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Die üppigen Früchte des Naheliegenden

Was können Zitationsvergleiche ... nicht unbedingt?



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Eschl war Chemiker irgendwo im Mittel-bau eines Max-Planck-Instituts und er hatte einen Verdacht. Seit ein paar Tagen schaute er sich immer wieder die Struktur des Wirkstoffs Maltofusan an. Eigentlich ein alter Hut, schon seit über zehn Jahren setzte man ihn in der Krebsbehandlung ein.

Doch das war es nicht, was Eschl im Kopf herumspuckte. Vor ein paar Wochen war er bei seinem Forscherfreund, dem Parasitologen Helms. Und der zeigte ihm die Strukturen einiger Enzyme aus dem spezifischen Stoffwechselgeschehen eines Parasiten - eines dieser typischen Unholde, die vor allem in der Dritten Welt viel Unheil anrichten. Knapp vier Millionen Menschen sind dort befallen, unbehandelt sterben die meisten.

Der Zufall brachte ihm Tage später die Maltofusan-Struktur auf den Tisch - und sofort hatte Eschl das untrügliche Chemiker-Gefühl, dass Maltofusan zu einem der essentiellen Parasitenenzyme genau passte. Und er hatte recht. Die In vitro-Tests klappten, und einige Wochen später konnte er zusammen mit dem Kollegen Winke aus der Biologie sogar befallene Mäuse heilen. Veröffentlichen konnte er die ganze Sache indes nur einem mittelmäßigen Journal. In ein Chemikerblatt passte es nicht gut, und in medizinischen Zeitschriften haben´s Chemiker eben schwer.
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Dennoch, das Paper wurde natürlich bemerkt. Am schnellsten reagierte Stecher, einer der Infektiologen-Päbste. Instinktsicher nahm er sich des Projektes an und organisierte sofort das Naheliegende. Innerhalb kürzester Zeit hatte er sein mächtiges internationales Netzwerk aktiviert und eine große klinische Studie am Menschen angeleiert. Das Resultat übertraf alle Erwartungen: Maltofusan heilte 95 Prozent der infizierten Testpersonen.

Stecher publizierte die Ergebnisse mit seinen 78 Netzwerk-Kollegen in Nature Medicine, es war auf Jahre eines der meistzitierten medizinischen Paper. Chemiker Eschl hingegen, der die Idee hatte, zitierte kaum noch einer.




Letzte Änderungen: 08.09.2004


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