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Münchner Doktoranden unter sich: Das Interact-Symposium

Von Doktoranden für Doktoranden war das Motto des Interact Symposiums am 2. April in München. Es richtete sich an die Münchner Doktoranden der Lebenswissenschaften.

(23. April 2009) "Hier in München haben wir die deutschlandweit einzigartige Situation, dass eine kritische Masse an Lebenswissenschaftlern erreicht ist. Die Möglichkeiten für interdisziplinäre Forschung und Kooperationen sind phantastisch", schwärmt Marsilius Mues vom 25-köpfigen Organisationsteam. Das erste Interact Symposium fand 2007 statt und wurde von dem Doktoranden Maximilian Jösch initiiert. Inspiriert wurde er von dem Göttinger Horizons Meeting, welches auch von Doktoranden organisiert wird und nun schon zum fünften Mal stattfand. Doch während Horizons Schritt für Schritt zu einer internationalen Konferenz reift, möchte Interact seinen lokalen Charakter behalten. "Wir beschränken uns bewusst auf den Münchner Raum", sagt Organisatorin Heidi Söllner. "Der Reiz des Interact ist es, dass man seine Nachbarn kennenlernt. Die praktischen Kniffe lernt man schließlich nicht von den Chefs, sondern von anderen Doktoranden. In München kann man sich unkompliziert besuchen, um Techniken auszutauschen oder Materialien auszuleihen."

Teilnehmer Lukas Windhanger, Doktorand der Bioinformatik an der LMU, bestätigt dies: "Wenn man nicht wie ich in München studiert hat, ist so eine Konferenz hilfreich, um einen Überblick zu bekommen". Er erstelle systembiologische Modelle, die von Biologen in Experimenten überprüft werden sollen. Daher schaue er, ob sich vielleicht eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit ergebe.

Fündig geworden ist Psychologie-Doktorandin Amory Faber. "Beim letzten Interact hat sich ein Doktorand vom Institut für Psychiatrie für mein Poster interessiert. Ich hatte Patienten mit Schädelverletzungen mit dem psychologischen Test Tower of London untersucht. Diesen Test hat er dann in seiner Schlafforschung eingesetzt."

Biochemie-Doktorandin Carina Frauer präsentierte einen neuen Assay für DNA-Bindungsstudien. "Es kamen schon viele auf mich zu und fragten, ob sie mich mal im Labor besuchen und die Technik ausprobieren könnten".

Für einige Doktoranden ist es wichtig, dass sich bei dieser Konferenz die Teilnehmer auf Augenhöhe begegnen. "Es ist meine erste Poster-Präsentation und ich hatte ein wenig Angst davor", sagt Katharina Brünger, Doktorandin am Genzentrum. Die Arbeit hat sich gelohnt, findet Sarah Nicola Jung aus dem Logistik-Team. In der ohnehin knappen Freizeit noch eine Konferenz zu organisieren sei stressig gewesen. "Das schwierigste war das Timing, es war wie eine Gleichung mit etlichen Unbekannten", sagt sie. "Wir wollten flexibel auf unsere Keynote Speaker eingehen. Aber bevor wir die Zusagen hatten, hing die Planung in der Luft. Welcher Sponsor gibt schon Geld für eine Veranstaltung, deren Datum nicht feststeht? Wie kann man Räume anfragen, wenn man nicht weiß, wann man sie braucht?" Den amerikanischen Wissenschaftlern schien der Weg für ein unbekanntes Symposium zu weit. "Erst als wir uns auf Europa konzentrierten, hatten wir Erfolg".

"Mit bekannten Wissenschaftlern möchten wir die Doktoranden auf uns aufmerksam machen", erklären die Organisatoren. Die Erleichterung war groß, als Alfred Wittinghofer (MPI für Molekulare Physiologie Dortmund) und Tim Hunt (Cancer Research UK, London) ihre Teilnahme bestätigten.

Hunt erhielt im Jahr 2001 für seine Forschung über die Kontrolle des Zellzyklus den Nobelpreis. Obwohl er seitdem unzählige Einladungen zu Konferenzen erhalte, sage er ungern "Nein" zu Studenten; nach einem Blick in den Terminkalender sagte er Interact zu. Seinem Vortrag war die Freude, etwas von seiner Erfahrung an die nächste Generation weiter geben zu können, anzumerken. Hunt betonte die noch offenen Fragen und ermutigte seine Hörer, diese zu lösen: "Ich werde mich bald zur Ruhe setzen, doch euer Leben erstreckt sich noch vor Euch und es ist nicht so, dass uns die Fragen ausgehen." Und: "Wann immer Eure Experimente nicht das Resultat haben, das die Theorie verlangt, dann wisst ihr, dass ihr auf einer heißen Spur seid, etwas Neues zu entdecken."

Neues zu entdecken gab es auch für das Organisatoren. "Interact ist eine gute Abwechslung zur Laborarbeit", findet Elmar Czeko. Der Doktorand des Genzentrums glaubt, im Berufsleben von dieser Erfahrung profitieren zu können. "Wie man sich die Arbeit sinnvoll aufteilt, wie man verschiedene Meinungen zum Kompromiss bringt und wie man unter Stress den Überblick behält das kann man bei so einer Organisation lernen", führt er aus. Zur Vorbereitung ließ sich das Team in Projektmanagement und Finanzmittelbeschaffung schulen. "Danach", sagen die Doktoranden "haben wir alles selbst gemacht".

Doch für das Gelingen war die Unterstützung ihrer Institute entscheidend. "Ohne unseren Institutsleiter, der ein gutes Wort für uns eingelegt hat, hätten wir die Konferenz wahrscheinlich nicht im historischen Hauptgebäude der LMU abhalten dürfen", meint Czeko. "Ohne große Namen geht es einfach nicht." Die finden sich auch im Advisory Board und Prominente übernahmen die Schirmherrschaft: Oberbürgermeister Christian Ude und Peter Gruss, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Die Institute haben das Projekt auch finanziell unterstützt: den Großteil der Kosten trug die Öffentliche Hand. Die Doktoranden sind jedoch stolz darauf, ein Viertel der Kosten über private Sponsoren gedeckt zu haben.

Sieben Doktoranden durften ihre Arbeit in einem Vortrag präsentieren. Ihre Auswahl hatte ein fünfköpfiges Doktoranden-Team übernommen.

"Wir haben auf inhaltliche Vielfalt geachtet", sagt Czeko. So reichten die Vorträge von Bioinformatik über Strukturbiologie bis zur Biochemie. "Wenn wir uns nicht sicher waren, wie bedeutend die Ergebnisse waren, haben wir in der Literatur recherchiert und Kollegen aus dem Feld befragt", so Czeko. "Wir haben auch nachgehakt, ob der maßgebliche Teil der Arbeit von dem betreffenden Doktoranden selbst gemacht wurde."

Der beste Vortrag und das beste Poster wurde vom Publikum gewählt und von den Sponsoren belohnt: Olympus stiftete eine Digitalkamera, Nature ein Jahresabonnement. Die Feier im Anschluss an die Preisverleihung dauerte bis Drei Uhr morgens.

"Das Feedback der Teilnehmer war gut. Es war Stimmung auf Konferenz und Party.", fasst Söllner zusammen. Interact soll nun jedes Jahr stattfinden und zu einer festen Größe im Münchner Wissenschaftsbetrieb werden.

Für das nächste Jahr haben die Organisatoren Susan Lindquist vom Whithead Institute, Boston als Rednerin gewonnen. Die Detailplanung übernimmt die nächste Generation von Doktoranden, denn aus Zeitgründen bleiben die meisten Organisatoren nur eine Saison dabei. Söllner: "Neue Leute bedeuten neue Ideen mal sehen, wie sich Interact weiterentwickelt. Ich könnte mir eine ergänzende Jobmesse gut vorstellen. Fest steht: Auch Interact 2010 wird von Doktoranden für Doktoranden sein."



Almut Graebsch



Letzte Änderungen: 10.05.2009
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