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Buchbesprechung

Diana Maier


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Jürgen Schwörbel & Heinz Brendelberger:
Einführung in die Limnologie.

Taschenbuch: 394 Seiten
Verlag: Springer Spektrum; Auflage: 10., überarb., akt. u. erg. Aufl. 2013 (29. Juli 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3827421535
ISBN-13: 978-3827421531
Preis: 35,00 EUR

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Gewässerkunde im Zwielicht - Klar wie Algenblüte

Vertreter der klassischen Biologie beklagen sich gerne, ihre Disziplinen würden von den Studenten zunehmend links liegen gelassen. Dann muss man sie eben begeistern – zum Beispiel mit spannenden Lehrbüchern!

Im vorliegenden Fall versucht dies der Kieler Gewässerkundler Heinz Brendelberger. Er beschreibt zwei verzichtbare Kapitel lang die Stellung der Limnologie in der Naturwissenschaft und ihre geschichtliche Entwicklung. Erst mit Kapitel 3 steigt er in die Materie ein. Und spätestens da wird dem Leser klar, dass ihm Nichts klar wird.


Foto: Crazydivers Berlin

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Erläutert werden zunächst Wasserkreislauf, Einteilung, Alter und Genese der Binnengewässer; dabei wird nur unzureichend auf die Thematik eingegangen. Die Unterteilung der Seen in beispielsweise Freiwasser- und Bodenzone fehlt komplett beziehungsweise erfolgt erst in späteren Kapiteln. Informationen werden ungeordnet aneinandergereiht, wobei eine fehlende Gliederung in Unterkapitel zusätzlich das Verständnis erschwert.

Darüber hinaus benutzt der Autor viele Fremdwörter, die er erst in späteren Kapiteln erklärt. Will man‘s sofort wissen, so hilft ein Blick ins Glossar erstmal wenig, denn: Auch hier stößt man bei der Erklärung auf Fremdwörter, die man ihrerseits wieder nachschlagen muss... Wer hofft, dass dieses Schema nur auf besagtes Kapitel begrenzt ist, wird enttäuscht. Die folgenden Kapitel gewinnen zwar etwas an Übersichtlichkeit durch das Einführen von Unterkapiteln, aber der Leser fühlt sich weiterhin regelrecht überrannt von Wissen, das auf möglichst kleinem Raum untergebracht ist. Da es keine Kapitelzusammenfassungen gibt, ist es schwer, sich Wichtiges aus dem Text zu ziehen. Für das Textverständnis hilfreich wären ferner mehr verdeutlichende Schaubilder und im Gegenzug weniger eher unwichtige Abbildungen (etwa chemische Strukturformeln).

Hinzu kommen etliche Rechtschreibfehler. Immerhin verleiten Passagen wie

...die Maxima der Strahlungsdurchlässigkeit verschieben sich zum langweiligen Bereich.

noch zum Schmunzeln. Und es stimmt ja auch: Spannendes ist weit und breit nichts zu lesen.

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Kasladen-Effekte im Süßwassertümpel

In diesem verlegerischen Schnellschuss wird der „Primärproduzent“ zum „Pirmärproduzent“ und die „Kaskaden-Effekte“ zu „Kasladen-Effekten“ (bayerische Ökologiestudenten immerhin dürften ihren Spaß haben). Man „unterschiedet“ statt „unterscheidet“, die Tabellen 9.17 und 9.19 werden im Text zu 9.11 und 9.13, und auch die Worttrennung am Zeilenende folgt eigenen Regeln. Der ehrbare Beruf des Lektors scheint bei Springer unbekannt zu sein. Dazu stolpert man ständig über Litera­tur­zitate, welche sich wie langfädrige Algen über gleich mehrere Zeilen ziehen. Man ist gezwungen, an den Anfang des Satzes zurückzukehren, um den roten Faden wiederzufinden. Brendelberger scheint nicht klar zu sein, dass er keinen wissenschaftlichen Fachartikel, sondern für studentische Anfänger schreibt.

Um das Chaos perfekt zu machen, sind Grafiken und Tabellen scheinbar willkürlich über die Seiten verstreut. Auf verwiesene Abbildungen stößt man teilweise erst mehrere Seiten später, oder sie sind so platziert, dass darüber stehende Absätze komplett übersehen werden. Angeblich wurde diese 10. Auflage „gründlich durchgesehen und aktualisiert“ und das Kapitel über die Ökotoxikologie „vollständig überarbeitet“.

Dazu lässt sich nur sagen: Die Angaben in besagtem, knapp acht Seiten langem Kapitel stammen laut Autor zum Großteil aus Fents Ökotoxikologie. Da zwischen der 9. und 10. Auflage acht Jahre liegen, wurde im Schnitt pro Jahr eine Seite dieses Kapitels überarbeitet. Eine beträchtliche Arbeitsleistung fürs „Abschreiben“.

Antike Daten aus den 1970er Jahren

Die erwähnte Aktualisierung ist ein weiteres heikles Thema. Bei der Beschreibung der „Eutrophierung der Gewässer“ sind in einer Tabelle die Quellen der Phosphatbelastung aufgelistet. Hier findet der Leser Werte aus den 1970er und 80er Jahren. Das, obwohl die Eutrophierung zu den „aktualisierten“ Abschnitten gehört. Ein weiteres Beispiel ist die „Gewässerversauerung“, bei der Emissionen aus dem Jahr 1979 angegeben werden. Das Buch ist überfüllt mit solch antiken Daten. Des Weiteren soll der Leser ein „umfangreiches Kapitel“ über die „angewandte Limnologie und ihre aktuellen Probleme“ vorfinden. Jedoch wird bei der Abwasserreinigung nicht einmal auf die bestehende Belastung mit Spurenstoffen, wie Medikamenten, eingegangen, und neue Technologien wie Aktivkohle oder Ozonierung werden überhaupt nicht erwähnt.

Positives? Nur wenig: Das Unterkapitel über Fließgewässer ist gelungen. Anschaulich ist auch das Kapitel über Produktion, Konsumption und Destruktion. Grund hier­für dürfte sein, dass sich Brendelberger beruflich mit „Trophischen Interaktionen im Plankton und Benthos stehender und fließender Gewässer“ befasst.

Fazit: Dieses Buch scheint in höchster Eile geschrieben und herausgebracht worden zu sein. Es ist vollgestopft, veraltet, lieblos und unübersichtlich.




Letzte Änderungen: 07.04.2014


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