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Fett und Zucker

Zitationsvergleich 1997 bis 1999: Hormon- und Stoffwechselforschung
von Ralf Neumann, Laborjournal 10/2002


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Zwei Hormone teilten sich zwischen 1997 und 99 das Hauptaugenmerk von weit über der Hälfte der fünfzig meistzitierten Hormonforscher hierzulande: das eine ein "Dauerbrenner", das andere ein "Senkrechtstarter".

Preisfrage: Welches ist das "Hormon Nummer eins" der biomedizinischen Forschung? Insulin, ganz klar. Nicht weil dessen Wirkmechanismus so interessant zu erforschen wäre. Sondern weil das Hormon eine zentrale Rolle bei den verschiedenen Manifestationen der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus spielt. Und diese hat schließlich schon lange den Rang einer "Volkskrankheit".

Klar daher, dass besonders viele "Hormon-Mediziner" sich auch forschend mit Insulin und Diabetes auseinandersetzen, ja dass sogar ganze Institute und Abteilungen sich nominell der Diabetologie widmen. Und daraus wiederum wird klar, dass unter diesen Voraussetzungen gute Diabetes-Artikel ein sehr hohes Zitierpotenzial besitzen müssen.

Man sollte daher folgerichtig erwarten, dass auch in unserem Publikationsvergleich unter den fünfzig Hormonforschern des deutschen Sprachraums, deren Artikel der Jahre 1997 bis 99 am häufigsten zitiert wurden, sich mehrheitlich Diabetes-Forscher tummeln sollten. Und so ist es auch: Insgesamt 18 der "Top 50" haben jeweils mehrere ihrer Paper zwischen 1997 und 99 über Diabetes verfasst.

Für die Spitzenplätze allerdings reichte es nicht: Die meistzitierten Diabetes-Forscher kommen mit dem Frankfurter Harald Rau und dem 2000 emeritierten Heidelberger Klinikchef Reinhard Ziegler samt seinem Nachfolger Peter Paul Nawroth erst auf den Plätzen 5 bis 7 (wobei zu Harald Rau gleich noch etwas zu sagen sein wird). Unter die zehn meistzitierten Artikel der Jahre 1997-99 schaffte es gar kein einziger Diabetes-Artikel.

Ein Grund dafür ist, dass seit seiner Entdeckung Anfang 1995 ein anderes Hormon dem Insulin dicht auf den Fersen ist: der vor allem in Fettzellen synthetisierte Körperfett-Regulator Leptin. Und auch dies spiegelt unser Vergleich wieder: 17 der 50 meistzitierten Hormonforscher aus deutschsprachigen Instituten publizierten auch über dieses Hormon, beziehungsweise über die mit Leptin zusammenhängenden klinischen Symptome, vor allem die krankhafte Fettsucht, Adipositas oder Obesitas genannt.

Auffällig dabei ist, dass von diesen 17 Leptin/Obesitas-Autoren wiederum die Mehrheit an endokrinologischen Abteilungen in Kinderkliniken arbeitet, logischerweise mit dem Schwerpunkt Fettsucht bei Kindern und Jugendlichen. Angeführt wird diese Gruppe vom zweitplatzierten Werner F. Blum, als Professor für Pädiatrie Medical Advisor bei der Firma Ely Lilly in Bad Homburg und bis vor kurzem an die Kinderklinik der Uni Gießen assoziert, sowie direkt dahinter von Wolfgang Rascher, der 1998 von Gießen auf den Direktorposten der Kinderklinik an der Uni Erlangen wechselte.


Ein "Wackel"-Paper an der Spitze

Den rasanten Aufstieg der Leptin/Obesitas-Forschung spiegelt weiterhin wieder, dass vier Publikationen zu diesem Themenkomplex sich unter den zehn meistzitierten Artikeln platzierten, darunter auch die beiden Spitzenreiter. Zur Nummer eins - dem Leptin-Paper aus der Gruppe um Stephen O´Rahilly in Cambridge, das mit weitem Abstand über allen anderen thront - ist allerdings etwas anzumerken: Dieses kam nur auf die Liste, da während der Studien des Cambridge-Labors der Frankfurter Harald Rau mit einem EU-Stipendium dort ankam - und an fünfter Stelle unter die fünfzehn Autoren des Papers rutschte. Viel schwächer kann man das Kriterium "unter Beteiligung von Forschern aus dem deutschen Sprachraum" wohl kaum erfüllen. Dies zur Relativierung.

Wer jetzt mitgerechnet hat, weiß, dass noch einige Forscher übrig bleiben, deren Publikationsschwerpunkte nicht (nur) auf Insulin/Diabetes oder Leptin/Obesitas liegen. Auch die lassen sich indes zu kleinen Grüppchen zusammenfassen:

Drei Forscher, allesamt keine nominellen Endokrinologen, haben ihren Fokus auf Hormonrezeptoren - wie etwa der Maus-Knock out-Spezialist Günther Schütz vom Heidelberger DKFZ auf Platz 8. Vier weitere Forscher widmen zumindest einen Teil ihrer Publikationsaktivitäten der Schilddrüse und deren Hormonen, darunter beispielsweise der Frankfurter Klaus-Henning Usadel (15.). Wiederum drei Kollegen, mit Eberhard Nieschlag (4.) an der Spitze, führen vorwiegend reproduktions-endokrinologische Arbeiten in ihren Publikationslisten, während zwei weitere jeweils an Kinderkliniken weitgehend über Wachstumshormone forschen: Michael Ranke (17.) in Tübingen sowie Primus Mullis (25.) in Bern.

Bleiben zum Schluss noch diejenigen, die sich mit den "Hormonen im Hirn" beschäftigen. Neuroendokrinologie nennt man diese Unterdisziplin gemeinhin - und ganze acht Forscher der Liste sind am ehesten hier einzuordnen. Darunter auch der Spitzenreiter Florian Holsboer, Direktor des Münchner MPIs für Psychiatrie und bereits in den Publikationsvergleichen zu den Neurowissenschaften sehr gut platziert. Mit ihm landeten noch vier weitere Forscher seines Instituts unter den Top 50, deren Projekte weitestgehend unter dem Titel "Hormone und Verhalten" zusammenfassbar sind. Holsboers eigener Schwerpunkt in diesem Zusammenhang laut Instituts-Homepage: Neuroaktive Steroide.


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Letzte Änderungen: 08.09.2004


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