollen, in der Regel in wenigen Wochen nach dem Abschluss auch einen Job in der Wirtschaft. Wenn ich mich mit meinen AbsolventInnen unterhalte, bin ich manchmal fast neidisch auf die spannenden beruflichen Aufgaben, die sie gefunden haben.

 

Also, redet die Bachelor nicht schlecht, das haben sie nicht verdient. Redet lieber mit euren Profs und macht ihnen Beine, ihre Verantwortung gegenüber den Studierenden ernst zu nehmen.


(Dieser Beitrag erscheint zeitgleich in unserem Laborjournal-Blog, wo die Leser ihn über die Kommentar-Funktion diskutieren können).

 

(Foto: iStockphoto / Stockphoto4u)



Letzte Änderungen: 04.03.2013

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