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Eigentlich ein heißes Feld

Zitationsvergleich 1998 bis 2000: Reproduktionsbiologie
von Ralf Neumann, Laborjournal 9/2003


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Manche Forscher geben sich mit reproduktionsbiologischen Projekten alleine nicht zufrieden. Weswegen sie mit dem ein oder anderen "fachfremden" Artikel unseren Zitationsvergleich leicht verzerren.

Reproduktionsmedizin und -biologie sind eigentlich klare Disziplinen, sollte man denken. Lediglich zur Gynäkologie und Geburtshilfe dürfte die Grenze etwas verschwimmen. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Reproduktionsmedizin und -biologie sowohl an medizinischen als auch an tiermedizinischen Fakultäten vorkommt, sollte man für einen Zitationsvergleich auf der sicheren Seite sein. Ein paar Problemchen gibt es aber dennoch mit unserem Zitationsvergleich.

Zunächst einmal zu den Reproduktionsmedizinern: Es gibt nur wenige medizinische Fakultäten, die ein eigenes Institut für Reproduktionsmedizin führen. Das größte und bekannteste ist sicherlich dasjenige an der Münsteraner Universität. Und so schafften es denn auch gleich elf Forscher aus diesem Institut mit den Zitierungen ihrer Veröffentlichungen der Jahre 1998 bis 2000 unter die Top 50 - angeführt vom Institutsleiter Eberhard Nieschlag auf Platz 2.

Ansonsten bleiben vor allem reproduktionsmedizinische Abteilungen in Frauenkliniken oder endokrinologisch orientierten Instituten. Was hin und wieder zu einer leichten Schieflage führen kann. 14 Angehörige von Frauenkliniken haben sich unter den Top 50 platzieren können. Doch vor allem die vertretenen Klinikleiter veröffentlichen bisweilen nur einen Teil ihrer Artikel zu reproduktionsmedizinischen Themen und hatten durchaus auch andere Schwerpunkte. Zum Beispiel der Basler Wolfgang Holzgreve auf Platz 3: Einige seiner meistzitierten Arbeiten der Jahre 1998 bis 2000 veröffentlichte er über die Risiken und die Diagnose von Aneuploidien bei Schwangerschaften.


Seitensprünge

Ähnlich gelagert ist der Fall bei den fünf vertetenen Humangenetikern. Deren Bestplatzierter, der Göttinger Wolfgang Engel, hat zwar einen klaren Schwerpunkt auf Reproduktions-Humangenetik – so entstammt seinem Labor ja auch das meistzitierte Paper unseres Zitationsvergleichs. Allerdings "machte" er auch viele Zitierungen mit Artikeln über die Molekulargenetik seltener Erbkrankheiten, die keinerlei reproduktionsbiologische Symptome aufweisen. Oder mit einem Paper über den Vergleich von Human- und Hühner-Chromosomen.

Nicht ganz so deutlich ausgeprägt ist dies bei den acht Vertetern aus anatomischen oder histologischen Instituten, die sich unter den besten 50 platzieren konnten. Deren Themenkreis ist oftmals nicht ganz so breit gefächert – wie etwa zu sehen bei dem Placenta-Spezialisten Peter Kaufmann aus Aachen, oder dem Spermatogenese-Experten Martin Bergmann aus Halle.

Bleiben noch die Tiermediziner: Zehn Vertreter dieser Zunft konnten sich zwischen ihre humanmedizinischen Kollegen in die Top 50 schieben, vier unter die ersten 10. Mit dem Münchner Eckhart Wolf, der auch als wissenschaftlicher "Vater" des deutschen "Klonkalbs Uschi" bekannt wurde, erreichte sogar einer die Spitzenposition. Doch auch bei ihm ist Vorsicht geboten: Einen gehörigen Teil seiner Zitierungen sammelte auch er mit "fachfremden" Publikationen. So gehen etwa ganze 270 Zitate auf ein rein immunologisches Paper aus dem Berliner Max-Delbrück-Centrum, das Wolf als Ko-Autor zeichnete. Einen weiteren "Zitatebatzen" sicherte er sich durch seine Teilnahme an einem groß angelegten genomweiten Maus-Mutagenese-Screen im Neuherberger GSF.


Rasante Fortschritte

Man könnte bei all diesen Beispielen fast das Gefühl bekommen, dass Reproduktionsmedizin und -biologie nicht genug Themen hergeben für ein erfüllendes Forscherleben. Doch beweisen nicht nur die erwähnten Münsteraner das Gegenteil. Auch andere, wie etwa der Tierzucht-Biotechnologe Heiner Niemann auf Platz 10, oder der Hamburger Richard Ivell auf Platz 15 belegen dies.

Wäre ja auch kaum vorstellbar bei all den Schlagzeilen, die diese Disziplin der Öffentlichkeit momentan gerade wegen ihres rasanten Fortschritts bietet.


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Letzte Änderungen: 08.09.2004


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