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Neues vom Thermoblock

Erlebnisse einer TA (146)

Maike Ruprecht


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Produktives Pipettieren von 1 bis 384 Kanälen mehr

Die TA

Die Werkstatt hat ein Paket zurückgeschickt. Beim ersten Blick hinein weiß ich Bescheid.

Ich könnte den Deckel einfach wieder schließen und die Kiste mit dem Thermoblock wieder in den Keller bringen. Da ich darauf aber absolut keine Lust habe, packe ich das Gerät dennoch aus und stelle es an seinen angestammten Platz.

„Funktioniert er wieder?“, erkundigt sich mein Kollege erfreut.

Ich halte wortlos das nagelneue Kabel hoch. Er versteht und verfolgt gespannt mein weiteres Vorgehen.

Das laute Piepsen, das gleich darauf durch das Labor tönt, bringt die Gewissheit: Auch bei diesem Kabel fehlt der entscheidende Mikrometer, dessen Überbrückung das Gerät von seiner SEA (Spontane elektronische Amnesie) kurieren könnte. (Die entsprechende Vorgeschichte steht im letzten Heft auf Seite 25 - Link.)

„Wir schicken ihn besser nicht nochmal in die Werkstatt, unsere Kabelkiste ist voll“, stellt mein Kollege fest und widmet sich wieder seinen Proben.

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„Läuft doch!“

Ein Masterstudent aus dem Nachbarlabor kommt herein.

„Ist bei euch die nächste halbe Stunde ein Thermoblock frei?“ Ich blicke von meinem Monitor auf.

„Ja, aber der ist ein bisschen zickig.“

„Macht nichts, ich kann gut mit Thermoblöcken.“

Er schaltet den problembeladenen Thermoblock ein, reguliert die Temperatur und geht wieder raus.

Kaum ist die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, piepst der Thermoblock. Mein Kollege gibt dem Gerät einen genervten Klaps, stellt die Temperatur neu ein und macht sich mit seinen Proben schleunigst in Richtung Sterilbänke davon.

Kurz darauf betritt der Master wieder die Szene. Er wirft einen prüfenden Blick auf das Display und wirft mir ein freudiges „Läuft doch!“ zu. Lächelnd platziert er seine Proben in den nun beheizten Vertiefungen und geht.

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Was nun?

Einerseits habe ich keine Lust, in den kommenden dreißig Minuten ständig von meiner Tabelle aufzuspringen, um das Gerät zur Räson zu bringen. Aber den Master desillusionieren? Seinen Glauben an seine technischen Fähigkeiten zerstören? Das kann ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Und weil Sitzen ja des Teufels neuestes Hobby ist, stehe ich tatsächlich in den nächsten dreißig Minuten dreimal auf. Durch wiederholtes Draufschlagen und Neueinstellen gelingt es mir, den Thermoblock auf der eingestellten Temperatur zu halten, bis der Master zurückkehrt.

„Na, bitte!“, verkündet er triumphierend nach einem Blick auf das Display. Ich stehe zum vierten Mal auf und trete hinzu. „Du hast wirklich einen guten Draht zu Thermoblöcken“, bestärke ich seinen Enthusiasmus. Er nimmt seine Eppis und geht hochzufrieden nach nebenan. In mir allerdings regt sich ein Hauch von Zweifel. War es richtig, den Master so zu täuschen? War mein Handeln nun unklug, kollegial oder verlogen? Wie oft soll ich so einen heldenhaften Geheim-TA-Einsatz in Zukunft abziehen?

Über all diese Fragen werde ich sorgfältig nachdenken, während ich den fehlerhaften Thermoblock ins Depot für Elektroschrott bringe und einen neuen bestelle.



Letzte Änderungen: 10.05.2021


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