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Warum heißt Ihre Firma denn ausgerechnet Preomics, Herr Pichler?

(22.6.17) Rede und Antwort steht Garwin Pichler, gemeinsam mit Nils Kulak Gründer und Geschäftsführer des Biotech-Unternehmens Preomics GmbH aus Martinsried bei München.
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© Preomics GmbH

Garwin Pichler, Wissenschaftler und Firmengründer

Herr Pichler, Ihre Firma heißt Preomics? Das „Pre“ hat doch sicherlich etwas mit „vor“ zu tun?

Garwin Pichler: Ja, denn wir beschäftigen uns mit allem, was vor der Proteomforschung kommt - genauer: mit der Probenvorbereitung für die Massenspektrometrie. Diese ist sehr anspruchsvoll, während gleichzeitig die Probenqualität ausschlaggebend für das Endergebnis der Analyse ist. In der Regel können deshalb eigentlich nur Spezialisten eine massenspektrometrische Analyse durchführen. Wir wollten die Methode aber auch anderen Forschern zugänglich machen, ohne dass diese sich darauf spezialisieren müssen. Unser erstes Produkt war deshalb ein Kit für die Aufbereitung von Peptiden für die anschließende Massenspektrometrie. Das Kit ist universell einsetzbar und durch einen Farbcode der Reagenzien sehr benutzerfreundlich. Wir wollten eine Komplettlösung anbieten, für die man nur das eigene Probenmaterial und eine einfache Laborausrüstung benötigt. Gleichzeitig sollte sie natürlich absolut reproduzierbare Ergebnisse liefern.

Gibt es noch weitere Produkte?

Pichler: Mit unserem Gerät "Spider", das derzeit auf den Markt kommt, lassen sich Peptide vor der Massenspektrometrie fraktionieren, was besonders für Blutproben sehr wichtig ist. Sowohl das Kit als auch Spider sollen außerdem in Zukunft zu einer Plattformtechnologie mit mehreren Anwendungsgebieten weiterentwickelt werden.

Zurück zum Firmennamen: Preomics - auf der Website geschrieben mit großem Binnen-'O' - hieß ja zunächst einmal Precision Proteomics, nicht wahr?

Pichler: Ja, das ist richtig. Beim Bussinessplan-Wettbewerb haben wir unter dem Namen „Precision Proteomics“ teilgenommen. Das war einfach unsere erste Idee, die bei einem Brainstorming entstanden ist. Wir wollten damit ausdrücken, dass wir präzise Proteomik ermöglichen. Den Namen haben wir aber nur etwa ein halbes Jahr verwendet.

Warum sind Sie wieder davon abgekommen?

Pichler: Wir haben schon beim Gründerwettbewerb gemerkt, dass der Name nicht griffig ist und dass man sich nicht so recht etwas darunter vorstellen kann. Viele dachten, dass wir Dienstleister sind, also irgendeine Art Service machen. Außerdem war der Name schwer zu schreiben und auch schwierig auszusprechen.

Wer hat sich den aktuellen Namen ausgedacht?

Pichler: Da haben wir viel Input von der Max-Planck-Innovation bekommen [Anm. der Red.: das ist die für Technologie-Transfer zuständige GmbH der Max-Planck-Gesellschaft]. Der Name sollte einsilbig und vor allem gut auszusprechen sein. Preomics sagt unserer Meinung nach schön, was wir machen. Wir optimieren das, was vor den „-omics“ kommt. Wir haben noch darüber nachgedacht, das „cs“ am Ende durch ein „x“ zu ersetzen, uns dann aber dagegen entschieden. Das macht zurzeit einfach jeder.

Und das Logo besteht aus den Anfangsbuchstaben P und O?

Pichler: Genau. Wir haben kräftiges Grün und Blau dafür ausgewählt, um zu zeigen, dass wir ein junges, innovatives Unternehmen sind. Auffällige Farben sind einfach ein Hingucker. Wir verwenden sie auch für unsere Produkte, das Kit und vor allem das Spider-Gerät. Es soll anders aussehen als herkömmliche Geräte und schon allein damit auf sich aufmerksam machen.

Preomics ist ja eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Martinsried. Gibt es da noch Verbindungen?

Pichler: Matthias Mann, unser dortiger Chef, war bei der Firmengründung sehr unterstützend. Er war sehr daran interessiert, dass aus unserer wissenschaftlichen Innovation ein Produkt wird. Heute sind wir vom MPI aber vollkommen unabhängig. Insgesamt haben wir hier in Martinsried einfach ein extrem stimulierendes Umfeld aus akademischen Instituten und Biotech-Firmen.

Das Biotechförderunternehmen BioM hat Ihnen schon vor der eigentlichen Gründung einen Preis verliehen. Unterstützt es Sie weiterhin?

Pichler: Die BioM GmbH, die ja genauso wie wir hier im Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie sitzt, hat unsere Gründung in der Tat durch die Verleihung des M4-Awards sehr unterstützt. Das Preisgeld ermöglichte es uns, unsere wissenschaftliche Idee in ein kommerzielles Produkt, eben unser Probenvorbereitungs­-Kit, umzuwandeln. So konnten wir direkt nach der Gründung mit dem Vertrieb des marktfertigen Produkts beginnen. Auch heute unterstützt uns die BioM GmbH noch, indem sie uns informiert, wenn es neue Fördermöglichkeiten gibt, uns zu Veranstaltungen einlädt und uns so ermöglicht, Kontakte zu knüpfen.

Und wie sieht es mit Ihrer Finanzierung aus?

Pichler: Für uns war es natürlich ein großer Vorteil, dass wir schon ein marktfertiges Produkt vorweisen konnten, als wir gegründet haben. Das Kit verkauft sich auch sehr gut. Trotzdem haben wir gerade eine Finanzierungsrunde abgeschlossen. Da wir in den USA Fuß fassen und Strukturen für eine Skalierung von Vertrieb und Produktion schaffen wollen, brauchen wir einfach gerade Finanzmittel.

Die Fragen stellte Larissa Tetsch.

Steckbrief der PreOmics GmbH (www.preomics.com):

Gründung: 2016 (als Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Biochemie)

Sitz: Planegg-Martinsried bei München

Mitarbeiter: 6

Produkte: Probenvorbereitungs­Kit und Probenfraktionierungs-Gerät für die Massenspektrometrie

Übrigens: In der aktuellen, frisch erschienenen Laborjournal-Ausgabe 6/2017 finden Sie auf den Seiten 46-47 ein Firmenportrait über Garwin Pichlers Start-up Preomics!



Letzte Änderungen: 14.07.2017

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