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„Wir haben sehr viel Arbeit hineingesteckt“

(17.03.2020) Nikolaus Rajewsky vertraut trotz Absage des Flagship-Programms weiterhin darauf, dass die EU das „Mega-Projekt“ LifeTime fördern wird.
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Im letzten Jahr kappte die EU überraschend die weitere Milliarden-Förderung im Rahmen ihres Flagship-Programms. Eines der europaweiten Großforschungs­projekte, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich in die Endausscheidung vorgearbeitet hatten, war LifeTime. Wir sprachen mit Nikolaus Ra­jewsky vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin, einem der beiden LifeTime-Koordinatoren, ob und wie es mit dem Projekt jetzt weitergeht.

Laborjournal: LifeTime gehörte zu den sechs Projekten in der letzten Entscheidungsrunde des EU-Flagship-Programms. Sie lagen hier gut im Rennen, sagen Sie. Worum geht es bei diesem Projekt?
Nikolaus Rajewsky: Wir sind eine Community von knapp hundert Forschungs­institutionen und über achtzig Firmen aus fast allen europäischen Ländern – und wir haben eine große Vision. Wir wollen die neuen Technologien zur Single-Cell-Multi-Omics, die ja in den Lebens­wissenschaften gerade alles verändern, mit künstlicher Intelligenz und personalisierten Krankheits­modellen wie Organoiden aus Patientenzellen kombinieren. Ziel ist es, die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten molekular ganz genau zu verstehen, um die Erkrankungen bereits frühestmöglich erkennen und somit behandeln zu können, bevor sie sich voll entwickelt haben. Der medizinische Ausdruck für diesen fundamental neuen Ansatz ist Disease Interception.

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Wissen Sie eigentlich, warum die EU das Flagship-Programm jetzt plötzlich beendet hat?
Rajewsky: Diese Projekte liefen jeweils zehn Jahre. Die jahrelange Festlegung der Budgets war politisch anscheinend nicht mehr gewollt. Was ich schade finde! Denn mit kurzfristig angelegten Projekten können wir immer nur kleine Schritte machen. Wir können nicht die Infrastruktur bilden und die kritische Masse erzeugen, die nötig sind, um wirklich größere Fortschritte zu erreichen.

Wie soll LifeTime nach dem Untergang des Flagship-Programms jetzt weitergehen?
Rajewsky: Oh, wir sind eine sehr lebendige Community. Wir hatten von der EU eine Million Euro bekommen, um eine Roadmap zu erarbeiten. Das haben wir auch getan. Quasi als Nebenprodukte sind dabei verschiedene Whitepaper und Artikel entstanden, die wir noch in diesem Sommer veröffentlichen werden. Wir sind in Verhandlungen mit verschiedenen Top-Journals, um eine Übersicht und weitere detaillierte Unterthemen zu publizieren.

Und die EU soll LifeTime auch ohne Flagship vom Stapel lassen?
Rajewsky: Ja, unbedingt! Wir haben sehr, sehr viel Arbeit hineingesteckt und nicht nur unter Wissenschaftlern diskutiert, sondern auch mit verschiedenen Abteilungen der Europäischen Kommission sowie mit Vertretern des Europäischen Parlaments und der nationalen Förder­organisationen gesprochen. Letztere sollen schließlich – so war es schon im Flagship-Programm vorgesehen – fünfzig Prozent der Kosten übernehmen. Das Ergebnis ist unsere Roadmap, an der ein hochkarätiges Team von Wissenschaftlern und Klinikern mitgearbeitet hat. Tatsächlich macht es mich unheimlich stolz, in LifeTime mit so vielen ausgezeichneten Leuten zusammenzuarbeiten. Tja, und jetzt geht es in die heiße Phase: Wir wollen mit Brüssel verhandeln, ob und wie unsere Roadmap umgesetzt werden kann. Wir haben in dem Papier nicht nur das Konzept und dessen technische Umsetzung umfassend dargestellt, sondern wir machen auch konkrete Vorschläge, wie die EU Geld aufwenden sollte, um diese Vision verwirklichen zu können. Ich kann natürlich nicht sagen, was da passieren wird – aber die Signale, die wir bekommen, sind eigentlich sehr ermutigend. Die Europäische Kommission sieht, dass LifeTime eine einzigartige Chance für Europa ist, die Medizin von morgen zu gestalten.

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Nun gibt es ja neue EU-Kommissare. Müssen Sie denen jetzt nochmals erklären, was Sie vorhaben?
Rajewsky: Ja, wir haben durch die Neubesetzungen mehr Arbeit, denn Brüssel ordnet sich gerade um. Aber ich sehe das auch als Chance.

Um wie viel Geld geht es bei LifeTime eigentlich?
Rajewsky: Die Flagships erhielten früher je eine Milliarde für zehn Jahre – und das halte ich für eine vernünftige Größenordnung, mit der man viel schaffen kann. Das klingt zwar nach sehr, sehr viel Geld. Aber davon soll die Hälfte aus nationalen Fördermitteln kommen, also jeweils jährlich fünfzig Millionen von der EU und ebenso viel von allen beteiligten Nationen.

Was machen Sie mit LifeTime, wenn es keine EU-Förderung bekommt?
Rajewsky: Wir – und damit meine ich eine große Zahl europäischer Spitzenforscherinnen und Spitzenforscher – haben so hart gearbeitet, wie wir konnten, und werden dies auch weiterhin tun. Unsere Roadmap, entstanden in stetigem konstruktiven Austausch mit fast allen relevanten europäischen Gremien und Organisationen, ist gut und visionär geworden. Und ich finde, darauf kann Europa, inklusive der „Policy Makers“, stolz sein. Also schauen wir jetzt einmal mutig und zuversichtlich in die Zukunft. Und vertrauen mal ein wenig auf die Politik.

Die Fragen stellte Karin Hollricher

Dieses Interview wurde für unsere Webseite stark gekürzt. Lesen Sie das komplette Interview in unserem aktuellen Heft (LJ 3/2020)!

Foto: MDC/D. Ausserhofer



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Letzte Änderungen: 17.03.2020

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