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Gene und Ernährung

Publikationsanalyse 2007-2010: Krebsforschung
von Lara Winckler, Laborjournal 07/2013




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Foto: Jeff Gunderson, MSG, Montage: LW

Hämatologen, Gynäkologen und Ernährungsforscher führen die Top 50 an, Krebsforschungs-Hotspot ist Heidelberg.

„… und an der Brust sahen wir häufig Tumoren, die der Gestalt eines Krebses sehr ähnlich waren. So wie die Beine des Tieres an beiden Seiten des Körpers liegen, so verlassen die Venen den Tumor, der seiner Form nach dem Krebskörper gleicht.“ So erklärte Galenos von Pergamon vor 2000 Jahren die Namensherkunft von Krebs. Schon die alten Griechen kannten Krebsgeschwülste, v. a. von Brust und Haut. Doch obwohl seit vielen Jahren mit Therapien experimentiert wird – und in vielen Fällen durchaus erfolgreich –, hat die Krankheit kaum an Schrecken verloren. Viele Krebsarten sind (noch) nicht heilbar, und auch bei jenen, die als geheilt gelten, lauert immer die Gefahr eines Rezidivs.

Onkologen, obwohl im eigentlichen Wortsinn Erforscher von Geschwülsten aller Art, haben sich dem Krebs verschrieben. Krebs, das sind maligne, also bösartige Gewebeneubildungen (Neoplasien) – im engeren Sinn die malignen epithelialen Tumoren (Karzinome), die von Ekto- und Entoderm ausgehen und rund 80 Prozent aller bösartigen Tumoren ausmachen, sowie die malignen mesenchymalen Tumoren (Sarkome). Zu den Karzinomen zählen u.a. Leber-, Nieren-, Brust- und Prostatakrebs, Zervixkarzinom und Pankreastumoren sowie Hirntumoren des neuroektodermalen Gewebes wie Astrozytome und Gliome. Sarkome gehen von Binde- und Stützgewebe (Knochen, Knorpel und Fettgewebe) sowie vom Muskelgewebe aus. Zu ihnen gehören Chondro-, Fibro- und Osteosarkome sowie Angio- und Kaposi-Sarkome. Im weiteren Sinne bezeichnet man auch maligne Erkrankungen des blutbildenden Systems, wie Leukämien, als Krebs.

Am Anfang war die Mutation

Heute geht man davon aus, dass Krebs entsteht, wenn die DNA-Reparaturmechanismen versagen. Dies geschieht etwa durch Mutation eines Tumorsuppressorgens infolge von Umweltgiften – wie Benzol und Nitrosamine –, UV-, Röntgen- und radio­aktiver Strahlung oder auch Infektionen mit Onkoviren – etwa Hepatitis B- und -C-Virus und HIV. Und wie die Million Women Study bestätigt, gehören auch fatale Ernährungsgewohnheiten dazu (BMJ 2007, 335(7630):1134): Übergewicht steigert demnach das Krebsrisiko. Laut US Environmental Protection Agency (EPA) finden mit rund 35 Prozent der größte Teil der Krebs-Todesfälle in den USA ihre Ursache in der Ernährung, gefolgt vom Tabakkonsum, der für 30 Prozent der US-Krebstoten verantwortlich sei. Grund genug für Jakob Linseisen (2.), Epidemiologe am Helmholtz-Zentrum München, ebenfalls einen genaueren Blick auf den Zusammenhang zwischen Adipositas, Dia­betes vom Typ 2 und der Entstehung von Krebs zu werfen.

Sind Apoptose-Gene wie p53 mutiert, so sind die veränderten Zellen unsterblich. Protoonkogene, die Prolifera­tion und Differenzierung der Zelle einleiten, erledigen bei Entartung den Rest – Ausbildung einer Geschwulst, Verdrängung von Gewebe, Infiltration und Metastasierung. Nicht von ungefähr sind viele Krebsforscher auf der Suche nach Risikofaktoren wie epigenetischen Modifikationen und Biomarkern für die frühzeitige Diagnose. Zu ihnen gehören Kari Hemminki (6.) und Jenny Chang-­Claude (11.), Epidemiologen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) Heidelberg, sowie Peter Lichter (9.), Molekularer Genetik am DKFZ. Außerdem Reiner Siebert (30.), Leiter der Tumorgenetik am Kieler Institut für Humangenetik, sowie Hiltrud Brauch (19.), Klinische Pharmakologie, Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart, die die Wirkung von Medikamenten durch genetische Untersuchungen vorhersagt, um so die Behandlung von Brustkrebs zu verbessern – ein Ansinnen, das den Beifall der Community findet, wie Platz 2 der bis heute meistzitierten Artikel zeigt.

Nur ein weiterer Top 10-Artikel aus den Jahren 2007-2010 hat ein „Krebs-Gen“ zum Thema – Platz 8 mit Linseisen als Mitautor. Ansonsten gehörte die fast ungeteilte Aufmerksamkeit der Community der Wirkung „heißer“ Krebsmedikamente. Das schlägt sich auch in der Zusammensetzung der 50 bis heute meistzitierten Krebsforscher, die 2007-2010 an einem Institut im deutschsprachigen Raum arbeiteten, nieder: Mediziner, die die betroffenen Gewebe und Organe untersuchen, behandeln, transplantieren oder gleich ganz entfernen, bestreiten den Hauptanteil der Top 50 – v.a. Hämatologen, Gynäkologen und Neurologen.

Womöglich werden bald auch einige Zoologen dazugehören, nachdem US-amerikanische Wissenschaftler entdeckten, dass Nacktmulle Dank einer speziellen Hyaluronsäure vor Krebs gefeit sind (Nature, 19.6.2013).


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Letzte Änderungen: 10.07.2013


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