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Was können Zitationsvergleiche ... nicht unbedingt?



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20 Jahre waren es bald, die Badguy nun Herausgeber von Molecular Biochemistry war. Eine Zeit, in der er viele Veränderungen erlebte. Vor allem in den letzten Jahren.

Lange war der "Chief Editor" ein ungeheuer befriedigender Job gewesen. Immerhin war Molecular Biochemistry die offizielle Zeitschrift der größten biochemischen Fachgesellschaft der Welt – und vielen galt sie auch als die beste. Klar dass auch Badguy selbst im Licht der Zeitschrift erstrahlte, war er damit doch unzweifelhaft ein wichtiger und mächtiger Mann in der Szene.

Lange konnte er dieses Gefühl genießen – bis die Journal Impact Faktoren aufkamen. Und die bereiteten ihm eine herbe Überraschung: Molecular Biochemistry war in der Kategorie "Biochemie und Molekularbiologie" völlig unerwartet nur auf Platz sechs. Fünf Journals hatten bessere Impact Faktoren. Und was das Schlimmste war: Auf Platz eins rangierte mit dem European Journal of Molecular Biochemistry ausgerechnet das Organ der konkurrierenden europäischen Fachgesellschaft.

Doch Badguy konnte nicht nur genießen, er konnte auch anpacken. Schnell wusste er bescheid, wie die Impact Faktoren berechnet wurden – und bald hatte er auch einige Schwachstellen ausgekundschaftet, die er auf dem Weg zu einem besseren Faktor gnadenlos auszuschlachten gedachte.


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Fallstudien und Essays bringen im Schnitt bei weitem nicht soviele Zitierungen wie Originalarbeiten und "Technical Reports", hatte Badguy schnell herausgefunden. Zwar brachte Molecular Biochemistry keine Fallstudien, dafür aber vier Essays pro Heft. So schön diese in der Regel waren, Badguy würde sie streichen und statt dessen mehr "Technical Reports" aufnehmen. Oder besser noch: Die Zahl der Reviews pro Heft von bisher 2 auf 6 anheben, denn die bringen noch mehr Zitierungen.

Ebenso hatte Badguy spitz bekommen, dass die Zahl der Zitierungen in etwa proportional zu der Länge der einzelnen Artikel ist. Er würde also die "Short Communications" rausschmeißen und für die Artikel mehr Text – und damit zitierbaren "Content" – verlangen. Seine einfache Rechnung: Weniger, aber längere Artikel, die zugleich jeder für sich häufiger zitiert werden – damit müsste der Impact Faktor sofort einen Sprung machen.

Badguy blieb auch nicht verborgen, dass die "Herren der Impact Faktoren" nur Artikel, Reviews und "Notes" für die Gesamtzahl der Artikel eines Journals berücksichtigten – "citable items" nannten sie diese. Meeting Reports, Editorials und Correspondence-Briefe dagegen zählten sie nicht, obwohl deren Zitierungen wiederum in den Impact Faktor eingingen. Eigentlich nicht zu verstehen, für Badguy war aber klar: Möglichst viele Meeting Reports, eine große "Correspondence"-Rubrik und knackige Editorials – das bringt noch mal zusätzlichen Schub.

Und dann hatte Badguy noch eine besondere Idee: Zweimal im Jahr wollte er eine Nomenklatur-Konferenz einberufen, deren Ergebnisse natürlich umgehend in Molecular Biochemistry erscheinen würden. Die bringen, das ist bekannt, wahnsinnig viele Zitierungen, da sämtliche nachfolgenden Originalarbeiten im betreffenden Feld diese zitieren müssen.

Schnell hatte Badguy also ein feines "Maßnahmenbündel" geschnürt. Der "Umbau" würde zwar noch ein kleine Weile dauern. Aber dann wollte Badguy doch mal sehen, ob er dieses European Journal of Molecular Biochemistry nicht doch...




Letzte Änderungen: 08.09.2004


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