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Mollis und Ökos - Korrigierte Fassung

Publikationsvergleich 1997-99: Pflanzenforscher
von Ralf Neumann, Laborjournal 4/2001


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Nicht nur molekulare Pflanzenforscher wurden viel zitiert – auch ökologische Themen erregten Aufmerksamkeit.


Die Max-Planck-Gesellschaft hatte offenbar einen guten Riecher. Oder sie hat Zitieranalysen betrieben. Oder beides. Jedenfalls berief sie im August letzten Jahres denjenigen Pflanzenforscher zum Direktor an ihrem Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm, dessen Arbeiten der Jahre 1997 bis 99 unter allen in Deutschland oder der Schweiz tätigen Pflanzenforschern am häufigsten zitiert wurden: den Engländer Mark Stitt, bis dahin Professor am Institut für Botanik an der Uni Heidelberg.

Der bedankte sich artig und relativierte sofort: Danke für die nette Überraschung“, schrieb er, - allerdings befürchte ich, am Ende bedeutet das nur, dass Euer System Zitierungen auszuwerten mich stärker begünstigte als andere Kollegen.“ Britisches Understatement? Zitate sind schließlich Zitate. Und da profitierte Stitt unter anderem von einer sehr fruchtbaren Kooperation mit dem Team um Michel Caboche am INRA in Versailles über Nitratinduzierte Genexpression: Drei Paper schrieben die beiden Gruppen darüber zwischen 1997 und 99, 119mal wurden sie bis heute zitiert; zwei davon waren Stitts bestzitierte dieses Zeitraums.


Top-Paper in FEBS-Letters

Der zweitplatzierte, Hartmut Lichtenthaler vom Botanischen Institut der Uni Karlsruhe, scheffelte indes mit einem einzigen Paper mehr Zitierungen als die gesamte Stitt-Caboche-Kooperation: 143mal wurde sein Top-Paper aus dem Jahre 1997 zitiert, die meisten Zitierungen überhaupt für ein Originalpaper aus einem Pflanzenlabor Deutschlands oder der Schweiz. Und dieses steht nicht etwa in Nature, Science oder Cell – nein, in den FEBS-Letters. Lichtenthaler, der im April diesen Jahres emeritiert wurde, publizierte darin zusammen mit organischen Chemikern aus Straßburg und Darmstadt einen echten Coup: Einen neuen Syntheseweg für Isoprenoide. Nicht nur über den bereits bekannten cytoplasmatischen Acetat-Mevalonatweg, sondern in den Chloroplasten auch über Triosephosphat und Pyruvat (DOXP-Weg) basteln sich höhere Pflanzen diese vielseitigen Schlüsselsubstanzen ihres Stoffwechsels. Klar, dass seine beiden Reviews darüber mit Platz zwei und drei ebenfalls weit oben landeten. Lediglich ein Überblicksartikel der beiden Hallenser Claus Wasternack und Benno Parthier über Jasmonat-gesteuerte Genexpression erregte mit 104 Zitierungen mehr Resonanz bei den Kollegen weltweit.


Top-Thema Pathogenabwehr

Doch zurück zu den Originalartikeln. Neben Lichtenthalers Spitzenpaper rangiert auf Platz drei der Ulmer Axel Brennicke mit seinen Leuten – Thema seines Nature Genetics-Artikels: die Entschlüsselung des mitochondrialen Genoms von Arabidopsis. Die übrigen drei unter den Top Five“ berichten samt und sonders über Mechanismen der pflanzlichen Pathogenabwehr. Offenbar gerade ein Top-Thema der Pflanzenforschung, auch wenn nur zwei ausgewiesene Pflanzenabwehr-Forscher unter den ersten zehn Köpfen“ auftauchen: Paul Schulze-Lefert, seit kurzem Direktor am Kölner MPI für Züchtungsforschung, auf Platz 4, sowie Dierck Scheel vom Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle auf 8.

Auch der Drittplatzierte, Thomas Boller vom Botanischen Institut der Universität Basel, publiziert viel über Pflanzenabwehr – aber nicht nur. Das meistzitierte Paper 1997-99 seiner Gruppe beschreibt zum Beispiel die Abhängigkeit der Pflanzendiversität innerhalb bestimmter Ökosysteme von der Pilzvielfalt in der Erde.

Überhaupt halten sich Forscher, die auch oder gar nur ökologischen Fragen nachgehen, überraschend gut neben den eindeutig favorisierten Molekularbiologen. Der beste reine“ Pflanzenökologe, Bollers Institutskollege Christian Körner, erklomm immerhin Platz 10 – vor solchen Größen“ der molekular orientierten Pflanzenforschung wie Lothar Willmitzer (11), Wolf Frommer (12), Klaus Hahlbrock (14), Gerd Jürgens (20), Eberhard Schäfer (21) oder Heinz Saedler (23).

Zum guten Schluss noch ein paar Zahlen, die sich nicht sofort aus den Tabellen erschließen: Acht der 50 Meistzitierten arbeiten an Instituten in der deutschsprachigen Schweiz, drei davon landeten unter den ersten Zehn – ein gutes Ergebnis für die Eidgenossen.

Sechs Forscher der Liste arbeiten am Kölner MPI für Züchtungsforschung, das vielen lange Zeit als Vorzeigeinstitut und Kaderschmiede der deutschen Pflanzenforschung galt. Dies wird unter anderem dadurch belegt wird, dass auch einige Ex-Kölner sich glänzend platzierten: Dierck Scheel auf Platz 8 etwa, oder der Ex-Braunschweiger und Neu-Düsseldorfer William Martin auf 25.

Insgesamt brachte die Max-Planck-Gesellschaft 12 Forscher aus vier Instituten in die Liste, neun sind Direktoren oder Ex-Direktoren. Sieben MPI-Forscher schafften einen Platz unter den ersten Zwanzig, darunter zwei Nicht-Direktoren.

Die zwei Pflanzen-Institute der Leibniz-Gemeinschaft, früher als Blaue Liste“ bekannt, brachten insgesamt acht ihrer Forscher unter die ersten Fünfzig: Vier aus dem Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle, und vier aus dem Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben.

Bleiben noch zwei Forscher aus dem GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in Neuherberg bei München, einer Einrichtung der Helmholtz-Gesellschaft Deutscher Großforschungszentren. Und der Rest forscht an deutschen Unis - 20 Forscher an der Zahl. Wobei die Unis ihre beiden Spitzen, wie schon erwähnt, gerade verlieren: Mark Stitt an die MPG, Hartmut Lichtenthaler in den Ruhestand.


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Letzte Änderungen: 08.09.2004


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