Info

LJ-Rätsel: Der Büchleinkatalytiker

(15.12.2020) Seine Vorlesung war Zündfunke, die Biologie grundlegend zu verändern. Als es passierte, hatte unser Gesuchter dem Feld bereits den Rücken gekehrt.
editorial_bild

Info

Info

Ist Ihr Labor fit für die Zukunft? Prof. Angerer erklärt die Voraussetzungen und Potentiale in 15 Minuten. mehr

Es war eines der dunkelsten Jahre der jüngeren Welt­geschichte, als ein gebürtiger Wiener an demselben Ort, an dem Bram Stoker und Oscar Wilde ihre Studien­abschlüsse machten, eine Vorlesung hielt, die bald darauf hohe Wellen in der Wissen­schaft schlagen sollte. An drei Freitagen nach­einander sprach der berühmte Physiker vor jeweils 400 Zuhörern inklusive des Premier­ministers allerdings nicht über sein eigenes Fach. Vielmehr stürzte er sich mit dem Titel seines Vortrags völlig unbe­scheiden in die Kernfrage der Biologie schlechthin.

Die Wirren am Vorabend des Zweiten Weltkriegs hatten ihn an diesen Ort gebracht. Im Ersten Weltkrieg hatte er unmittelbar nach seiner Habili­tation im Wiener Physika­lischen Institut noch selbst kämpfen müssen; danach landete er über Berufungen nach Jena, Stuttgart und Breslau schließlich auf einem Lehrstuhl, den vor ihm bereits Albert Einstein und Max von Laue inne­hatten. Drei Jahre später trat er endgültig in deren Fußstapfen, als er während eines Ferien­aufenthalts in den Schweizer Alpen die nach ihm benannte Gleichung ersann und damit ein gänzlich neues Feld seiner Disziplin eröffnete. Nochmals zwei Jahre darauf über­nahm er als Nachfolger von Max Planck dessen Lehrstuhl an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität. Mit Hitlers Macht­ergreifung sah er sich jedoch genötigt, auch dort wieder seine Koffer zu packen – und erfuhr schließlich Aufnahme an einem Edel-College in Oxford. Dort war er gerade ange­kommen, als er den berühmt-berüch­tigten Anruf aus Stockholm erhielt ...

Info

Info

Info

So einfach, flexibel und skalierbar sind die modularen NEBNext UltraII Kits für Ihre Illumina NGS Library Prep mehr

Drei Jahre später wechselte der Hoch­geehrte zurück in sein Heimat­land nach Graz, doch bald nach Österreichs Anschluss an das Dritte Reich wurde er dort wieder entlassen. Daraufhin verließ unser Gesuchter endgültig den „Dunstkreis“ des deutschen National­sozialismus – und nahm mehr als ein Jahr später an dem Ort, an dem er die erwähnte Vorlesung halten sollte, seine Arbeit an einem frisch gegründeten Institute for Advanced Studies auf.

Aufgrund dieses Hinter­grunds waren viele überrascht, als er sich mit dem Titel seiner Vorlesung derart weit über die Grenzen seines Fachs hinaus­wagte. Folge­richtig bekannte er also zu Beginn seines Vortrags: „Einige von uns [müssen] sich schließlich an die Zusammen­schau von Tatsachen und Theorien wagen, auch wenn ihr Wissen teilweise aus zweiter Hand stammt und unvoll­ständig ist – und sie Gefahr laufen, sich lächerlich zu machen. So viel zu meiner Entschuldigung.“

Mit diesen Worten schließt auch die Einleitung des knapp hundert Seiten starken Büchleins, in dem die kurze Vortrags­reihe einige Monate später abgedruckt erschien. Die enorme Bedeutung dieses Büchleins sollte sich jedoch paradoxer­weise weniger wegen seines Inhalts manifestieren, als vielmehr durch seine phäno­menale Wirkung. Viele der Inhalte wurden von den wahren Experten des Fachs umgehend kritisiert – und sollten sich in der Folgezeit auch tatsächlich als fehlerhaft erweisen. Aber nicht alle!

Info

Info

Info

Wichtiger war indes, dass unser Gesuchter mit dem Büchlein schlicht­weg die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellte. Insbesondere wurde es von einer ganzen Generation junger Physiker geradezu verschlungen, die der jahzehnte­langen kriegs­bedingten Militär­forschung ihrer Disziplin über­drüssig war. Und so machten diese Unzu­friedenen sich horden­weise auf, um daraufhin den Biologen die Entschlüs­selung der Mechanismen der Genetik weitgehend aus der Hand zu nehmen – und damit ihrerseits die neue Disziplin der Molekular­biologie zu begründen.

Die geradezu katalytische Bedeutung des Büchleins für diesen Prozess wird unter anderem durch eine kleine Anekdote doku­mentiert, die sich etwa neun Jahre nach dessen Erscheinen zutrug. Unser Gesuchter erhielt den Sonder­druck einer Arbeit, die sich schon bald darauf als epochal erweisen sollte. Im Begleitbrief schwärmte ihm einer der beiden Autoren – eben einer dieser jungen Physiker – vor, wie stark dessen Büchlein ihn selbst und seinen Co-Autoren, einen ausge­bildeten Vogel­kundler, beein­flusst habe. „Es sieht so aus, als ob Ihr Ausdruck vom ‚aperiodischen Kristall‘ sich als ungemein treffend erweisen wird“, schrieb er weiter – und meinte damit, dass die in ihrer Arbeit gezeigte molekulare Struktur direkt bestätigt habe, was jener in Vorlesung und Buch prinzipiell voraus­gesagt hatte.

Unser Gesuchter antwortete jedoch nicht. Auch später, als die Code-Steuerung des Zell­geschehens, die er gleichfalls prinzipiell umrissen hatte, ebenfalls bestätigt wurde, blieb er – mittlerweile wieder zurück in Wien – still. Der Grund war, dass seine eigenen Erwar­tungen an das Thema bereits zuvor enttäuscht worden waren. Er hatte vermutet, dass sich hinter diesen elemen­tarsten Vorgängen aller Zellen völlig neue Prinzipien verbergen, die Physik und Chemie alleine nicht erklären können. Als er sah, dass er damit falsch lag, zog er sich umgehend aus dem Thema wieder zurück ...

Wie lauten der Titel des Büchleins sowie der Name des Autors, der ansonsten auch gerne noch mit einem samt­pfötigen Haustier in Zusammenhang gebracht wird?

Ralf Neumann

Na, wer ist‘s? Mailen Sie den gesuchten Namen und Titel samt Ihrer Adresse an: redaktion(at)laborjournal.de. Wir verlosen zwei Laborjournal-T-Shirts..

Bild: Pixabay/Anemone123



Letzte Änderungen: 15.12.2020

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie unsere Website benutzen, stimmen Sie damit unserer Nutzung von Cookies zu. Zur ausführlichen Datenschutzinformation