Info

Wieso, weshalb, warum?

(12.1.2015) Praktikanten bringen Abwechslung in den Arbeitstrott unserer (anderen) TA. Plötzlich hinterfragt man Dinge, die bislang unter dem Motto „So ist das eben“ abgelegt waren.
Info
editorial_bild

Am ersten Praktikumstag beginnen wir mit ein paar einfachen Aufwärmübungen. Platten gießen und PCR ansetzen. Für den ersten Punkt brauchen wir unter anderem Agar.

Agar ist ein Polysaccharid, das aus Algen gewonnen wird. Sobald das Medium in den Petrischalen abkühlt, wird es durch den gelierenden Agar verfestigt. Das machen die Veganer mit ihrem Wackelpudding auch so“, doziere ich beim Einwiegen der Ingredienzien.

Mein Praktikant nickt gelehrig.

Für den zweiten Punkt auf der Liste gießen wir ein Agarosegel. „Agarose ist ein Polysaccharid, das aus Algen gewonnen wird...“, erkläre ich.

Mein Praktikant nickt nicht.

Info

ANZEIGE

Info

Kommen Sie mit auf eine virtuelle Reise durch das Labor und betrachten Sie es aus ganz neuen Blickwinkeln! mehr

Da erst wird mir die Gleichartigkeit meiner Ausführungen bewusst. Ihm leider auch. „Aber was ist dann der Unterschied zwischen Agar und Agarose? Weshalb nehmen wir diesmal keinen Agar?“, begehrt er zu wissen.

Oha! Die gute Nachricht ist, er hört mir zu und denkt mit. Die schlechte, ich weiss es nicht wirklich. Die Antwort: Agarose ist teurer! kann allenfalls ein Teil der Wahrheit sein und würde gewiss weitere Fragen nach sich ziehen, zum Beispiel ein begreifliches Warum?. Dass Agar für Nährmedien und Agarose für Nukleinsäure-Gele eingesetzt wird, scheint mir ebenfalls eine unzureichende Erklärung zu sein. Das hat er ja selbst schon bemerkt. Damit hat das ganze Dilemma schließlich angefangen.

Doch der Lehrling darf mich nicht gleich am ersten Tag für unwissend halten, soll ich doch für die kommenden zwei Wochen sein Meister Yoda sein.

Das erkläre ich dir später. Gieß erst mal das Gel, bevor die Agarose fest wird“, ziehe ich mich elegant aus der Affäre. Sobald das getan ist, schicke ich meinen Skywalker zum Wasser holen in den Flur und gebe die Frage an meine Backbordkollegin weiter. Sie blickt verwirrt. „Weiß ich auch nicht.“ Oha! Die gute Nachricht ist, ich bin nicht die einzige Unwissende. Die schlechte, der Praktikant kommt zurück. Unter dem Vorwand, die Kollegin bräuchte ebenfalls Wasser, schicken wir ihn erneut vor die Tür, dann konsultiere ich schnell das Internet.

Als wir später das Agarosegel auf dem UV-Schirm platzieren, gebe ich mein aufgefrischtes Wissen an meinen Zögling weiter. „Ach ja, du wolltest wissen, was der Unterschied zwischen Agar und Agarose ist. Agarose ist der Hauptbestandteil des Agars, gewissermaßen sein Klebezucker. Worauf übrigens auch die Endung hinweist. Alle Zucker enden auf –ose.“ Genial! Gleich noch chemisches Grundwissen eingestreut. Wieso fällt mir dieser –ose Zusammenhang erst jetzt auf? Egal, mein mentorischer Auftrag ist noch nicht gänzlich erfüllt.

Im Reinzustand enthält Agarose sehr viel weniger negative Ladungen als der grobe Agar. Weshalb man die ebenfalls negativ geladenen Nukleinsäuren nur in Agarose gut auftrennen kann“, beende ich meine Ausführung.

Er nickt. Ich bin stolz.

Gelernt haben wir beide etwas.

 

Maike Ruprecht



Letzte Änderungen: 17.02.2015