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Kleine RNAs und methylierte Moleküle

Zitationsvergleich 2002 bis 2005: Molekularbiologie (Molekulargenetik)
von Lara Winckler, Laborjournal 5/2008


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Die deutschsprachigen Molekulargenetiker scharten sich zwischen 2002 und 2005 um die Themen RNA-Interferenz sowie DNA- und Histon-Methylierung. Der Großteil der Forscher arbeitete an einem von vier starken Instituten.

Die Molekularbiologie klar abzugrenzen ist kompliziert. In den letzten fünfzig Jahren hat sie in praktisch jedes biologische und biomedizinische Fachgebiet Einzug gehalten. Viele Fragestellungen können ohne molekularbiologische Methoden gar nicht mehr bearbeitet werden. Ohne rigorose Beschneidung würden sich Krebsforscher, Pharmakologen, Immunologen in diesem Zitationsvergleich tummeln, Zoologen gäben sich ein Stelldichein mit Botanikern, und auch Physiologen, Neurobiologen und Chemiker fänden sich ein.

Diese breite Auffächerung stellt den Ranker vor eine knifflige Aufgabe. Entweder vergleicht man endgültig Äpfel mit Birnen, Pflaumen oder gar Bäumen, und bearbeitet in einer weiten Definition die Molekularbiologie als Disziplin von der Struktur und Funktion biologischer Makromoleküle. Oder man muss sich beschränken. Dies geschieht in diesem Vergleich.

Gemäß der "engen" Definition von Molekularbiologie befasst sich diese mit der "Erforschung des genetischen Informationsflusses und seiner molekularen Details". Solche "Molekulargenetiker" bearbeiten Phänomene wie Replikation, Spleißen oder allgemeine Genexpression; sie untersuchen Struktur und Funktionsweise von Chromosomen oder Ribosomen; oder sie erforschen Vorgänge wie RNA-Transport durch die Kernporen oder Chromosomensegregation.

Das Thema RNA-Interferenz ist noch so frisch wie an jenem ersten Tag, als Thomas Tuschl (1.) nachwies, dass es RNAi auch in Säugerzellen gibt. Immer noch räumt Tuschl einen Preis nach dem anderen für seine Entdeckung ab, und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass das meistzitierte Paper in diesem Vergleich aus der Arbeitsgruppe Tuschl kommt, ebenso wie das meistzitierte Review.

Weitaus mehr Artikel behandeln jedoch das andere Highlight-Thema dieses Vergleichs: Die Regulation der Genexpression durch Methylierung, sowie Probleme, die bei Hyper- oder Hypomethylierung auftauchen. Fünf der zehn meistzitierten Molekulargenetik-Artikel befassen sich damit. Der Rest wird bestritten von jeweils einem Artikel zu Export von RNAs aus dem Zellkern, Reparatur von DNA-Schäden und Gen-Silencing.


Vier starke Institute

Vier Institute fallen zwischen 2002 und 2005 bei den Molekulargenetikern des deutschsprachigen Raums durch Entsendung zahlreicher Wissenschaftler auf. Allen voran eine Doppelspitze aus dem Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen und dem Wiener Research Institute of Molecular Pathology (IMP). Jeweils acht Forscher arbeiteten zwischen 2002 und 2005 zumindest zeitweise in einem der Institute, allein sieben von ihnen finden sich unter den Top 10.

Den Rest der Top 10-Plätze belegen Mitarbeiter der beiden anderen starken Molekulargenetik-Institute: Hans Lehrach (2.) und Martin Vingron (6.) vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin forschen über Genregulationsmechanismen, Bertrand Seraphin (4.), der 2003 das EMBL in Heidelberg zugunsten eines Direktionspostens im Center for Molecular Genetics (CGM) im französischen Gif-sur-Yvette aufgab, erforscht Introns und Spleißmechanismen.

Überhaupt fällt in diesem Zitationsvergleich die hohe Abwanderungsrate der Creme der deutschsprachigen Molekulargenetik ins nahe oder ferne Ausland auf. Tom Tuschl nahm 2003 einen Großteil seiner Arbeitsgruppe mit nach New York an die Rockefeller University. Andere Forscher zog es nach Seattle, Oxford und Frankreich.

Aber, ein Lichtblick, es kommen auch einige zu uns: Gunter Meister (23.) war bis 2004 als Postdoc im Labor von Thomas Tuschl an der Rockefeller University in New York. 2005 übernahm er dann die Leitung der unabhängigen Forschergruppe "RNA-Biologie" am MPI für Biochemie in Martinsried.

Ein weiterer Heimkehrer ist Dirk Schübeler (40.). Bis 2003 an der Division of Basic Sciences am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, Washington, forscht er heute am Friedrich Miescher Institut für Biomedizinische Forschung in Basel an der Modifizierung von Histonen durch Methylierung.

Bleibt schließlich noch eine weitere positive Bilanz zu vermelden: Österreich und die Schweiz zeigen sich in der Molekulargenetik von ihrer starken Seite: Vierzehn Top 50-Wissenschaftler kommen aus Österreich, acht weitere aus der Schweiz.


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Letzte Änderungen: 05.06.2008


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