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Buchbesprechung

Larissa Tetsch

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Carl M. Cohen und Suzanne L. Cohen:
Lab Dynamics:
Management and Leadership Skills for Scientists
Verlag: Cold Spring Harbor Laboratory Press (2018)
Sprache: Englisch, 361 Seiten
ISBN-13: 978-1621823155
ISBN-10: 1621823156
Preis: 55,20 US-Dollar (Hardcover), 42,09 US-Dollar (E-Book)

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Richtig führen

(11.03.2020) An der Uni zählt längst nicht mehr nur Fachwissen. Wie man sich selbst und andere managt, zeigt dieses umfangreiche Handbuch anhand vieler praktischer Beispiele.

Führungsqualitäten werden auch an der Hochschule immer wichtiger. Längst zählt nicht mehr nur die fachliche Expertise, Fachgruppenleiter müssen darüber hinaus über Soft Skills verfügen und Leadership Skills nachweisen. Das ist gut so, denn Studenten und Doktoranden können nur erfolgreich arbeiten, wenn sie „von oben“ die richtige Unterstützung erhalten. Was man dabei alles falsch und vor allem, wie man es richtig machen kann, haben die Amerikaner Carl und Suzanne Cohen in ihrem umfangreichen Handbuch „Lab Dynamics“ zusammengetragen.

Vor 15 Jahren mit 177 Seiten auf den Markt gekommen, hat sich dieses bis zur 2018 erschienenen 3. Auflage im Umfang verdoppelt. Neu ist unter anderem ein Kapitel zur Einstellung von Mitarbeitern – laut den Cohens auf vielfachen Wunsch von Lesern aufgenommen. Offensichtlich tun sich viele Arbeitsgruppenleiter schwer damit, die richtigen Doktoranden und Postdocs auszuwählen, was übrigens auch andersherum gilt und in einem anderen Kapitel thematisiert wird. Die beiden Referenten kommen aus verschiedenen Fachdisziplinen, was dem Buch tatsächlich anzumerken ist. Vertritt Carl Cohen als Mediziner mehr die Sichtweise der Forscher, bringt seine Frau ihre Expertise als Psychologin immer da ein, wo Verhaltensweisen von Menschen am Arbeitsplatz analysiert werden. Heute arbeiten beide gemeinsam bei der Berater-Firma Science Management Associates, die sich dem Coaching der „biomedizinischen Forschergemeinschaft“ verschrieben haben.

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Kommunikation ist alles

Wie der Untertitel andeutet, ist das Buch weniger für Studenten, sondern vielmehr für Wissenschaftler gedacht, die bereits „führen“ müssen. Da Doktoranden durchaus schon Studenten betreuen, eignet sich die Lektüre auch für sie – selbst wenn sie sich selbst noch nicht als Führungskräfte sehen. Für sie sind auch andere Themen interessant wie Strategien zur Vermeidung von Konflikten mit Kollegen oder dem Chef. Überraschenderweise gibt es ein eigenes Kapitel für Nicht-Wissenschaftler, die mit Wissenschaftlern zusammenarbeiten, sowie für den Umgang mit einem Chef, der selbst kein Wissenschaftler ist. Es scheint, dass hier die Kommunikation oft hapert und Missverständnisse programmiert sind, etwa im Hinblick auf die Planbarkeit von Ergebnissen.

Praxisnah durch Beispiele

Lab Dynamics“ macht deutlich, dass überall dort Konfliktpotenzial lauert, wo Menschen kooperieren müssen. Ob Wissenschaftler tatsächlich schwieriger im Umgang sind, weil sie sich mehr auf Experimente konzentrieren als auf zwischenmenschliche Beziehungen, wie das Ehepaar Cohen postuliert, sei dahingestellt. Davon unabhängig wird sich aber jeder, der Team-Meetings leiten muss, über Tipps freuen, wie er Querulanten, Nörgler und Egomanen wirksam ausbremsen kann. Nützliche Hilfestellung gibt es außerdem zur Frage, wie man richtig verhandelt und konstruktiv Feedback gibt. Ein weiteres Kapitel thematisiert den Übergang von der Uni in die Industrie, der einiges an Umstellung mit sich bringt. Plötzlich gehören dem Forscher die eigenen Ergebnisse nicht mehr, sein Projekt kann überraschend eingestellt werden. Gut, wenn man darauf vorbereitet ist!

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Zwar ist „Lab Dynamics“ sehr textlastig, sodass man kaum etwas im „Vorbeigehen“ entnehmen kann. Lässt man sich aber auf einzelne Kapitel ein, wird man mit vielen neuen Einsichten belohnt. Am Beginn jedes Kapitels befindet sich ein kurzes Inhaltsverzeichnis; am Ende eine Zusammenfassung. Anschließend folgen einige Seiten mit Übungen, um das Gelernte gleich praktisch umzusetzen. Zum Teil lassen sich diese auch für Rollenspiele der Gruppe nutzen. Der Haupttext ist voll von fiktiven und realen Fallbeispielen, Interviewabschriften und Ähnlichem, um schnell von der Theorie in die Praxis zu kommen. Zwischendurch gibt es immer wieder prägnant formulierte und farblich abgesetzte Verhaltensregeln, die sich auf jeden Lebensbereich übertragen lassen. Abgerundet wird das Werk durch ein kommentiertes Verzeichnis von hilfreichen Büchern, Internetseiten und Empfehlungen für Kurse und Workshops (allerdings nur in den USA) sowie einem sehr ausführlichen Stichwortverzeichnis.

Lab Dynamics“ ist ein Handbuch. Genau deshalb wird man das Werk wohl kaum in einem Rutsch und vielleicht sogar niemals ganz lesen, dafür aber immer wieder mal zur Hand nehmen. Wer sich darauf einlässt, lernt viel über andere, aber noch mehr über sich selbst.



Letzte Änderungen: 11.03.2020


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